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27 Mai 2021

Deutsche NGO in Russland unerwünscht

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Russische Staatsanwaltschaft

Der Wortlaut des NGO-Beschlusses der russischen Staatsanwaltschaft.

Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat beschlossen, die Aktivitäten einer Reihe ausländischer Nichtregierungsorganisationen auf dem Gebiet der Russischen Föderation als unerwünscht einzustufen.

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Untersuchung der am 26. Mai 2021 eingegangenen Unterlagen hat die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation beschlossen, die Aktivitäten folgender ausländischer Nichtregierungsorganisationen auf dem Gebiet der Russischen Föderation für unerwünscht zu erklären:

  • Forum Russischsprachiger Europäer e.V. Deutschland;
  • Zentrum für die Liberale Moderne GmbH, Deutschland;
  • Deutsch-Russischer Austausch e.V., Deutschland.

Es wurde festgestellt, dass ihre Aktivitäten eine Bedrohung für die staatliche Grundordnung und Sicherheit der Russischen Föderation darstellen.

Informationen über den Beschluss wurden an das russische Justizministerium weitergeleitet, um diese Daten in die Liste der ausländischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen aufzunehmen, deren Aktivitäten auf dem Territorium der Russischen Föderation als unerwünscht gelten, sowie um diese Informationen allgemein bekannt zu machen.

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24 Mai 2021

Strafbremse für Google

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Russland bestraft Google

Der russische Roskomnadzor (Der föderale Dienst für die Aufsicht im Bereich der Informationstechnologie und Massenkommunikation) kündigte an, Maßnahmen zur Verlangsamung des Datenverkehrs zu Google-Diensten anzuwenden, da das Google die in Russland Anforderungen zum Entfernen von in Russland verbotenen Internet-Inhalten nicht vollständig erfüllt.


Der Roskomnadzor betonte, dass er mindestens 26.000 Mitteilungen über die Notwendigkeit des Entfernens vom verbotenen Internet-Content ans Google-Management gesendet haben soll. Wenn Google nun den Zugang zu diesen Inhalten nicht innerhalb von den nächsten 24 Stunden blockiert, wird eine Geldstrafe von 800.000 bis vier Millionen Rubel (umgerechnet von ca. 9.000 bis ca. 45.000 EUR) verhängt. Wiederholt sich der Verstoß, erhöht sich die Geldbuße auf ein Zehntel des Jahresumsatzes des Google-Unternehmens.

Momentan entfernt Google 20 bis 30 Prozent der Links zum in Russland verbotenen Content nicht, vor allem zu Websites terroristischer und extremistischer Organisationen, Kinderpornografie und Online-Drogenhändlern.

Vor kurzem hat Roskomnadzor den Datenverkehr von Twitter bereits verlangsamt. Diese Maßnahme wurde am 10. März 2021 eingeführt. Der Grund war ebenfalls eine schleppende Entfernung verbotener Inhalte. Am 17. Mai hob Roskomnadzor die Beschränkungen für Twitter jedoch teilweise auf und bewertete die Vierbesserungsbemühungen dieses sozialen Netzwerks positiv. Seitdem hat Google in Bezug auf die Anzahl der nicht entfernten verbotenen Materialien in Russland die Nase vorn.

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Russland gegen IT-Giganten

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Staatsduma gegen internationale IT-KonzerneAm 21. Mai 2021 wurde der Staatsduma ein Entwurf des föderalen Gesetzes „Über die Aktivitäten ausländischer Personen im Informations- und Telekommunikationsnetz Internet auf dem Territorium der Russischen Föderation“ vorgelegt.


Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Eigentümer von Informationsressourcen, deren tägliches Publikum mehr als 500.000 russische Benutzer umfasst, für die Arbeit in der Russischen Föderation Niederlassungen oder Repräsentanzen eröffnen oder russische juristische Personen gründen müssen, die die Interessen der entsprechenden ausländischen IT-Konzernen uneingeschränkt vertreten sollen. Sie sollen auch als der Hauptkanal für die Interaktion der russischen Regulierungsbehörden mit den ausländischen IT-Konzernen auf dem russischen Territorium fungieren.

Diese Modalitäten sollen insbesondere für ausländische Hosting-Anbieter, Betreiber von Werbesystemen und Informationsverbreitungsmedien gelten. Der Gesetzentwurf sieht Maßnahmen vor, um ausländische Internetunternehmen zur Einhaltung der russischen Gesetzgebung zu zwingen.
So  erhofft sich die Staatsduma die Lücken für Google, Facebook, Twitter und andere ausländische IT-Giganten zu schließen, die es ihnen bis jetzt erlauben, im russischen virtuellen Raum auch gegen Interessen Russlands ziemlich ungestört zu agieren.
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04 April 2021

Der Tag X kommt

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NATO bereitet sich auf den Krieg vor
Die im Jahr 2015 gestartete Phase der NATO-Vorbereitungen auf einen großen Krieg mit Russland geht offenbar zu Ende.

In all den Jahren haben sich gepanzerte Fahrzeuge und Munition in den an Russland angrenzenden NATO-Ländern angesammelt. Es wurden auch Logistik- und Bevölkerungsmobilisierungspläne ausgearbeitet. Unter dem Deckmantel der regelmäßigen Rotation wurde das NATO-Militärpersonal mit den Orten der zukünftigen Kampfhandlungen vertraut gemacht.

Parallel dazu lief der Prozess der Entmenschlichung und Dämonisierung Russlands und dessen politischer Führung. Es wurden Vorwürfe wegen des Einsatzes chemischer Waffen erhoben. Die Bevölkerung der NATO-Staaten wurde methodisch dressiert, die militärische Lösung der "Russenfrage" als eine unausweichliche Gegebenheit zu akzeptieren.

Das jüngste Beispiel eines solchen Informationskrieges ist der Artikel in The National Interest, wo die Notwendigkeit der NATO-Besetzung der Region Kaliningrad nun ganz offen deklariert wird.

Im Jahr 2020, als die Kriegsvorbereitungsmaßnahmen zu offensichtlich wurden, wurden sie zum Teil durch die Coronavirus-Pandemie getarnt, die zeitlich äußerst passend stattgefunden hat. Dank der "Pandemie" ist es möglich geworden, den Abbruch von militärischen und politischen Kontakten mit Russland sowie eine extreme Drosselung des europäischen Binnenverkehrs (zusätzliche Kapazitäten für den Militärtransport) zu erklären. Dabei sollten westeuropäische Ausgangssperren Disziplin und Gehorsam in der Zivilbevölkerung, aber auch deren Gewohnheit, persönliche Schutzausrüstung einzusetzen, trainieren.

Ein weiteres Anzeichen der fatalen Entwicklung ist der kürzlich erfolgte Transfer von B-1-Bombern nach Norwegen, deren Einsatz eine verdeckte Annäherung an das Ziel in geringer Höhe sowie den anschließenden Start von Marschflugkörpern ermöglicht. Unter dem Ziel versteht man hier den russischen Marinestützpunkt Gadschiewo, wo Nuklearraketenträger der Nordflotte Russlands stationiert sind.

Die unmittelbare Bedrohung für nukleare Abschreckungskräfte Russlands zwingt die russische Führung dazu, Szenarien eines Präventivschlags in Erwägung zu ziehen, weil durch die jüngsten NATO-Aktionen die rote Linie überschritten und der Übergang zur Endphase der Kriegsvorbereitungen demonstriert wird.

Die Unabwendbarkeit des Krieges erkannte die politische Führung Russlands längst. Darum versuchte der Kreml, so viel Zeit wie möglich für die Neuausrüstung der Armee und für die Vorbereitung der Industrie auf die Funktionsweise unter Kriegsbedingungen zu gewinnen.

Eine der erfolgreichen russischen Operationen, um den Gegner in die Irre zu führen, war dabei das langfristige operative Spiel mit dem amerikanischen Agenten Nawalny, dessen Machtübernahme für die anschließende Vernichtung Russlands nach dem Vorbild der UdSSR vom Westen ernsthaft als mögliche Alternative zum Krieg betrachtet wurde.

Auf verschiedene Art und Weise wurde der Westen mit falschen Insider-Infos über eine ernsthafte Unterstützung von Nawalny durch hochrangige russische Beamte und sogar Sicherheitsbeamte gefüttert. Es wurden Geschichten über einen angeblichen "Krieg der Kreml-Türme" verbreitet. Die russische Regierung zeigte öfters eine demonstrative Dumpfbacken-Friedlichkeit gegenüber dem Westen oder "Besorgnis wegen verdorbener Beziehungen". Sie appellierte an "Menschenrechte" oder "demokratische Werte". Das heißt, bis vor kurzem versuchte man den westlichen Feind mit der Perspektive der Vernichtung Russlands durch einen internen Staatsstreich anzulocken und abzulenken.

Dieses Spiel endet aber im Januar 2021 mit der Verhaftung des Agenten Nawalny. Danach ändert sich der Ton der russischen Regierung dramatisch und wird ungewöhnlich hart. Die Zahl der militärpolitischen TV-Programme nimmt stark zu, die russische Bevölkerung wird nun gezielt ideologisch auf den Krieg vorbereitet.

Was ist aber der Grund, warum das Nawalny-Tarnspiel beendet worden ist? Hier sind zwei Varianten denkbar.

Variante 1: Die militärpolitische Führung Russlands betrachtet notwendige vorbereitende Kriegsmaßnahmen als abgeschlossen. Neue Waffen sind getestet und in Dienst gestellt, das Land ist militärisch und wirtschaftlich kriegsbereit (oder befindet sich mindestens auf dem aktuell bestmöglichen Niveau).

Variante 2: Es ist nicht mehr möglich, die westlichen Geheimdienste zu täuschen, sie glauben nicht mehr an "Nawalny-Versteher" im Kreml, also hat das Spiel keinen Sinn mehr.

Es ist auch möglich, dass die beiden Begründungen gleichzeitig zutreffen.

Wie auch immer ist das Pokerspiel zu Ende. Die Gegner werfen ihre Karten auf den Tisch und greifen nach Bleispritzen. Unter dem Deckmantel der Militärübung Defender Europe 2021 erfolgt momentan ein massiver Transfer der NATO-Truppen an russische Grenzen. Ukrainische Streitkräfte an den Grenzen der Donezk- und Lugansk-Republiken sowie der Krim sind ebenfalls angriffsbereit. NATO-Truppen sind de facto in der Ukraine. Die polnische Flotte versucht, den russischen Pipelayer in der Ostsee anzugreifen. Das US-Kommando in Europa (EUCOM) eskaliert die Bereitschaftsstufe offiziell von der "möglichen Krise" bis auf "potenzielle und bevorstehende Krise". Russische Truppen rücken an westliche Grenzen des Landes vor.

Das Hauptziel des bevorstehenden Krieges ist es, eine absolute Weltherrschaft der oberen Schicht des Westens zu etablieren, was vor allem die Beseitigung unabhängiger Regionen auf dem Erdball erfordert. Alle Medien im weitesten Sinne des Wortes (von politischen Ausgaben bis zu den Kindercomics), alle Datenbanken (bis hin zu Straßenkameras), Bankkonten von Bürgern usw. müssen unter die Kontrolle eines einzigen Kontrollzentrums gestellt werden. Infolgedessen wird eine absolute physische und spirituelle Herrschaft über die Welt hergestellt.

Noch nicht ganz klar ist der Grund, der diese kriminelle "Herrschergruppe" zwingt, die Kriegsprozesse ausgerechnet heute zu beschleunigen, und dabei sogar verwegen zu handeln und Risiken einzugehen. Ansonsten ist die Entwicklung offensichtlich, und die Kriegsvorbereitungen laufen nach klassischen Regeln wie schon mehrmals in der menschlichen Geschichte.

