17.01.2020

Putins Falle für Polen

Polen und Juden

Neulich sagte Lech Wałęsa, der vielleicht berühmteste der lebenden Polen der Welt:


"Warschau hätte den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz einladen und unverblümt sagen sollen, dass die Russen das Konzentrationslager befreit hätten."

Das stimmt. Das hätte es, hat aber nicht gemacht. Wenn man nun in den polnischen Zeitungen der letzten Wochen blättert, wird einem klar: Putins Worte übers "antisemitische Schwein" haben den polnischen Nerv getroffen. Die Wahrheit gesagt zu gekommen, hat sich Warschau im Laufe der Zeit wohl abgewöhnt. Die polnische Reaktion als Schock zu bezeichnen, wäre sicher zu milde formuliert. Selbst die Polen sehen es ein, dass sie in Putins Falle geraten sind.

Und aus dieser Falle gibt es keinen Ausweg: Die fehlende polnische Reaktion auf Putins Worte würde zwangsläufig die Zustimmung bedeuten. Jede Antwort wäre aber als Selbstanzeige einzustufen. Das Land ist nun total deprimiert. Aber das ist ja erst der Anfang.

Neulich hat Herr Wolodin, der Sprecher der Staatsduma, nochmals eins drauf gesetzt, indem er schon wieder mit Skeletten im polnischen Schrank rasselte. Er sagte, dass das faschistische Deutschland in Polen mehr als drei Millionen Juden ausrottete. Dabei bezeichnete er diese Zahl als schrecklich:
"Ausgerechnet in Polen wurde der größte Teil des jüdischen Volkes in ganz Europa vernichtet. Und das ist kein Zufall, denn in Polen wurden Hunderte von Konzentrationslagern errichtet, wo Juden, Slawen und Kriegsgefangene anderer Nationalitäten gezielt eliminiert wurden. Dies wurde zum großen Teil durch die Vorkriegsatmosphäre in Polen sowie durch die Position der polnischen Führung begünstigt, die die antisemitischen Gefühle in der Gesellschaft anheizte und den Boden für den anschließenden Völkermord, den Holocaust, schuf. Dafür muss sich die heutige polnische Führung bei Juden und der ganzen Welt entschuldigen.“
Das ist eine ziemlich klare Stellungnahme, die die Polen langsam aus Opfern zu den Henkern macht. Und das hat - historisch gesehen - eigentlich auch seine Richtigkeit.

Aber am meisten strapaziert die Polen das vierte Welt-Holocaust-Forum "Leben für mein Volk", das bald in Israel stattfindet. Der polnische Präsident Andrzej Duda nimmt an diesem Forum nicht teil, weil Wladimir Putin zum Hauptredner in Yad Vashem ernannt wurde, wo die Trauerfeier abgehalten wird. Wie eine Warschauer Zeitung dazu trefflich schreibt, nach Putins Rede bliebe dem polnischen Präsidenten nichts übrig, als den Saal zu verlassen. Also am besten den Saal erstmal nicht zu betreten.

Wir wissen nicht, worüber genau Putin dort sprechen wird. Vielleicht wird er erzählen, wie die meisten Sobibor-Ausbrecher von der polnischen Bevölkerung gemein an Deutsche ausgeliefert wurden. Oder dass dem von Polen hoch gepriesenen "Wunder an der Weichsel" von 1920, der Angriff Pilsudskis auf die Ukraine im Jahr 1919 vorausging. Oder dass Hitler, als er 1939 Krakau eroberte, am Grab des polnischen Marschalls eine Ehrenwache aufstellen ließ.

Für polnische Ohren kommt auf jeden Fall nichts Erfreuliches aus Putins Rede. Das Schlimmste ist es aber aus der polnischen Sicht, dass diese Wahrheit nicht nur polnisches Ohr sondern die ganze Welt hören wird. Und keine Resolutionen des polnischen Sejms werden das verhindern können.

Dieser Informationskrieg wurde nicht von Russland angefangen. Er muss aber von Russland zu Ende gebracht werden.

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01.01.2020

Russin

1
Russisches Mädchen

Die Russen geben bekanntlich nie auf.


Auch wenn sie manchmal für Burjaten gehalten werden.










