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01 Oktober 2020

Corona: Kein Thema in Russland?

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Corona in Russland
Vor einigen Wochen fragten mich einige Blogleser, was und wie russische Massenmedien über die Anti-Corona-Aktionen in Deutschland berichten, und wie russische Bürger darauf reagieren.


Diese Frage blieb damals unbeantwortet, weil eine direkte Reaktion darauf falsch gewesen wäre. Zumal eine ganze Menge an einfachen und darum meistens realitätsfremden Antworten von den sogenannten deutschen Russland-Insider kam.

Insbesondere behaupteten die "Insider", dass russische Massenmedien nur wenig über deutsche Proteste berichten würden, weil Corona in Russland angeblich kein Thema mehr sei. Eine solche Behauptung zeugt aber von einem nicht nur falschen sondern auch naiven Verständnis der Situation in Russland.

Corona bleibt ein sehr wichtiges Thema hierzulande. Und gerade deswegen schreiben etablierte russische Massenmedien ungern über Anti-Corona-Ereignisse in anderen Ländern.

Aber es gibt auch andere Gründe für eine zurückhaltende Reaktion russischer Medien und Bürger auf deutsche Demos.

Corona teilte die Gesellschaft in Russland (genauso wie in den anderen Ländern) in zwei Hauptlager: Es gibt Bürger, die mehr oder weniger an die offizielle Pandemieversion glauben, und es gibt welche, die die "Pandemie" nur als Deckmantel für wichtigere globale und fatale Ereignisse betrachten.

Es ist klar, dass deutsche Protestaktionen bei der ersten Russen-Gruppe wenig Verständnis finden. Aber auch russische Corona-Gegner stehen den Aktionen ihrer deutschen Gesinnungsgenossen eher skeptisch gegenüber.

Das liegt aber kaum an grundsätzlichen Diskrepanzen, sondern daran, dass Russen nicht viel von sogenannten friedlichen Demonstrationen halten. Sie empfinden jede Staatsmacht nämlich per se als eine Gegenpartei, die genau weiß, was sie tut. Und diese Gegenpartei mit dem Herumbummeln a la Nawalny zu mahnen hält man in Russland für Zeitverschwendung. Die Demonstrationen haben hierzulande also einen recht engen Anwendungsbereich als die letzte und nicht unbedingt obligatorische Vorstufe zu wenig friedlichen Aktionen (etwa wie im Jahr 2013 in Moskau s. hier). Das weiß natürlich auch die russische Staatsmacht, und sie reagiert meistens durchaus feinhörig, um den Dampf rechtzeitig abzulassen.

Nichtsdestoweniger gibt es zunehmend indirekte Indizien, die darauf hinweisen, dass immer mehr Russen sich auf das Schlimmere im Zusammenhang mit dem ganzen Corona-Rummel vorbereiten.

Zum Beispiel steigt Nachfrage (und Preise) nach Häusern in den abgelegenen Dörfern. Es bilden sich (meistens religiöse) Gemeinden, welche abgeschottete Siedlungen in den weit entfernten Gegenden Russlands, die es ja mehr als genug gibt, aufbauen, um Kontakte mit der Außenwelt vorsorglich bis aufs Minimum zu reduzieren.

Auch im russischsprachigen Internet sind coronabedingte Änderungen spürbar. Es gibt immer mehr Websites bzw. Accounts in Sozialnetzen, wo Erfahrungen ausgetauscht werden, wie man mit Lockdowns, Impfungen, Ärzten, Polizisten und anderen Behörden umgeht bzw. umgehen soll. Im Aufschwung sind natürlich Webportale der Verschwörungstheoretiker, wo man manchmal doch recht interessante Infos übers aktuelle Zeitgeschehen finden kann.

Alles in allem kann man unmöglich behaupten, dass Corona kein Thema mehr für Russen ist, auch wenn russische Massenmedien nicht immer mitspielen.  Eher das Gegenteil ist der Fall.

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