Uns bleibt nun abzuwarten, ob auch die nächste Regel befolgt wird: Der Krieg kommt immer unerwartet, auch wenn er lange vorbereitet wird.

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22 Januar 2021

Coronavirus in Russland: Theorie und Praxis

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Coronavirus in Russland
Seit Anfang 2021 wurden Russland die Maßnahmen gegen Coronavirus wieder etwas gelockert.

Zum Beispiel dürfen in Moskau Kinder und Jugendliche schon wieder Fach- und Sportschulen sowie diverse Freizeiteinrichtungen ohne Einschränkungen besuchen. Die erlaubte Besucherzahl in Moskauer Bibliotheken, Museen sowie anderen Kultureinrichtungen wurde verdoppelt (von 25% auf 50% der regelmäßigen Kapazität).

Gestern teilte Mitglied des Staatsduma-Ausschusses für Gesundheitsschutz Boris Mendelewitsch mit, dass es "nicht länger als anderthalb Monate" dauern würde, bis die meisten Corona-Beschränkungen in den Regionen Russlands aufgehoben sind:

"Es ist klar, dass alles davon abhängen wird, wie sich die Situation entwickelt. Aber wenn es so wie heute aussieht, dann werden viele Regionen zum Ende Februar oder Anfang März spürbare restriktive Maßnahmen aufheben können."


Witalij Swerew, Immunologe und wissenschaftlicher Direktor des Metschnikow-Forschungsinstituts für Impfstoffe vertritt eine ähnliche Meinung. Der Wissenschaftler ist jedoch etwas vorsichtiger. Die Regionen Russlands, so Swerew, würden erst zum Sommer beginnen, Beschränkungen merklich aufzuheben:

"Die Epidemie entwickelt sich von Region zu Region anders. Aber ich denke, dass sich die Situation bis zum Sommer in den meisten Regionen normalisieren wird."

Noch vor einem Jahr hat die russische Regierung im Kampf gegen das Coronavirus eine Strategie eingeschlagen, die man als expansiv bezeichnen kann: Es wurden in ganz Russland neue sog. multifunktionale medizinische Zentren im Eiltempo gebaut. Als wichtigster Bauträger trat dabei die russische Armee auf.

Der Bau eines solchen Zentrums dauert von 40 bis 56 Tagen. Die Aufnahmekapazität beträgt von 60 bis 200 Personen. Im Moment funktionieren landesweit 30 multifunktionale medizinische Zentren.

Gleichzeitig wurden in bereits vorhandenen Kliniken Corona-Abteilungen (meistens auf der Basis von Infektions- und Chirurgieabteilungen) aufgebaut. Auch viele Sportkomplexe wurden in Corona-Behandlungszentren umfunktioniert.

Im Frühjahr 2020 gab es mehrere kurzzeitige Lockdowns, die Putin persönlich ankündigte. Jedes Mal begründete der Präsident die eingeführten Einschränkungen ausdrücklich damit, dass man lediglich Zeit gewinnen möchte, um sich auf die massenhafte Behandlung der Covid-Kranken vorzubereiten. Wie immer hat man das skeptisch empfunden, und wie immer hat Putins Plan letztendlich funktioniert.

Nun zur Praxis.

Alle Covid-Infektionierten werden in Russland je nach dem Ablauf der Krankheit grob in zwei Kategorien aufgeteilt: "leicht" und "mittelschwer".

Die "leichten" Patienten bleiben zu Hause. Sie bekommen auch Arzneimittel komplett oder teilweise (je nach der Region) kostenlos. Den Arzt kann man per Telefon konsultieren oder ihn nach Hause rufen.

Wird man mindestens als "mittelschwer" eingestuft (Körpertemperatur ab 38 Grad, hohe Atemfrequenz, Atemnot) wird man mit dem Krankenwagen ins nächste Covid-Zentrum eingeliefert. Für die Einlieferung reichen der Pass und Nachweis der medizinischen Pflichtversicherung. Ob der Bürger seinen Wohnsitz in der Region der Einlieferung hat oder anderswo, ist irrelevant. Die Einlieferung und die komplette stationäre Behandlung sind kostenlos.

In der Aufnahmeabteilung kann es hektisch sein. Man wird aber weder vergessen noch verloren – die Procedere geht fließbandmäßig voran. Oft wird dabei auch die Computertomographie gemacht (falls nicht schon vorher geschehen). Nach der Aufnahmeprozedur wird von den Ärzten ein vorläufiges Behandlungskonzept formuliert. Meistens enthält es diverse Tabletten, Spritzen, Tropfer und natürlich Sauerstoff (Intubation oder Maske). Je nach der Krankheitsentwicklung wird das Konzept dann laufend angepasst. Der Zustand des Kranken wird zweimal pro Tag durch Ätzte und dreimal pro Tag durch Krankenschwester (hauptsächlich Temperatur- und Saturationsmessungen usw.) kontrolliert. Die Behandlung dauert durchschnittlich 3 bis 5 Wochen.

Obwohl die Therapie, wie gesagt, für die Bürger kostenfrei ist, kann man unschwer ausrechnen, dass sich die Kosten – je nach konkretem Aufwand – locker auf ein paar tausend Euro belaufen können.

Die neu gebauten Covid-Zentren sind mit allem Nötigen ausgestattet und auch vom Interieur her modern und mit guten Kliniken durchaus vergleichbar. Auch die Verpflegung ist in Ordnung. Diese basiert übrigens noch auf den sowjetischen sog. "Grundvarianten der Standarddiät", die auch persönliche Indikationen (z.B. Diabetes usw.) berücksichtigen. Ein weiterer unauffälliger Vorteil der neuen Covid-Zentren ist deren Belegschaft. Sie besteht überwiegend aus Medizinstudenten und -absolventen, die in der Regel sehr aktiv, eifrig und zuvorkommend sind. Der Vorteil der "alten" Kliniken ist dagegen die große Erfahrung der Stammärzte, die allerdings manchmal etwas "ausgebrannt" wirken können. Doch ist das eine eher theoretische Anmerkung, denn die Qual der Wahl hat der Patient in dieser Hinsicht sowieso nicht – alles wird vom Arzt der Aufnahmeabteilung entschieden.

Alles in allem kann man nun langsam sehen, wie der Plan der politischen Führung Russlands in Bezug aufs Coronavirus vor einem Jahr aussah, und was daraus geworden ist. Das Ziel war damals, die russische Bevölkerung so schnell wie es nur geht und mit allen - vor allem finanziellen – Mitteln (auch die munter voranschreitende Vakzinierung nicht vergessen) herdenimmun und damit handlungsfähig zu machen. Das Ziel wurde im Wesentlichen erreicht.

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20 Oktober 2020

Oh those Russians

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Russen

Neulich bin ich auf den Artikel vom gewissen Luc in einer russischen Internet-Ausgabe gestoßen.

Der Mann stammt aus Großbritannien, lebt seit ca. 20 Jahren in Russland und arbeitet im Vorstand einer Personalbeschaffungsagentur. Er hat ein englischsprachiges Buch zum Pflichtthema "Warum die Russen nicht lächeln" geschrieben. Sein Artikel musste aber für ihn ins Russische immer noch extra übersetzt werden.

Wie auch immer behandelt Luc in seinem Beitrag gewisse - wie er meint - Besonderheiten der russischen Mentalität. Dabei zieht er Schlüsse, die in ihrer teilweise arroganten Ausdrucksform nicht immer nachvollziehbar und akzeptabel sind.

Darum kommt hier Lucs Expertenmeinung auszugsweise und in Form eines simulierten Dialogs, der Differenzen des heutigen Realitätsempfindens veranschaulichen soll.

Luc: Als ich zum ersten Mal nach Russland kam, suchte ich jedes Mal nach einer logischen Erklärung für die jeweilige Situation ... Es war schwer zu akzeptieren, dass es normalerweise überhaupt keinen vernünftigen Grund gab, nicht wie bei uns zu Hause. "Russland kann man mit Verstand nicht begreifen". Das ist der Spruch, den ich hier unzählige Male gehört habe.

RF: Halb so wild, Luc. Russen sind zwar keine Westler in Deinem Sinne, aber logische Erklärungen und vernünftige Gründe sind auch in Russland sehr beliebt, nicht nur bei Dir zu Hause. Und selbst wenn man einen poetischen Spruch unzählige Male hört, ist es bei weitem noch kein Grund, diesem Spruch in Bezug auf Verstand blind zu folgen.

Luc: Mein Beruf, die Rekrutierung, liefert hervorragende Beispiele für die Unterschiede in der Art und Weise, wie Menschen in Russland und im Westen Entscheidungen treffen. In Russland gilt es als völlig normal, den Job zu kündigen und den ganzen Sommer auf der Datscha (oder den ganzen Winter auf Bali) zu verbringen und erst einige Monate später nach einem neuen Job zu suchen.

RF: Es klingt so, als ob dieses "völlig normal" eigentlich völlig unnormal für Dich ist. Oder wäre der Winter auf der Datscha und der Sommer auf Bali vernünftiger? Das ist doch Geschmackssache. Und wieso darf man das nicht, wenn man das kann?
 
Luc: Wenn ein Westler den Lebenslauf einer [RF: russischen] Person liest, die jetzt gerade nicht arbeitet, geht er davon aus, dass entweder der Bewerber aus der vorherigen Firma rausgeschmissen wurde oder einfach faul ist. Offensichtlich wird niemand, der bei klarem Verstand ist, seinen Job kündigen, ohne vorher einen neuen Job zu finden.

RF: Ein Westler kann ausgehen, wovon er will. Hauptsache, der klare Verstand spielt bei ihm trotz dem Dichterspruch mit. Ich sehe, Du hast Dich von diesem verflixten Russlandspruch leider zu stark hinreißen lassen.

Luc: Ein Teil des Problems ist, dass das Leben in Europa oder Nordamerika teuer ist, und wir es uns einfach nicht leisten können, monatelang nicht zu arbeiten, wenn wir unsere Hypotheken zurückzahlen und unsere Rechnungen bezahlen müssen. Es scheint mir, dass die Russen die meisten Dinge nur in der Gegenwart wahrnehmen. "Ich bin müde, ich langweile mich mit diesem Job und sehe keine Karrierechancen. Warum also weitermachen?". Westler haben eine längerfristige Perspektive und glauben, dass Sie Ihre Verhandlungsposition bei einem neuen Arbeitgeber verlieren, wenn Sie mindestens einen vorübergehenden Arbeitsplatz haben. Im Allgemeinen scheinen die Russen zu glauben, dass Vorausplanung für alle Aspekte Ihres Lebens nicht nur langweilig, sondern letztendlich nutzlos in einem Land wie Russland ist, in dem sich die Dinge so schnell und oft ändern.

RF: Es gibt dafür eine viel genauere und viel kürzere Formulierung: Ihr könnt sich nicht leisten frei zu sein. Und wirkliche Freiheit erfordert sehr wohl eine ganze Menge Planungs- und Berechnungsvermögen, aber auch Mut und Optimismus. Bei zwei letzteren Begriffen kann Dir notfalls ein gutes Bedeutungswörterbuch helfen. Oder auch nicht.

Luc: Natürlich könnt ihr auch weiter nur "für heute" leben, aber denkt daran, dass Westler solche Spontaneität als irrational und unlogisch empfinden.

RF: Danke für den wertvollen Ratschlag und Deine freundlich ausgestreckte Hand, Luc! Aber gerade in grausamen Corona-Zeiten müssen selbst unpraktische Russen nicht nur an Westler-Reaktionen, sondern auch an die soziale Distanzierung denken. Also glaube ich, wenn Deine Tipps einem drei Metern am Arsch vorbei gehen, ist man dann bestens aufgehoben.