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16.12.2019

Europas Fahrt gegen die Ökowand

4

Der Grüne Deal EU



Hier ist die deutsche Übersetzung eines russischen Expertenartikels, der neulich auf der Website der führenden russischen Presseagentur RIA Novosti veröffentlicht wurde.




Die Europäische Union schafft einen weiteren Grund für die Verhängung von Wirtschaftssanktionen - auch gegen Russland.


Doch nicht nur russische Unternehmen, sondern auch alle Partner der Europäischen Union haben unter den eventuellen neuen Repressionsmaßnahmen der Europäischen Kommission zu leiden. Auch die europäischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten könnten massiv gestört werden.

Diese düsteren Aussichten auf einen Sanktionenweltkrieg im Format "Europäische Union gegen den Rest der Welt" hängen mit dem ehrgeizigen Programm der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zusammen.

European Green Deal heißt das Programm, das viele europäische Medien begeistert aufgenommen haben und welches sogar in der internationalen Medienwelt als Beispiel für eine visionäre und hochmoralische Politik lobgepriesen wird.

Es geht dabei um radikale Reform der europäischen Wirtschaft mit dem Ziel, die sog. CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen.

Auf den ersten Blick scheint das ambitionierte Programm von Ursula von der Leyen ein reines Umweltprojekt zu sein. Doch in der Praxis wird dieses Programm die Europäische Union zwingen, wirtschaftliche Beschränkungen gegen China, Russland, Indien, die USA und wahrscheinlich Großbritannien zu verhängen. Die Notwendigkeit derart drastischer Maßnahmen wird sowohl von den europäischen Politikern als auch von der europäischen Expertengemeinschaft offen anerkannt.

Deutsche Staatspropaganda - durch die Deutsche Welle vertreten - beschreibt das Programm wie folgt:

"Nach den Plänen von Brüssel sollte die europäische Wirtschaft vollständig umstrukturiert werden. Die europäische Industrie muss in Zukunft strenge Umweltstandards einhalten. Darüber hinaus beabsichtigt die Europäische Kommission, das System des Handels mit Quoten für Treibhausgasemissionen auszubauen".

Amerikanische Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg weist auf konkrete wirtschaftliche Auswirkungen der Umsetzung des Green Deals für Europa hin, zu denen strengere Emissionsnormen für Fahrzeuge und Industrie, aktualisierte Kraftstoff- und Energiesteuern, neue Subventionsregeln für europäische Unternehmen, Import-Umweltsteuer sowie andere Maßnahmen gehören, die die Flucht von Unternehmen in die Regionen mit milderen Umweltvorschriften verhindern sollen, aber auch die Schaffung des Mechanismus, mit dem 100 Milliarden Euro für die am stärksten betroffenen Regionen bereitgestellt werden sollten, sowie der Übergang zu umweltfreundlicheren Anbaumethoden.

Theoretisch mag sich das zwar großartig anhören, aber all diese Maßnahmen werden der europäischen Wirtschaft offensichtlich enormen Schaden zufügen. Die Europäische Kommission ist sich dessen bewusst, und darum geht man dort bereits heute von der Notwendigkeit aus, Maßnahmen gegen jene Länder einzuführen, die Europa nicht in die glänzende kohlenstoffreie Zukunft begleiten wollen.

Wenn man die Initiativen der Europäischen Kommission aus der bürokratischen in die normale Sprache übersetzt, so ergibt sich daraus der folgende Ansatz:

Der durchschnittliche Europäer wird buchstäblich für jeden Atemzug, für jedes Stück Fleisch, für jedes Kilowatt Strom und für jeden Liter Benzin zusätzlich zur Kasse gebeten. Dabei hat er sich selbst regelmäßig zu geißeln, weil er überhaupt lebt. Denn sein Leben und das Leben seiner Kinder gelten nun per se als Verbrechen gegen das Klima.

Neue Steuern für fossile Brennstoffe werden Benzin, Gas und Heizung nochmals verteuern. Es sei daran erinnert, dass die Proteste der "gelben Westen" in Frankreich mit der Forderung begannen, die Steigerung der Steuern für Dieselkraftstoff und Benzin zu stoppen.