Luc: Westler neigen nicht dazu, Entscheidungen unter dem Einfluss von Laune oder Stimmung zu treffen. Fast jede Phase eines Prozesses wird von Anfang bis Ende sorgfältig durchdacht, und der Nachteil dabei ist, dass das Treffen von Entscheidungen erheblich länger dauert. Die meisten Elemente unserer Arbeit und unseres Privatlebens sind im Voraus geplant, von der Einrichtung eines privaten Rentenkontos kurz nach Beginn der Karriere bis zum Abschluss einer Versicherungspolice, die alle Arten von Unfällen abdeckt.

RF: Luc, wo ich das lese, fürchte ich fast, Du hast Deine Karrierechance trotz der sorgfältigen Planung doch verpasst. Du hättest schon vor 30 Jahren Russisch lernen und Dichter werden sollen. Damals waren Russen eher so, wie Du sie gern magst: viel naiver und irrationaler. Einige derartige westliche "Dichter" haben es in jener Zeit mit ihren "Gedichtsammlungen" sogar bis zum Kreml geschafft und dort gut abkassiert. Heute ist es dafür zu spät, glaube ich. Aber es gibt trotzdem eine gute Nachricht für Dich. Du fragst ja in Deinem Buch, warum die Russen nicht lächeln. Die Russen lächeln und lachen doch sehr gern, aber nur, wenn sie einen Grund dafür haben, wie beispielsweise beim Lesen dieser Deiner Expertenmeinung.

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15 Oktober 2020

Kaum gefährlicher als Grippe

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Coronavirus
Der heilige Antonius prophezeite einst:

Es werden Zeiten kommen, in denen die Welt von einem solchen Wahnsinn erfasst wird, dass die Verrückten die Vernünftigen für verrückt und sich selbst für vernünftig halten werden.

Nach anderthalb tausend Jahren sind wir offensichtlich an dieser Station angekommen.

Zum Glück behalten Vollidioten bzw. Gauner noch nicht überall die Oberhand. Hier spricht zum Beispiel Frau Tatjana Nikulina, die Chef-Ärztin der Kinderklinik im russischen Uljanowsk.

 


 
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10 Oktober 2020

Coole Welt

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Zugegebenermaßen leben wir in einer coolen Welt mit sehr coolen Völkern.

Nehmen wir zum Beispiel Kirgisen. Kirgisen sind cool. Sie haben die dritte Revolution in 15 Jahren, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie damit irgendwann aufhören, denn die strategische Reserve aus Dingsbums-baews und Dingsbums-bekows, die demnächst Präsidenten Kirgisistans werden könnten, scheint dort unerschöpflich.

Ukrainer sind extrem cool. Heute kann niemand mehr mit Sicherheit sagen, wie viele Revolutionen sie in den letzten 20 Jahren hatten. Irgendwo zwischen drei und fünf, aber immerhin mit einem spürbaren Ergebnis: Die Krim und zwei Ostgebiete sind nicht mehr dabei. Sind sie nicht cool?

Das optimale Maß an Coolheit erreichten Georgier im Jahr 2008. Damals hatten sie den coolsten Präsidenten, die coolste Ausbildung nach NATO-Standards und das coolste Ergebnis: Minus zwei Regionen innerhalb von fünf Tagen. Danach wurden sie etwas weniger cool, aber dennoch hört man manchmal zwar leise aber trotzdem coole Sprüche hinter dem Berg.

Weißrussen. Diese sind noch nicht ganz cool. Natürlich möchten sie gern viel cooler sein. Daran werden sie aber massiv gestört - sowohl vom uncoolen Lukaschenko, als auch vom uncoolen Russland.

Armenier und Aserbaidschaner sind cool. Gar keine Frage. Und sie werden jeden Tag cooler - bis zum letzten coolen Bürger, so wie es aussieht.

Aber auch außerhalb unserer nächsten Umgebung gibt es mehr als genug coole Völker.

Libyer sind unglaublich cool. Sie sind so was von cool, dass selbst das libysche Land dieses Übermaß an Coolheit nicht mehr ertragen konnte und musste entzwei gehen. Nun gibt es zwei Libyen: Das eine wird von den Türken, das andere von der internationalen Koalition regiert. Cool, nicht wahr?

Syrer sind auch cool - Deutsche werden das mit Sicherheit bestätigen. Aber in ihrer Heimat haben sie bis jetzt Pech gehabt, denn dort sitzt immer noch der uncoole Präsident, der vom uncoolen Russland gestützt wird.

Hongkonger sind echt cool. Leider haben sie aber massive Probleme mit der Geografie. Würde das uncoole China ein paar tausend Kilometer weiter von ihnen liegen, könnten sie rasch den maximalen Coolheitsgrad erreichen.

Cool sind die Franzosen. Sie lieben ja diese unendlichen friedlichen oder auch etwas weniger friedlichen Demonstrationen. Dazu nimmt das französische Coolheitsniveau zunehmend nahöstliche Charakterzüge ein.

Die Coolheitsweltmeister dieses Jahres sind aber US-Amerikaner. Nicht zuletzt deswegen, weil sie die leidenschaftlichen Feuerwaffenbesitzer sind. Das Land hat die meisten Covid-Toten und galoppierende Straßenkriminalität, während die Demokraten vor dem russlandgestützten Trump und die Republikaner vor dem chinagestützten Biden warnen. Was kann cooler sein?

Darüber hinaus gibt es coole Venezolaner, Indonesier, Tunesier, Chilenen, Brasilianer und Argentinier - alle sind sehr cool.

Uncool sind die Russen. Das waren sie vor 30 Jahren. Seitdem sind sie klüger geworden.

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01 Oktober 2020

Corona: Kein Thema in Russland?

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Corona in Russland
Vor einigen Wochen fragten mich einige Blogleser, was und wie russische Massenmedien über die Anti-Corona-Aktionen in Deutschland berichten, und wie russische Bürger darauf reagieren.


Diese Frage blieb damals unbeantwortet, weil eine direkte Reaktion darauf falsch gewesen wäre. Zumal eine ganze Menge an einfachen und darum meistens realitätsfremden Antworten von den sogenannten deutschen Russland-Insider kam.

Insbesondere behaupteten die "Insider", dass russische Massenmedien nur wenig über deutsche Proteste berichten würden, weil Corona in Russland angeblich kein Thema mehr sei. Eine solche Behauptung zeugt aber von einem nicht nur falschen sondern auch naiven Verständnis der Situation in Russland.

Corona bleibt ein sehr wichtiges Thema hierzulande. Und gerade deswegen schreiben etablierte russische Massenmedien ungern über Anti-Corona-Ereignisse in anderen Ländern.

Aber es gibt auch andere Gründe für eine zurückhaltende Reaktion russischer Medien und Bürger auf deutsche Demos.

Corona teilte die Gesellschaft in Russland (genauso wie in den anderen Ländern) in zwei Hauptlager: Es gibt Bürger, die mehr oder weniger an die offizielle Pandemieversion glauben, und es gibt welche, die die "Pandemie" nur als Deckmantel für wichtigere globale und fatale Ereignisse betrachten.

Es ist klar, dass deutsche Protestaktionen bei der ersten Russen-Gruppe wenig Verständnis finden. Aber auch russische Corona-Gegner stehen den Aktionen ihrer deutschen Gesinnungsgenossen eher skeptisch gegenüber.

Das liegt aber kaum an grundsätzlichen Diskrepanzen, sondern daran, dass Russen nicht viel von sogenannten friedlichen Demonstrationen halten. Sie empfinden jede Staatsmacht nämlich per se als eine Gegenpartei, die genau weiß, was sie tut. Und diese Gegenpartei mit dem Herumbummeln a la Nawalny zu mahnen hält man in Russland für Zeitverschwendung. Die Demonstrationen haben hierzulande also einen recht engen Anwendungsbereich als die letzte und nicht unbedingt obligatorische Vorstufe zu wenig friedlichen Aktionen (etwa wie im Jahr 2013 in Moskau s. hier). Das weiß natürlich auch die russische Staatsmacht, und sie reagiert meistens durchaus feinhörig, um den Dampf rechtzeitig abzulassen.

Nichtsdestoweniger gibt es zunehmend indirekte Indizien, die darauf hinweisen, dass immer mehr Russen sich auf das Schlimmere im Zusammenhang mit dem ganzen Corona-Rummel vorbereiten.

Zum Beispiel steigt Nachfrage (und Preise) nach Häusern in den abgelegenen Dörfern. Es bilden sich (meistens religiöse) Gemeinden, welche abgeschottete Siedlungen in den weit entfernten Gegenden Russlands, die es ja mehr als genug gibt, aufbauen, um Kontakte mit der Außenwelt vorsorglich bis aufs Minimum zu reduzieren.

Auch im russischsprachigen Internet sind coronabedingte Änderungen spürbar. Es gibt immer mehr Websites bzw. Accounts in Sozialnetzen, wo Erfahrungen ausgetauscht werden, wie man mit Lockdowns, Impfungen, Ärzten, Polizisten und anderen Behörden umgeht bzw. umgehen soll. Im Aufschwung sind natürlich Webportale der Verschwörungstheoretiker, wo man manchmal doch recht interessante Infos übers aktuelle Zeitgeschehen finden kann.

Alles in allem kann man unmöglich behaupten, dass Corona kein Thema mehr für Russen ist, auch wenn russische Massenmedien nicht immer mitspielen.  Eher das Gegenteil ist der Fall.

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22 September 2020

Strompreise in Russland

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Strompreis in Russland

In einem deutschen Blog, das ich ab und zu gern lese, erschien soeben ein Posting darüber, dass Deutschland angeblich den höchsten Strompreis der Welt hat.


Der deutsche Blogger hat dann auch Strompreise in anderen Ländern zum Vergleich angeführt, und zwar:
In Saudi-Arabien, Russland, Mexiko, China, Indien, Argentinien, Indonesien, der Türkei, in Kanada und Südkorea werden weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde Strom fällig
Was Russland angeht, stimmt das wirklich. Genaugenommen kostet eine Kilowattstunde in Russland aktuell umgerechnet ca. 6,37 Cent (wenn der private Haushalt kombiniert energieversorgt wird, also Strom + Gas), oder aber umgerechnet ca. 4,46 Cent, falls der Strom der einzige Energieträger im Haushalt ist.
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05 September 2020

Einfach Wanja

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Hier ist ein schönes Lied vom Chor der Roten Armee.


Das Video stammt aus dem Jahr 1962. Im Internet konnte ich leider keine Übersetzung des Liedtextes ins Deutsche finden. Aber ohne Text geht m.E. zu viel Charme dieses Auftritts verloren. Darum wurde nun das Lied mit der deutschen mehr oder weniger gereimten Textversion untertitelt. Jene Zeit sollte man natürlich nicht idealisieren, unbestritten ist aber, dass richtige Werte damals zumindest in den Liedern hervorgehoben wurden.






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03 September 2020

Mission Impossible

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Russen und die Welt

Kleine satirische Science-Fiction-Story aus einem russischen politischen Netzwerk.


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Eines (wohl nicht allzu weit in der Zukunft liegenden) Tages landen Außerirdische auf der Erde. Wie gewohnt erfolgt die Landung in den USA, diesmal aber friedlich, also ohne Laserwaffen, Aggression, Versklavung und ähnlichen Independence-Day-Kram. Im Gegenteil ist das Ziel der Mission etwas Gutes für Erdbewohner zu tun.

Sobald die Besatzung aus dem Raumschiff aussteigt, wird sie von jammernden Vertretern des State Department, Pentagon, CIA, FBI sowie von Pfadfindern umzingelt, die sofort anfangen, sich über böse Russen zu beschweren:

Die Russen hätten schon wieder US-Wahlen gehackt und Trump zum vierten Mal zum US-Präsidenten gewählt, was ja ohnehin zweimal mehr als erlaubt sei. Außerdem sei Trump bereits seit zwei Jahren an Altersschwäche gestorben, aber das würde die Russen nicht die Bohne kümmern, weil sie ihn trotzdem so gern haben. Deswegen würde Amerika nun langsam zusammenbrechen. Denn der Twitter des Präsidenten schweigt, und die Wirtschaft liegt lahm.

Während die Außerirdischen versuchen die Bedeutung des Wortes "Altersschwäche" zu klären, verbessern sich prompt amerikanische Gastgeber: "Ok, vergesst es. Sowieso wurde Trump höchstwahrscheinlich mit Nowitschok vergiftet. Die Russen töten ja alle auf diesem Planeten mit Nowitschok. Glaub ihr uns etwa nicht? Dann fragt doch Europäer!"

Der Raumschiff der Außerirdischen fliegt nach Berlin, wo am Haupteingang des Bundestages ein Plastiksarkophag mit Alexej Navalny installiert wurde. Dort liegt er im stabil schweren Zustand, obwohl Effekte der Cholinesterasehemmung seit Dutzend Jahren zuversichtlich abnehmen.

"Wurde der Mann von Russen mit Nowitschok vergiftet?" - fragen die Außerirdischen Angela Merkel, die von russischen Hackern aus reinem Spaß immer wieder zur Kanzlerin gewählt wird. "Nicht nur. Nach letzten Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr - sagt Merkel mit heiserer Stimme - wurde Alexej auch vom sibirischen Bären vergewaltigt. Wie fanden nämlich Spuren von Bärensperma in seinem Körper".

In diesem Moment entweicht eine Träne fast unbemerkt aus dem linken Auge von Nawalny. Er hat sich ja vollkommen dem Kampf mit dem Kreml-Regime gewidmet. Doch auch nach so vielen Jahren im Sarkophag ist der Sieg leider immer noch nicht in Sicht. Dabei muss er jeden Tag darum bangen, was deutsche Ärzte so alles in seinem Körper noch entdecken, solange sie auf Ergebnisse offener und unabhängiger Ermittlungen aus Moskau warten.

"Ich sehe, ihr wollt noch mehr über die Russen erfahren - sagt Merkel müde - dann fliegt doch gleich in die Ukraine!"

Die Außerirdischen steuern Kiew an, doch die Reaktion der Eingeborenen auf die Landung macht sie stutzig: Die Ukrainer schreien „Das sind Russen! Sie haben uns endlich angegriffen!“ und bewerfen den Raumschiff mit Steinen und Blumen gleichzeitig.

Verwirrt fliegen außerirdische Missionäre lieber weiter: nach Georgien, Armenien, Libyen, Japan und Australien. Überall sammeln sie Berichte über durchgeknallte Russen, die in allen etablierten internationalen Ratings über Totalitarismus, Militarismus, Alkoholismus, Intoleranz, Korruption und Morde regelmäßig ganz hoch liegen.

Die Außerirdischen erfahren auch, wie hinterlistige Russen ihr wahres Gesicht verbergen, indem sie überall gegenseitig vorteilhafte Beziehungen anbieten, in alle Richtungen Gas- und Ölpipelines bauen und angrenzende Länder sponsern. Außerdem würden sie - man stelle sich nun vor - immer wieder neue Waffen konstruieren, um sich vor fortschrittlichen Werten zu schützen.

"Gut - sagen die Außerirdischen - jetzt ist uns unsere Mission auf der Erde klar. Sollen wir die Russen also ausmerzen?"
"Seid ihr wohl nicht recht im Kopf, ihr Weltraumaffen?" - erwidern die Nationenvertreter und fügen im Flüsterton hinzu: "Russland ist doch das letzte anständige Land auf diesem Planeten".

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24 September 2019

Russland: Aufnahmestopp für Flüchtlinge

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Flüchtlinge in Russland
Vor einiger Zeit fragte ein Blogleser, ob und wie man in Russland Asyl beantragen kann.


Diese Frage wurde nicht vergessen. Jedoch wollte ich dieses Thema nicht mit einer banalen Übersetzung der polizeilichen Instruktionen abfertigen.

Nun bin ich auf einen Artikel über Flüchtlinge in Russland gestoßen, der mir ziemlich aufschlussreich scheint. Das Tolle an diesem Artikel ist außerdem, dass er auf den Berichten von westlichen NGOs basiert und somit beim besten Willen nicht als russlandfreundlich eingestuft werden kann. Das Gegenteil ist eher der Fall.

***

In Russland leben nur 572 Flüchtlinge, gegenüber Hunderttausenden in den 1990er und frühen 2000er Jahren.

Obwohl die Zahl der Flüchtlinge in der Welt zunimmt, schränkt die Russische Föderation die Gewährung des Flüchtlingsstatus und des vorübergehenden Asyls massiv ein. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Zahl der Flüchtlinge in der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg einen Rekordwert von 25,9 Millionen erreicht. Unterdessen ist die Zahl der von Russland aufgenommenen Flüchtlinge auf historische Tiefststände gesunken.

Westliche Experten nennen die Flüchtlingssituation in Russland "traurig bis tragisch" und behaupten, dass der Flüchtlingsstatus oder vorübergehendes Asyl von russischen Behörden meistens auf der Grundlage nichtöffentlicher politischer Anweisungen gewährt wird.


Warum Russland kein Asyl gewährt?


Laut russischem Gesetz können Ausländer, die die Verfolgung zu Hause begründet fürchten, in Russland einen unbefristeten Flüchtlingsstatus beantragen, was auch den Forderungen der Genfer Konvention entspricht. Allerdings muss jeder Flüchtling in Russland alle 18 Monate neu registriert werden. Dabei wird auch über den Flüchtlingsstatus immer wieder neu entschieden, und die positive Entscheidung ist alles andere als selbstverständlich.

Darüber hinaus gibt es in Russland den Status des sogenannten vorübergehenden Asyls, was in der Realität eine aufgeschobene Ausweisung bedeutet. Die Menschen mit diesem Status gelten nicht als Flüchtlinge. Sie werden lediglich aus humanitären Gründen geduldet. Vorübergehendes Asyl wird maximal für 12 Monate gewährt, danach um weitere 12 Monate verlängert oder eben nicht.

Laut der offiziellen Statistik gibt es in Russland momentan 572 Flüchtlinge (meist Bürger Afghanistans und der Ukraine) und 76800 Menschen, die vorübergehendes Asyl erhalten haben (75000 davon sind Ukrainer).

Im Jahr 2018 erhielten 30 Personen den Flüchtlingsstatus, 6000 Personen wurde vorübergehendes Asyl gewährt. Die Zahl der Flüchtlinge in Russland ging von 1998 bis 2004 von 235000 auf 8700 zurück. Meistens waren das die Bürger von Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan. Danach in Jahren 2004 bis 2019 lag die obere Grenze strikt bei 1000 p.a. Die Zahl der Personen mit vorübergehendem Asyl stieg bis 2016 auf 313700, sank dann jedoch zum Jahr 2019 auf 76800.

Pro hunderttausend Russen (bei der Bevölkerungszahl von 146 Millionen) gibt es 53 Ausländer, die den Flüchtlingsstatus oder vorübergehendes Asyl genießen, was im weltweiten Vergleich sehr wenig ist. Zum Vergleich: In den Niederlanden gibt es 101800 Flüchtlinge (598 Personen je 100000 Einwohner bei der Bevölkerung von etwa 17 Millionen). In der Türkei, die den Hauptstrom syrischer Flüchtlinge aufgenommen hat, haben 3,6 Millionen Menschen Asyl bekommen (4400 pro 100000 Einwohner bei 81 Millionen Türken).

Laut dem Bericht der NGO „Bürgerlicher Beistand“ sinkt in Russland nicht nur die Zahl der positiven Flüchtlingsentscheide, sondern auch die Zahl der gestellten Anträge. Dabei ist die amtliche Statistik, wie Experten feststellen, äußerst knapp und nicht detailliert. Sie berücksichtigt eigentlich nur Ausländer, die es überhaupt geschafft haben, ihre Anträge beim russischen Innenministerium einzureichen. Aber selbst dieser Schritt klappt nicht ohne weiteres. Wegen der politisch motivierten Anweisungen (wen man akzeptiert, wie viel, wen man ablehnt etc.) wird die Situation mit Flüchtlingen im Land als "traurig bis tragisch" bezeichnet.


Warum es so wenige Flüchtlinge in Russland gibt?


Es gibt keine formellen Beschränkungen für die Aufnahme von Flüchtlingen in Russland.
Stattdessen gibt es inoffizielle amtliche Vorgaben, die Asylsuchende im Allgemeinen sowie Flüchtlinge aus bestimmten Ländern betreffen.

Das erste Hindernis für Flüchtlinge ist der Mangel an Informationen über Asyl-Möglichkeiten. Es ist unmöglich, solche Infos in Flughäfen und Bahnhöfen zu bekommen. Auf der Website des Innenministeriums gibt es auch keine konkreten Hinweise, wie man als Asylsuchender zu handeln hat. Oft dauert es Monate, um nötige Informationen zu finden. Aber wenn das Visum eines Migranten vor dem Antrag abläuft, wird er schlicht ausgewiesen.

Jeder Antragstellung geht dann ein mehrstündiges Interview voraus. Dabei muss man es erstmal schaffen, den Termin fürs Interview trotz großer Warteschlangen und diverser bürokratischer Hürden zu ergattern. Während des Interviews werden die Antragsteller nachdrücklich angeregt, auf den Antrag zu verzichten. Wird der Antrag trotzdem gestellt, kann er jede Zeit und ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Ablehnungsentscheide werden dermaßen intensiv produziert, dass Beamten manchmal Bewerberpersonalien in den Bescheiden verwechseln.

Verschärft wird die Situation durch Gesetzeslücken. Daher gibt es keine detaillierte Liste von humanitären Gründen für die Gewährung des vorübergehenden Asyls. Im entsprechenden Regierungsdekret wird lediglich "Gesundheitszustand“ erwähnt. Migrationsdienststellen berücksichtigen jedoch manchmal Faktoren wie bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen oder vom Menschen verursachte Katastrophen im Herkunftsland, aber auch die Androhung von Folter oder die Todesstrafe. Das passiert aber eher selten.

So wurde beispielsweise Bürger des afrikanischen Staates Togo, Bozobeidu Batoma, aus Russland abgeschoben, obwohl die UNO und der Menschenrechtsrat eingeräumt hatten, dass er zu Hause mit politischen Repressalien konfrontiert werden kann. Die Polizei im russischen Brjansk lehnte seinen Asylantrag jedoch ab, indem sie den Mann aus Togo als „Märchendichter“ brandmarkte.

Sowohl Flüchtlinge als auch Personen, denen vorübergehend Asyl gewährt wurde, können ihren Status verlieren. Die Neuerfassung der anerkannten Flüchtlingen findet alle anderthalb Jahre statt. Theoretisch bedeutet sie nicht unbedingt die Annullierung der früheren Entscheidung. In der Praxis verlieren Flüchtlinge dabei manchmal das Recht, in Russland zu bleiben. Vorübergehendes Asyl kann aufgehoben werden, wenn die Migrationsbehörde die Ansicht vertritt, dass "humanitäre Gründe" nicht mehr vorhanden sind.

2018 traten solche Probleme sogar unter Ukrainern aus den Regionen Donezk und Lugansk auf. Es wurden Fälle bekannt, dass russische Behörden bei der Verlängerung des Asylstatus die Vorlage der schriftlichen Bestätigung darüber verlangten, dass in dem jeweiligen Herkunftsort der Bewerbers immer noch scharf geschossen wird. Das Problem ist jedoch mittlerweile nicht mehr aktuell, weil die Ostukrainer nun russische Pässe direkt bekommen können.

Offizielle russische Daten geben keinen Aufschluss, warum die Gesamtzahl der in Russland lebenden Dauer- und vorübergehenden Flüchtlinge abnimmt. Vielleicht haben einige von ihnen (z.B. Ukrainer) die russische Staatsbürgerschaft bekommen. Andere sind wahrscheinlich nach Europa gezogen, wohin laut Medienberichten beispielsweise Syrer aus Norwegen über die Region Murmansk strömen.
Schließlich kann man annehmen, dass einige Personen ihren Flüchtlingsstatus verloren haben. Veröffentlichte Statistiken sind fragmentär und kaum nachvollziehbar.

Inoffizielle Anweisungen


Die Ukrainer machen etwa 97 % Derjenigen aus, die vorübergehendes Asyl oder Flüchtlingsstatus in Russland erhalten, 1 % sind Syrer und Afghanen und weitere 1 bis 2 % stammen aus anderen Ländern. Menschenrechtler glauben, dass informelle Anweisungen für bestimmte Flüchtlingsgruppen gelten, was die Behörden jedoch nicht bestätigen.

So erhielten 397000 Ukrainer in den Jahren 2014-2015 vorübergehendes Asyl in Russland (95,8 % der Antragsteller). Dabei wurde der Flüchtlingsstatus nur 325 von 5800 ukrainischen Bewerbern gewährt. Experten erklären dies damit, dass die Migrationsstellen des russischen Innenministeriums angewiesen wurden, den Ukrainern bei der Erlangung vorübergehenden Asyls zu helfen, nicht aber beim dauerhaften Flüchtlingsstatus.

Noch markanter sind die Daten über syrische Flüchtlinge. Im Jahr 2013 erhielten 67 % der 1800 Syrier vorübergehendes Asyl in Russland. Im Jahr 2014, inmitten der Vorbereitungen auf die russische Militäroperation in Syrien, erreichte der Anteil der positiven Entscheidungen 95%. Damals schrieben regierungsfreundliche russische Medien viel über die russisch-syrische Freundschaft.
Im darauffolgenden Jahr akzeptierten russische Migrationsbehörden jedoch nur 62 % der syrischen Anträge, ein Jahr später sogar nur 52 %. Auf diesem Niveau beleibt die Akzeptanz der syrischen Anträge bis heute.

Gleichzeitig sank die Zahl der in das Asylverfahren aufgenommenen Syrer von 1100 im Jahr 2015 auf 306 im Jahr 2018. Und nur eine einzige Person aus Syrien schaffte es bis zum unbefristeten Flüchtlingsstatus.

Da sich die humanitäre Lage in Syrien kaum verbessert hat, und die Zahl der Syrer in Russland seit Kriegsbeginn stabil bei 8000 bis1000 beliebt, ist es davon auszugehen, dass die Behörden syrische Antragsteller sowohl in der Antragsphase als auch im Prozess der Überprüfung "aussieben".

Warum Russland keine Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnimmt?


2015 machte der Kreml die Länder, die "an der Destabilisierung der Region beteiligt waren", für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien verantwortlich und erklärte, es gebe Terroristen unter den syrischen Flüchtlingen. Viele russische Bürger haben auch Angst vor den als Flüchtlinge getarnten Terroristen (77% nach Ipsos-Daten für 2016).

Also will die russische Regierung die Verantwortung für das Schicksal von Flüchtlingen aus ideologischen Gründen nicht übernehmen. Das Thema Flüchtlinge aus dem Nahen Osten ist heute in zwei Registern zu hören:
- für die Außenwelt:
"Europa muss sich für den Bürgerkrieg in Syrien verantworten"
und
- intern:
In den russischen Zeitungen sieht man öfters umfangreiche Berichte aus dem "sterbenden Deutschland" oder "flammenden Frankreich", wo Flüchtlinge als zivilisationsfeindliche Barbarenströme dargestellt werden, die Europa zerstören. Vor diesem Hintergrund sieht Russland wie eine Insel der Stabilität aus.

Im kürzlich veröffentlichten Interview mit der Financial Times sagte der russische Präsident Wladimir Putin, dass der Massenstrom von Flüchtlingen nach Europa die Interessen der indigenen europäischen Bevölkerung verletze. Putin hat die Situation in einer überspannten Form präsentiert: Migranten sei alles erlaubt, und indigenen Europäern nichts. Diese Position fügt sich in offizielle russische Vorstellungen von internationaler Politik als Realpolitik ein, wo der Pragmatismus über moralische und ethische Motive hinausgeht, und wo niemand humanitäre Verpflichtungen hat.


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13 Februar 2019

Hier kommen Züge pünktlich an

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Schwedische Korrespondentin

Im Russischen gibt es kein Wort für "Schneechaos". In Russland kommen Züge trotz des schlechten Wetters pünktlich an.


Warum verkehren denn russische Fern- und Vorortszüge strikt nach dem Zeitplan, während Züge in Schwegen immer wieder stehen bleiben?

Der Moskauer Korrespondentin der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter", Anna-Lena Laurén, scheint die Antwort auf diese Frage gefunden zu haben.

***

Ich fahre fast täglich mit dem Metro und O-Bus in Russland. In Moskau sind die öffentlichen Verkehrsmittel inzwischen sehr gut ausgebaut. Es gibt Busse, O-Busse, Straßenbahnen, Metro und Hochgeschwindigkeitszüge. Jeden Morgen gelangen Hunderttausende von Menschen aus den Vororten mit Vorortszügen in die Innenstadt. Am Abend reisen sie dann zurück.

Ich würde nicht sagen, dass es in diesen Zügen besonders gemütlich ist, oder es besonders gut riecht. In einem überfüllten O-Bus im Stehen zu fahren, und im Stau hin und her zu wackeln, ist auch nicht unbedingt die angenehmste Art und Weise, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. In Metro muss man sich fast die Ohren zuhalten, um vom Rumpeln der Waggons nicht taub zu werden.

Aber die Tatsache bleibt: Man kann sich auf den russischen öffentlichen Verkehr verlassen. Er funktionieren wirklich.

Ob Züge, Oberleitungsbusse oder Metro: In Russland läuft alles nach Zeitplan, und zwar unabhängig von Temperaturschwankungen, Frost, Matsch oder Eis. Und im Winter sind Moskauer öffentliche Verkehrsmittel auch noch sicherer als Taxi, weil Taxifahrer nicht immer rechtzeitig auf Winterreifen umsteigen.

In Sibirien fallen die Wintertemperaturen oft unter minus 40 Grad, aber die Eisenbahn hat fast nie Probleme mit dem Schnee. Züge fahren dort eben wie auf Schienen.

Ich habe meine Freundin, die im östlichen Vorort von Moskau - Stadt Zhelesnodorozhnyj - wohnt - auf das Thema Verkehrsmittel angesprochen. Sie kommt übrigens jeden Morgen mit dem Vorortszug zur Arbeit und kehrt auch jeden Abend auf dem gleichen Weg nach Hause zurück. Auch in diesem Winter, der in Moskau ungewöhnlich schneereich ist.

"Bist Du schon mal zu spät zur Arbeit gekommen, weil es zu stark schneite oder zu kalt war?“, frage ich sie. “Zu spät? Nein. Die Schienen werden doch gereinigt “, die Freundin hat sich sichtlich über meine Frage gewundert. Dann fügte sie allerdings hinzu: "Nur einmal hat sich der Zug tatsächlich verspätet. Es war im Herbst, als Schienengleise wegen Eisregen unbefahrbar wurden". Aber die Verspätung war ja unbedeutend klein. Man hat doch sofort Leute geschickt, die den Weg frei gemacht haben!"

Die Schlüsselphrase lautet hier: "Leute schicken".

In Russland sind alle Eisenbahnen und auch alle Betriebe, die für die Instandhaltung der Eisenbahn zuständig sind, immer noch in staatlicher Hand. Es gibt eine ganze "Armee" von Mitarbeitern, die unverzüglich geschickt werden, um Schnee zu räumen oder Eis zu wälzen, sobald der Bedarf besteht.

Der Unterschied zwischen Russland und Schweden ist in diesem Fall sehr einfach. Es geht um die Zahl der eingesetzten Hände. Wenn sich die Temperaturen ändern, oder schlechtes Wetter ausbricht, schicken die "Russischen Eisenbahnen" sofort Leute, um das Problem zu beheben. Wenn es sein muss, dauert der Einsatz die ganze Nacht durch.

Es stellt sich also die einzige Frage, wohin menschliche Ressourcen geschickt werden sollen. In Russland gilt es immer noch als normal, dass viele Mitarbeiter der "Russischen Eisenbahnen" hauptsächlich körperliche Arbeit verrichten.

Und ich kann nur hoffen, dass die "Modernisierung" in Bezug auf die Instandhaltung der  Eisenbahnen, wie wir sie in Schweden kennen, niemals in Russland ungesetzt wird.


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11 Februar 2019

Der lange Staat Putins

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Putinismus
Am 11. Februar wurde in einer Moskauer Zeitung ein Artikel "Der lange Staat Putins" von Wladislaw Surkow, dem "Demiurg des Kremls", veröffentlicht. Nun werden die Thesen des Artikels in Russland heftig und kontrovers diskutiert. Und die Leser des RF-Blogs haben die Möglichkeit, sich mit diesem Artikel in deutscher Übersetzung vertraut zu machen.

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„Es scheint nur, dass wir eine Wahl haben“. Das sind die Worte, die in ihrer Tiefe und Kühnheit überaus markant sind. Ausgesprochen wurden sie vor 15 Jahren. Heute sind sie vergessen und werden nicht mehr zitiert. Aber das, was wir vergessen, beeinflusst uns viel mehr, als das, woran wir uns noch erinnern. So funktionieren Gesetze der Psychologie. Diese Worte, die weit über den ursprünglichen Kontext hinausgingen, wurden zum ersten Axiom der neuen russischen Staatlichkeit, zum Axiom, auf dem sich nun alle Theorien und Praktiken der aktuellen Politik basieren.

Die Illusion der Wahl ist die wichtigste der Illusionen und der wichtigste Trick der westlichen Lebensweise und der westlichen Demokratie, die sich schon seit langem eher den Ideen von Barnum als dem Cleisthenes verschrieben hat. Die Ablehnung dieser Illusion zugunsten des Realismus der Prädestinierung veranlasste unsere Gesellschaft, zunächst über ihre eigene, souveräne Version der demokratischen Entwicklung nachzudenken und dann das Interesse an Diskussionen darüber zu verlieren, was Demokratie sein sollte, und ob sie prinzipiell existieren sollte.

Die Wege des freien Staatsaufbaus öffneten sich, und zwar nicht durch importierte Chimären, sondern durch die Logik historischer Prozesse und damit durch die "Kunst des Möglichen". Ein unmöglicher, unnatürlicher und gegengeschichtlicher Zerfall Russlands wurde gestoppt, wenn auch mit Verspätung. Nachdem Russland vom Niveau der UdSSR bis zum Niveau der Russischen Föderation hinuntergerutscht war, hörte es auf zu kollabieren. Es begann sich zu erholen und kehrte schließlich zu seinem natürlichen und einzig möglichen Zustand einer großen, wachsenden und zusammenwachsenden Gemeinschaft der Nationen zurück. Die unbescheidene Rolle unseres Landes in der Weltgeschichte erlaubt es uns nicht, die Bühne zu verlassen oder in der Menge zu schweigen. Sie verspricht keine Ruhe und gibt einen unruhigen Charakter der hiesigen Staatlichkeit vor.

Also existiert der russische Staat weiter, jetzt aber nach einem neuen Typ, den wir bis jetzt noch nicht kannten. Dieser Staatstyp kam in der Mitte der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts zustande. Er ist noch bei weitem unerforscht, aber seine Originalität und Lebensfähigkeit liegen auf der Hand. Stresstests, die dieser Staat bereits bestanden hat und weiter besteht, zeigen, dass ein solches organisch gebildetes Modell der politischen Struktur in den nächsten nicht nur Jahren, sondern auch Jahrzehnten und höchstwahrscheinlich für das gesamte kommende Jahrhundert ein wirksames Mittel zum Überleben und zur Erhebung der russischen Nation sein wird.

Also kennt die russische Geschichte vier wesentliche Staatsmodelle, die nach den Namen ihrer Schöpfer bezeichnet werden können: der Staat von Iwan dem Dritten (Großherzogtum / Königreich Moskau und ganz Russland, XV - XVII. Jahrhundert); der Staat von Peter dem Großen (Russisches Reich, XVIII - XIX Jahrhunderte); der Staat von Lenin (Sowjetunion, 20. Jahrhundert); Putins Staat (Russische Föderation, XXI Jahrhundert). Von den Menschen des langen Willens (nach Gumilews Ausdrucksweise) geschaffen sicherten diese riesigen politischen Maschinen, die sich nacheinander ablösten und im Laufe der Jahrhunderte repariert und angepasst wurden, eine hartnäckige Aufwärtsbewegung für die russische Welt.

Putins große politische Maschine gewinnt erst jetzt an Schwung und stellt sich auf ein langes, schwieriges und interessantes Wirken ein. Die volle Auslastung dieser Maschine ist nicht einmal in Sicht. Aber auch in vielen Jahren bleibt Russland immer noch Putins Staat, so wie sich das moderne Frankreich immer noch die Fünfte Republik von de Gaulle nennt, so wie die Türkei sich immer noch auf Atatürks Sechs-Pfeile-Ideologie stutzt, und so wie die Vereinigten Staaten sich immer noch auf die Gestalten und Werte der halb legendären Gründerväter zurückbesinnen.

Es bedarf einer gedanklichen Verarbeitung und Beschreibung des Regierungssystems von Putin, sowie des gesamten Ideenkomplexes und der Dimensionen des Putinismus als Ideologie der Zukunft. Das Wort Zukunft ist hierbei ausschlaggebend, denn der echte Putin ist kaum ein Putinist, genauso wie Marx kein Marxist war, und vielleicht hätte Marx nie ein Marxist werden wollen, wenn er erfahren hätte, was der Marxismus tatsächlich ist. Wie auch immer ist die obengenannte gedankliche Verarbeitung für alldiejenigen notwendig, wer nicht Putin heißt, gern aber wie Putin sein möchte. Das braucht man, um seine Methoden und Ansätze in die Zukunft auszusenden.

Die Beschreibung sollte nicht im Stil von zwei Propaganda-Arten (der „unsrigen“ und „nicht unsrigen“) ausgeführt werden, sondern in einer Sprache, die sowohl russische als auch antirussische offizielle Stellen als mäßig ketzerisch empfinden würden. Eine solche Sprache kann für ein ziemlich breites Publikum akzeptabel sein. Und das ist auch nötig, weil das in Russland entstandene politische System nicht nur für eine innenrussische Zukunft geeignet ist. Es hat eindeutig ein erhebliches Exportpotenzial. Die Nachfrage nach diesem System oder seinen einzelnen Bestandteilen ist bereits vorhanden, seine Methoden werden untersucht und teilweise übernommen. In vielen Ländern ahmen ihn sowohl regierende als auch oppositionelle Gruppen nach.

Ausländische Politiker unterstellen Russland die Einmischung in Wahlen und Referenden auf der ganzen Welt. Die Realität ist aber noch schlimmer: Russland mischt sich direkt in deren Gehirne ein, und die betroffenen Personen wissen nicht mehr, was sie nun mit ihrem von Russland modifizierten Bewusstsein anfangen sollen. Seitdem unser Land nach den unglücklichen 90er Jahren auf ideologische Kredite verzichtete, und stattdessen eigene Sinnbilder zu produzieren begann, sowie zur Informationsoffensive gegen den Westen wechselte, begannen europäische und amerikanische Experten immer häufiger falsche Prognosen zu generieren. Paranormale Vorlieben des Elektorats machen diese Experten stutzig und wütend. Völlig verwirrt berichten sie nun über den Einfall des Populismus. Diese Formulierung ist schon in Ordnung, solange man keine bessere hat.

Währenddessen ist das Interesse der Ausländer am russischen politischen Algorithmus nachvollziehbar, denn es gibt bekanntlich keinen Propheten in seiner Heimat, und alles, was ihnen heute passiert, wurde von Russland seit langem vorhergesagt.

Als alle noch nach der Globalisierung verrückt und von einer flachen Welt ohne Grenzen dümmlich begeistert waren, erinnerte Moskau deutlich daran, dass die Souveränität und nationale Interessen immer noch von Bedeutung sind. Damals wurden wir beschuldigt, an all diesen angeblich altmodischen Dingen naiv zu kleben. Man hat uns belehrt, die bemoosten Werte des 19. Jahrhunderts wegzuschmeißen, und tapfer in das einundzwanzigste Jahrhundert zu marschieren, wo ja keine souveränen Nationen und Nationalstaaten mehr existieren sollten. Aber im einundzwanzigsten Jahrhundert läuft alles bis jetzt eben nach dem russischen Szenario. Der englische Brexit, das amerikanische Great-Again, eine migrationsbedingte europäische Umzäunung. Das sind nur einige Punkte aus der langen Liste der Deglobalisierung, Resouveränisierung und des Nationalismus.

Als das Internet an jeder Ecke als unantastbarer Raum der uneingeschränkten Freiheit gelobt wurde, wo jeder angeblich alles Mögliche tun kann, und wo angeblich alle gleich sind, kam die ernüchternde Frage aus Russland zu der betrogenen Menschheit: „Und wer sind wir in diesem weltweiten Netz: Spinnen oder Fliegen?“ Heute sind alle - einschließlich der freiheitsliebenden Bürokratien - tüchtig am Netzentwirren, und zwischendurch unterstellt man auch noch Facebook die Duldung ausländischer Interventionen. Einst freier virtueller Raum, hochgepriesen als Prototyp des kommenden Paradieses, wird heute von Cyberpolizei, Cyberkriminalität, Cybertruppen, Cyberspionen, Cyberterroristen und Cybermoralisten kontrolliert.

Als die Hegemonie des "Hegemons" von niemandem mehr bestritten wurde, der große amerikanische Traum von der Weltherrschaft beinahe erfüllt, und das Ende der Geschichte mit der abschließenden Bemerkung "Völker schweigen" von vielen klar sichtbar war, unterbrach die Münchner Rede Putins die Stile. Damals klang sie durchaus dissidentisch. Heute ist alles, was Putin sagte, selbstverständlich geworden: Jeder, einschließlich der Amerikaner, ist mit Amerika unzufrieden.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde ein wenig bekannter Begriff „derin devlet“ aus dem türkischen politischen Wörterbuch von amerikanischen Medien repliziert, als „deep state“ ins Englische übersetzt und von unseren Massenmedien übernommen. Der Terminus bedeutet eine starre, absolut undemokratische Netzwerkorganisation der wirklichen Machtstrukturen, die sich hinter den äußeren, exponierten demokratischen Institutionen verbergen. Ein Mechanismus, der in der Praxis durch Gewalt, Bestechung und Manipulation wirkt und tief unter der Oberfläche der Zivilgesellschaft verborgen ist.

Die Amerikaner, die den unangenehmen "tiefen Staat“ in ihrem Land entdeckt haben, waren jedoch nicht besonders überrascht, weil sie sowas irgendwie schon lande ahnten. Es gibt doch deep net und dark net, warum also nicht deep state oder sogar dark state? Aus den Tiefen und dem Finsternis dieser nichtöffentlichen und nicht proklamierten Macht tauchen die hellen Spiegelungen der Demokratie auf, die dort für die Massen gebastelt werden: die Illusion der Wahl, das Gefühl der Freiheit, das Gefühl der Überlegenheit usw.

Misstrauen und Neid, die von der Demokratie als vorrangige Quellen sozialer Energie genutzt werden, führen unweigerlich zu einer Absolutierung der Kritik und zu einer Zunahme des Angstgefühls. Haters, Trolle und böse Bots bildeten eine schrille Mehrheit, die die ehrenvolle Mittelschicht, die vorher einen völlig anderen Ton angab, aus der beherrschenden Stellung verdrängte.

Nun glaubt niemand mehr an die guten Absichten der Politiker. Man beneidet sie, darum werden sie für bösartige, listige Menschen, sogar für Schurken gehalten. Berühmte politografische TV-Serien zeigen naturalistische Bilder vom trüben Alltag des Establishments.

Einen Schurken darf man nicht allzu weit gehen lassen, aus dem einfachen Grund, weil er eben ein Schurke ist. Und wenn überall (vermutlich) nur Schurken sind, muss man sie durch andere Schurken im Zaum halten. Genauso wie die Keile, treibt ein Schurke den anderen... Es gibt eine breite Palette von Schurken und komplizierten Regeln, die dazu dienen sollen, den Kampf der Schurken untereinander auf ein mehr oder weniger gezieltes (unentschiedenes) Ergebnis zu reduzieren. So entsteht das wohltuende System der Kontrolle und des Gleichgewichts - das dynamische Gleichgewicht der Niedrigkeit und der Gier, die Harmonie der Trickserei. Aber sobald ein Spielverderber auftaucht, der sich disharmonisch benimmt, eilt der wachsame, tiefe Staat zur Rettung und zieht den Abtrünnigen mit einer unsichtbaren Hand in die Dunkelheit.

Dieses vorgeschlagene Bild der westlichen Demokratie ist nicht wirklich gruselig, denn es reicht aus, den Blickwinkel ein bisschen zu ändern, und die Welt wird wieder seelensgut. Aber ein gewisses Nachgeschmack bleibt irgendwie doch, darum fängt der westliche Bürger an sich umzuschauen, um andere Existenzmuster zu finden. Und eines Tages entdeckt er Russland.

Unser System sieht bestimmt nicht eleganter aus, aber ehrlicher. Obwohl „ehrlicher“ nicht unbedingt mit „besser“ gleichbedeutend ist, besitzt dieses Wort doch einen gewissen Reiz.

Der russische Staat ist weder tief noch seicht. Es ist gänzlich in allen seinen Teilen und äußeren Erscheinungen. Seine brutalsten Konstruktionen sieht man direkt an der Fassade ohne jegliche architektonische Exzessen. Die russische Bürokratie trickst die Bürger nur schlampig aus, mit klarem Verständnis dass „sowieso alle alles verstehen“.

Eine hohe innere Spannung der Staat, die aus Notwendigkeit der Kontrolle über riesige heterogene Territorien folgt, sowie der ständige Verbleib im geopolitischen Kampf, machen die militärpolizeilichen Funktionen des Staates wichtig und entscheidend. Traditionell werden diese Funktionen nicht verborgen. Ganz im Gegenteil werden sie zur Schau gestellt. Denn Russland wurde nie von Kaufleuten und Liberalen regiert (fast nie, Ausnahmen: einige Monate im Jahr 1917 und ein paar Jahre in den 90er), die die Kriegsführung weniger wichtig als den Handel betrachten, und alles „Polizeiliche“ per se leugnen. Es gab in der russischen Elite niemanden, der die Wahrheit mit Illusionen verhüllte und die immanenten Eigenschaften des Staates, sich zu verteidigen und anzugreifen, schüchtern in den Hintergrund drängte und tief versteckte.

Es gibt keinen tiefen Staat in Russland, er ist vor aller Augen, aber es gibt ein tiefes Volk.

Die Elite glänzt auf der Oberfläche, Jahrhundert für Jahrhundert. Sie involviert das Volk aktiv in einige ihrer Aktivitäten: Parteiversammlungen, Kriege, Wahlen, wirtschaftliche Experimente. Das Volk beteiligt sich zwar daran, jedoch etwas distanziert. Es taucht kaum an der Oberfläche und lebt in seinen eigenen Tiefen ein völlig anderes Leben. Diese zwei Leben einer Nation (in der Tiefe und auf der Oberfläche) bewegen sich mal in der entgegengesetzten, mal in der gleichen Richtung. Sie werden aber nie zu einer Einheit.

Das tiefe Volk hat es faustdick hinter den Ohren. Es ist unerreichbar für soziologische Umfragen, Kampagnen, Bedrohungen und andere direkte Untersuchungs- und Einflussmethoden. Das Verständnis darüber, wer das russische Volk eigentlich ist, was es so denkt und was es will, kommt oft zu plötzlich und zu spät, und manchmal auch nicht zu denen, die damit etwas anfangen können.

Es gibt kaum Sozialwissenschaftler, die es wagen, genau zu bestimmen, ob das tiefe russische Volk zahlenmäßig der Gesamtbevölkerung gleich ist, oder nur ein Teil davon darstellt, und wenn ja, welchen Teil genau. In verschiedenen Zeiten hielt man mal Bauern, mal Proletarier, mal Parteilose, mal Hipster für das tiefe russische Volk. Man suchte nach ihm, man versuchte ins Volk einzutauchen. Man hielt es für gotttragend, und auch nicht. Es gab Zeiten, wo man sicher war, das dieses Volk gar nicht gibt. Darauf folgten galoppierende Reformen ohne Rücksicht auf das russische Volk, die dann katastrophal endeten, und die Reformer schnell zur Einsicht brachten, dass das tiefe Volk doch existiert. Dieses Volk gab schon mal dem Druck seiner eigenen oder fremden Invasoren nach, kehrte aber immer wieder zurück.

Die gigantische Supermasse des tiefen russischen Volkes generiert eine unwiderstehliche Wucht der kulturellen Gravitation, die die Nation zementiert und die Elite zurück zum Heimatland zieht / drückt, sobald sie kosmopolitisch aufzuschweben versucht.

Der Volkscharakter geht der Staatlichkeit voraus, gestaltet ihre Form, begrenzt die Fantasien der Theoretiker und zwingt Praktiker nach bestimmten Regeln zu handeln. Er ist ein kräftiger Anziehungspunkt, zu welchem ausnahmslos alle politischen Leitbahnen führen. Egal wie man Russland regiert, ob konservativ, sozialistisch oder liberal, schlussendlich kommt man auf das Wichtigste zu. Und zum Wichtigsten kommen wir nun.

Das tiefe russische Volk zu hören und zu verstehen, und entsprechend zu handeln ist eine ziemlich einzigartige und wichtige Eigenschaft des Putin-Staates. Dieser Staat ist dem Volk adäquat und somit gegen zerstörerische Überlastungen des geschichtlichen Gegenstroms geschützt. Das macht ihn effektiv und dauerhaft.

In dem neuen System erfüllen alle Institutionen die Hauptaufgabe, die darin besteht, eine vertrauliche Kommunikation zwischen dem Staatsoberhaupt und den Bürgern sicherzustellen. Diverse Gewalten laufen bei der führenden Persönlichkeit zusammen. Sie erfüllen ihre Funktionen nur, solange sie die Kommunikation zwischen dem Volk und dem Oberhaupt gewährleisten. Daneben existieren auch informelle Kommunikationswege, die an den Elite-Gruppen vorbeilaufen. Und falls Dummheit, Rückständigkeit oder Korruption diese Kommunikation stören, werden energische Maßnahmen ergriffen, um die Verständigung wiederherzustellen.

Die aus dem Westen übernommene mehrschichtige politische Strukturen werden manchmal als teilweise rituell betrachtet, um halt "wie die anderen“ zu sein, damit die Unterschiede in unserer politischen Kultur unseren Nachbarn nicht so sehr auffallen, sie nicht irritieren und nicht verängstigen. Sie sind wie ein Kleid, in dem man ausgeht. Aber zu Hause ist man eben zu Hause, und jeder weiß, was man so anhat.

Im Wesentlichen vertraut die Gesellschaft aber nur dem Staatsoberhaupt. Ob das am Stolz des nicht eroberbaren Volkes liegt, oder ist das ein Wunsch, die Wege der Wahrheit zu begradigen, oder etwas anderes, ist schwer zu sagen, aber dies ist eine Tatsache und zwar keine neue Tatsache. Neu ist aber, dass der Staat diese Tatsache nicht ignoriert, und sie bei seinen Entscheidungen berücksichtigt.

Es wäre jedoch eine Vereinfachung, dieses Thema auf den berüchtigten "Glauben an den guten Zaren" zu reduzieren. Das tiefe Volk ist alles andere als naiv. Die Barmherzigkeit hält es kaum für eine Zarentugend. Eher könnte das tiefe russische Volk über das richtige Staatsoberhaupt das sagen, was Einstein über den Gott sagte: „Anspruchsvoll, aber nicht bösartig“.

Das moderne Modell des russischen Staates beginnt mit dem Vertrauen und basiert darauf. Dies ist der grundlegende Unterschied zum westlichen Modell, wo Misstrauen und Kritik gefördert werden. Dies ist auch seine Stärke.

Unser neuer Staat wird im neuen Jahrhundert eine lange und glorreiche Geschichte haben. Er bleibt stabil. Er wird nach seinem Ermessen handeln, er wird Preise in der obersten Liga des geopolitischen Kampfes erhalten und behalten. Früher oder später müssen alle, die von Russland eine "Verhaltensänderung" fordern, dies akzeptieren. Denn es scheint nur, dass sie eine Wahl haben.

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05 Februar 2019

Militärstützpunkte

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Russische Militärstützpunkte
Wie jedes Land des Weltmachtkalibers hat die Russische Föderation Interessen in verschiedenen Regionen des Erdballs. Und diese Interessen haben russische Streitkräfte zu vertreten.

Dabei braucht Russland neue Plätze für seine Militärstützpunkte nicht zu suchen. Es gibt nämlich genug Länder, die entsprechende Möglichkeiten regelrecht anbieten. Um welche Länder geht es denn?

Allem voran wären heute die folgenden 7 Staaten zu nennen:

Libyen
Der libysche General Khalifa Haftar kontrolliert heute ein beträchtliches Territorium in seinem Land. Und es sieht sehr danach aus, dass er an einem russischen Militärstützpunkt in Bengasi interessiert sein kann. Wie auch immer gab es vor einigen Wochen bereits ein Treffen zwischen Haftar und dem russischen Verteidigungsminister Schoigu, wovon ohne Einzelheiten berichtet wurde. Der russische Militärstützpunkt in Libyen eröffnet große Perspektiven in dieser Region. Vor allem gibt er Russland die Möglichkeit, die südliche NATO-Flanke zu kontrollieren, aber auch auf Gas- und Ölförderung sowie Rohstofftransportwege aus Nordafrika nach Südeuropa ein Auge zu haben.

Sudan
Der Sudan bietet Russland bereits seit Jahren die Möglichkeit an, einen Militärstützpunkt in Port-Sudan zu errichten. Das wäre genau in der Mitte des Mittelmeers. Ein solcher Stützpunkt würde erlauben, eine effektive Kontrolle über maritime Handelsrouten aus Asien nach Europa auszuüben.
Charakteristiken des sudanesischen Hafens sind zwar nicht gerade hervorragend, aber die Tatsache bleibt bestehen: die Option der Errichtung eines russischen Militärstützpunktes in Port-Sudan ist immer noch da.

Ägypten
Die ägyptische Regierung hat bis jetzt das Thema des Aufbaus russischer Militärstützpunkte auf ihrem Territorium eigentlich nicht angesprochen. Dafür bietet sie Russland etwas, was noch besser ist: Die Nutzung der kompletten Luftverkehrsinfrastruktur des Landes durch russische Militärflugzeuge. Russland und Ägypten sind durch gemeinsame Interessen in Syrien verbunden.
Außerdem unterstützt Ägypten die libysche Armee des Generals Haftar mit Kämpfern, Beratern und Waffen. Ägypten erlaubte bereits den russischen Sondereinheiten, den erfolgreichen libyschen General bei der Durchführung der drohnengestützten Aufklärungsaktionen in Grenzgebieten zu unterstützen.

Venezuela
Diese Option besteht bekanntlich seit langem. Zum Beispiel landeten russische schwere strategische Schwenkflügel-Überschall-Bomber Tu-160 erst im Dezember letzten Jahres in diesem Land. Ganz zu schweigen von den ständigen Einladungen der dortigen Regierung, einen ständigen russischen Militärstützpunkt zu errichten. Unter der Berücksichtigung der Feindseligkeit der USA und einiger Länder Lateinamerikas wäre das für Venezuela als Mitglied der Bolivarianischen Allianz eine weitere Garantie der Unversehrtheit. Übrigens, auch China würde solch eine Entwicklung durchaus positiv betrachten, weil Öl aus Venezuela auch nach China verkauft wird.

Nikaragua
Bereits vor einigen Jahren wurde der Bau des Doubles vom Panamakanal zwischen Nikaragua und China thematisiert. Dabei bestanden die Lateinamerikaner auf einer Rollenteilung: Finanzierung des Projektes sollte von Chinesen kommen, die Überwachung des Kanals wollte man aber den Russen überlassen. Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega besinnt sich nämlich immer noch sehr gut auf das Jahr 1986 (damals war ebenfalls das Staatoberhaupt), als russische Soldaten sein Land gegen einen proamerikanischen Aufputsch erfolgreich schützen konnten. Darum ist er jede Zeit bereit, russische Militärstützpunkte in Nikaragua errichten zu lassen, selbst wenn die Chinesen mit dem Kanalbau immer noch zögern.

Myanmar
Dieses Land im asiatischen Südosten ist ein alter Verbündete von China und Russland (UdSSR). Dort arbeiten auch heute russische Experten und Militärberater, denn in Myanmar ist immer noch eine ganze Menge russische (Militär)Maschinerie im Einsatz. Russische Stützpunkte fehlen dort aus dem einzigen Grund: Russland brauchte sie dort bis jetzt nicht. Die fortschreitende Entwicklung der Waffentechnologien macht aber Myanmar immer attraktiver als ein Kontrollposten auf dem Weg aus Ostasien nach Europa.

Seychellen
Russische Schiffe sind öfters im Hafen von Victoria zu Gast, um ihre Bestände aufzufüllen. Da drüben erinnert man sich immer noch sehr gut daran, wie die sowjetische Marine den südafrikanischen Staatsstreich auf den Inseln vereitelte.

In diesem Artikel werden ganz bewusst einige „klassische“ Partnerstaaten nicht erwähnt, zum Beispiel Kuba. Das hat seine Gründe. Seit 1991 hat sich viel geändert. Die politisch schwache Periode Russlands dauerte etwa bis zum Jahr 2011.

Damals musste Russland Kuba und Vietnam verlassen. 1999 wurde Serbien im Stich gelassen und den NATO-Luftangriffen ausgeliefert. Darum ist es vollkommen nachvollziehbar, dass unsere (früheren) geopolitischen Partner heute etwas zurückhaltend auf russische Initiativen reagieren.
Das ist ihr gutes Recht, aber auch ist das die Seite russischer Geschichte, die nur vorausschauend aufgearbeitet werden kann.

Quelle



* Dies ist eine Artikel-Übersetzung aus dem Russischen ins Deutsche.
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19 Januar 2019

Taufe Christi

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Taufe-Tradition in Russland

Heute wird in Russland Taufe Christi gefeiert.


Dabei wird traditionsgemäß die Prozedur der Wassertaufe in Naturgewässern simuliert, obwohl man dafür in dieser Jahreszeit in Russland meistens Eislöcher aushaken muss.

Diese Tradition ist inzwischen anscheinend nicht nur unter den orthodoxen Russen beliebt, wie man dem unterstehenden Video (bitte Ton einschalten) entnehmen kann.




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29 Dezember 2018

Der beste Soldat

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Die Rede von General Lebed
Alexander Lebed war in den 1990er Jahren wohl der bekannteste und angesehenste General in Russland.

Als hoher Offizier der sowjetischen / russischen Luftlandetruppen musste er in jener turbulenten Zeit vielerorts als Notretter des Kremls fungieren. Dafür wurde er, wie es sich gehört, schlussendlich mit dem Hubschrauber-Absturz "belohnt".

Bekannt wurde Lebed aber nicht nur für seine Taten, sondern für seine knappen und aussagestarken Formulierungen. Hier kommt nun eine davon. In den letzten Jahren hat diese kurze Rede an Aktualität leider nicht eingebüßt. Das Gegenteil ist eher der Fall.





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26 Dezember 2018

Moscheen in Russland

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Moscheen in Russland

Heute hat mir ein Leser geschrieben:


Auf dem Gebiet der russischen Föderation standen zu Zeiten Gorbatschow's 74 Moscheen.
Nun stehen auf diesem Gebiet 7000 (i. W. siebentausend) Moscheen. Putin sein Dank!?
Vielleicht möchte der Blog-Autor hierzu etwas schreiben. 

26.12.18, 13:10


Danke für die Frage! Dieses Thema ist für mich nicht allzu interessant, aber etwas schreiben kann ich dazu allerdings.

Allem voran existierten auf dem heutigen Territorium der Russischen Föderation noch in der Zeit, als es gar kein modernes Russland (geschweige denn Gorbatschow) gab, genug nationale bzw. staatliche Gebilde, wo der Islam eine führende oder sogar staatliche Religion war, zum Beispiel: Wolgabulgarien, Astrachan-Khanat, Nogai Horde usw.

Aber auch heute gibt es einige russische Teilrepubliken, wo die autochthone (!) Bevölkerung mehrheitlich und traditionell muslimisch ist, zum Beispiel: Tatarstan, Baschkortostan, Dagestan, Tschetschenien usw. Und das sind eigentlich Millionen von Bürgern.

Was diese Mitbürger da drüben so alles bauen, ist ihre Sache, denn sie bauen ja auf ihrem eigenen nationalen Territorium. Übrigens, allein in Tschetschenien wurden in den letzten Jahren nicht nur viele Moscheen, sondern auch acht christlich-orthodoxe Kirchen wiederaufgebaut oder gar neu erbaut. Man sagt sogar (außerhalb der tschetschenischen Republik), es gebe heute in Tschetschenien viel mehr christliche Gebetskapazitäten als nötig.

Was die genaue Moschee-Zahl angeht, sollte man mit heutigen "Nachrichten" äußerst vorsichtig sein. Die News werden heutzutage nämlich massiv durch Fake-News ersetzt. Bei 7000 Moscheen in Russland könnte die Ziffer jedoch – ausnahmsweise – mehr oder weniger stimmen, was aber unter der Berücksichtigung der oben angeführten Tatsachen eigentlich nicht wirklich verwunderlich ist.

Wie auch immer gibt es momentan – laut dem staatlichen russischen statistischen Dienst – 5663 sogenannte lokale muslimische konfessionelle Organisationen, die in der Regel jeweils ein Gotteshaus (manchmal evtl. auch mehrere) besitzen bzw. verwalten. Also wären insgesamt 7000 Moscheen durchaus vorstellbar.

Auf der Abbildung ist übrigens die Dom-Moschee in Sankt-Petersburg zu sehen. Sie wurde allerdings nicht "dank Putin", sondern "dank" dem russischen Zaren (1913) gebaut und zu Sowjetzeiten (!) 1955 wieder den moslemischen Gläubigen übergeben. Kein schlechtes Beispiel dafür, dass Russland in seiner Geschichte eigentlich kaum Stress mit eigenen Moslems hatte.

Gleichzeitig gibt es in Russland über 24000 christliche religiöse Organisationen, sowie zahlreiche weitere konfessionelle Einrichtungen mit dazugehörigen Bauten. Die komplette Liste (auf Russisch) kann man hier (Webseite des Statistikdienstes) herunterladen.

Heute werden also in Russland nicht nur Moscheen, sondern auch Kirchen sowie Sakralbauten von vielen anderen konfessionellen Organisationen errichtet. Dabei fällt keine muslimische Disparität auf.

Ob man vielleicht nicht nur Gebetshäuser, sondern noch etwas mehr Schulen, Stadien usw. in dem heutigen rekordverdächtigen Tempo bauen sollte, ist eine andere Frage...


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13 Dezember 2018

Russland und UN-Migrationspakt

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Russische Föderation und UN-Migrationspakt

Die Erklärung der Russischen Föderation zum Global Compact für sichere, geordnete und legale Migration, Marrakesch, 11. Dezember 2018

(Inoffizielle Übersetzung aus dem Russischen ins Deutsche für Rusfunkerblog-Benutzer)  

13.12.2018, 09:54

Die Russische Föderation unterstützt die Annahme des Globalen Pakts für sichere, geordnete und legale Migration.

Dieses Kompromissdokument deckt viele Aspekte der internationalen Migration ab, darunter die humanitäre Komponente, Entwicklungsfragen, Menschenrechte und Bekämpfung der Kriminalität ab.

Wir erwarten, dass der Global Compact die Grundlage für eine langfristige umfassende internationale Zusammenarbeit sein wird, die unter anderem darauf abzielt, Kanäle für die legale Migration und Mechanismen zur wirksamen Steuerung der Migrationsprozesse zu schaffen, Instrumente zur Bekämpfung der illegalen Migration zu entwickeln, einschließlich der Rückübernahme, und zur Bekämpfung von Straftaten im Migrationsbereich.

Es ist nicht weniger wichtig, die Schaffung nachhaltiger Voraussetzungen zum Wiederaufbau eines friedlichen Lebens und zur Heimkehr der Menschen in den Massenflucht-Ländern zu fördern. Es liegt auf der Hand, dass die Beseitigung vieler Ursachen für Migrationsprobleme auf der Ebene der politischen Regelung in den Herkunftsländern von Migranten sowie in der Unterstützung dieser Länder bei der sozioökonomischen Entwicklung und beim Staatsaufbau liegt.

Es muss alles unternommen werden, um die Möglichkeit auszuschließen, dass Terroristen und andere Kriminelle zusammen mit Menschen, die wirklich Hilfe brauchen, in die Aufnahmeländer gelangen. Es ist notwendig, zusammenzuarbeiten, um Fremdenfeindlichkeit, sozialen, rassischen, nationalen oder religiösen Hass und Feindseligkeit gegenüber Migranten zu beseitigen.

Wir bekräftigen unsere Ablehnung des Konzepts der „Aufteilung der Verantwortung“, das in seiner jetzigen Form die Last der Aufnahme von Zwangsmigranten auf  Länder abwälzt, die oft nichts mit Ursachen für die Massenflucht der Menschen zu tun hatten. Wir sind dagegen, dass die ganze Last auf fremde Schultern пудупе wird, während die heutige schwierige Migrationssituation weitgehend auf verantwortungslose Einmischung in innere Angelegenheiten souveräner Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas zurückzuführen ist. In dieser Hinsicht sollten die Länder, die sich aktiv an einer solchen Intervention beteiligt haben, die vorrangige und größte Verantwortung tragen, auch für die Folgen der Migration.

Wir halten es auch für unangemessen, dass die Aktivitäten und Empfehlungen der Agenda für den Schutz von über nationale Grenzen vertriebenen Personen im Zusammenhang mit Naturkatastrophen und Klimawandel sowie die Plattform für die Massenwanderung infolge von Naturkatastrophen zu erwähnt werden. Bis heute gibt es keine zuverlässigen und allgemein anerkannten wissenschaftlichen Daten, die auf einen direkten Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Massenwanderung hinweisen, genauso wie auf den Vorrang von Umweltfaktoren in der Rolle von Zwangsfaktoren für die Massenmigration. Darüber hinaus werden die Aktivitäten der Plattform nicht von allen Ländern unterstützt, und ihre Ergebnisse wurden nicht unter der Schirmherrschaft einer speziellen Plattform - der UN-Klimarahmenkonvention - genehmigt.

Natürlich ist der Global Compact kein rechtsverbindliches Dokument. Er erlegt den Beitrittsländern auch keine rechtlichen und finanziellen Verpflichtungen auf.

Gleichzeitig setzt der Global Compact einen bestimmten Vektor in der Entwicklung moderner Ansichten und Herangehensweisen an die Probleme der internationalen Migration und bildet die Grundzüge eines universellen Ansatzes für dieses Problem.

Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit und auf nationaler Ebene müssen spezifische Mechanismen für die Umsetzung der Bestimmungen des Global Compact entwickelt werden, wobei die nationalen Interessen seiner Teilnehmer, einschließlich im Bereich der Sicherheit, und die vorrangigen Interessen ihrer eigenen Bürger zu berücksichtigen sind.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Russische Föderation diese Arbeit bereits aktiv begonnen hat.

Am 31. Oktober dieses Jahres wurde das aktualisierte Konzept der staatlichen Migrationspolitik der Russischen Föderation vom Präsidenten der Russischen Föderation, W. Putin, genehmigt.

Das Konzept enthält eine Reihe von Bestimmungen, die die Grundsätze und Ziele des Global Compact umsetzen. Insbesondere ist Folgendes vorgesehen:

- Russland muss für ausländische Bürger offen bleiben, die es als ein Land mit günstigen Bedingungen betrachten, um ihre wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse zu erfüllen.

- Die Regeln für die Einreise nach Russland, für das Recht auf Aufenthalt (Daueraufenthalt) und die Beschäftigung in der Russischen Föderation, auch für die Zwecke der Beschäftigung, sollten einfach, verständlich und transparent sein.

- Migranten sollten - ungeachtet ihrer Rechtsstellung, ihres Einkommensniveaus und anderer Umstände - die gleichen Möglichkeiten haben, öffentliche Dienstleistungen im Bereich der Migration zu erhalten. Das betrifft auch den Zugang zur Information.

- Die Verwaltungsverfahren müssen optimiert werden, auch durch den weit verbreiteten Einsatz moderner digitaler Technologien, um die Bedingungen für Korruption zu beseitigen, die Wahrscheinlichkeit technischer Fehler zu verringern, sowie den Zeit-, Organisations- und Finanzaufwand aller am Prozess Beteiligten zu senken.

Wir sind offen für die Zusammenarbeit mit allen Staaten im Zusammenhang mit diesem wichtigen Thema.

Dies ist eine Erklärung der Russischen Föderation zum Global Compact, die seine Annahme durch die Russische Föderation bedingt. Der Erklärungstext wird auch dem Generalsekretär der Vereinten Nationen zur Aufnahme in den offiziellen Urkundenbestand der Konferenz übermittelt.

Quelle: Webseite des russischen Außenamtes

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Wichtig:
Dies ist eine private und ausdrücklich inoffizielle Übersetzung aus dem Russischen ins Deutsche, die nur für allgemeine Informationszwecke auf dem Rusfunker-Blog dient.
Ein weiteres Link - hier - führt zur offiziellen englischen Version der o.g. Erklärung auf der Webseite der russischen Außenamtes.

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