Der Übergang zu einer noch "grüneren" Landwirtschaft bedeutet den Bankrott oder mindestens die Armut von Landwirten, die kürzlich Straßen in Deutschland sperrten, oder regionale Verwaltungen in den Niederlanden regelrecht stürmten. Der Grund waren Umwelteinschränkungen, die die Landwirtschaft schlicht unrentabel machen.

Es ist logisch, dass angesichts noch strengerer Beschränkungen und höherer Steuern sowie steigender Preise für Strom und Kraftstoff jede Produktion von Stahl über Maschinen bis hin zu Mehl in der Europäischen Union tatsächlich völlig unwirtschaftlich sein wird. Europäische Waren werden nicht einmal auf dem Binnenmarkt konkurrenzfähig, von internationalen Märkten ganz zu schweigen.

Darüber hinaus werden europäische Unternehmen aus der Europäischen Union fliehen, und dabei Geld, Technologien, Arbeitsplätze und Steuern mitnehmen. Fluchtrichtungen sind leicht zu erraten:
China, die USA, aber auch Russland, das durch seine niedrige Strom- und Gaspreise sowie relativ kurze europäische Transportwege durchaus attraktiv sein kann.

Aber gerade deswegen erörtert die Europäische Kommission im Voraus Maßnahmen, die es ihr ermöglichen, der Flucht europäischer Unternehmen entgegenzuwirken.

Die beliebteste Idee ist dabei die Einführung von "Umweltsteuern" für Waren aus diesen Ländern.
Wenn die europäischen Politiker dabei stur genug bleiben, werden diese Steuern so lange erhoben, bis andere Länder nachgeben und beginnen, ihre eigene Wirtschaft mit denselben "grünen" Programmen zu erdrosseln, Gaspreise drastisch zu erhöhen, zusätzliche ökologische Abgaben einzuführen usw.
Und wenn die radikalsten "grünen" Politiker innerhalb der Europäischen Kommission die Oberhand bekommen, besteht sogar die Gefahr, dass die Einstellung des Betriebs von Kernkraftwerken in der Europäischen Union gefordert wird.

Man darf sich auch nicht täuschen lassen und glauben, dass 100 Milliarden Euro, die möglicherweise für die am stärksten betroffenen Regionen der Europäischen Union bereitgestellt werden, das Problem lösen und die wirtschaftlichen Folgen des "grünen Wahnsinns" der Europäischen Kommission abmildern werden.

Mehr noch: Auch die Tatsache, dass Ursula von der Leyen beabsichtigt, eine Billion Euro für die Umsetzung des Grünen Deals für Europa bereitzustellen, wird nichts ändern.

Dabei hat beispielsweise der polnische Energieminister höchstwahrscheinlich Recht, wenn er behauptet, dass mehrere Billionen Euro allein für Polen ausgegeben werden müssen, um sein Land bis zum Jahr 2050 "klimaneutral" zu machen.

Wie Bloomberg berichtete, erkennt selbst die Europäische Kommission die ungeheuren Kosten an, die mit dem Projekt verbunden sind:


"Nach Angaben der Europäischen Kommission, auch wenn die Mitgliedstaaten alle ihre Pläne (Emissionsminderung) in den nächsten 10 Jahren erfüllen, trotzdem werden Investitionen von 575 Milliarden Euro pro Jahr über einen Zeitraum von 20 Jahren erforderlich sein, um absolut saubere Emissionen bis 2050 zu erreichen."

Es ist auch symptomatisch, dass die Europäische Kommission das schwerste Umweltjoch an Hals der europäischen Wirtschaft hängen will, unbeachtet der Verlangsamung deren Hauptmotors - der deutschen Wirtschaft, die ohnehin unter den von der Bundesregierung im Laufe der Jahre eingeführten Pseudoumweltmaßnahmen leidet.

Dies ist keine russische Einschätzung, sondern eine trockene Tatsachenfeststellung der amerikanischen Medien und sogar der Deutschen Zentralbank:

Die Bundesbank hat die Prognose für das BIP-Wachstum der größten europäischen Volkswirtschaft im nächsten Jahr halbiert. Gleichzeitig hat sich die Produktion in Deutschland nach mehreren Monaten Schrumpfung immer noch nicht erholt. Die Zahlen der letzten Woche zeigen, dass sich der Rückgang der Produktionsaufträge und der Industrieproduktion im Oktober unerwartet verschnellte. Die Inflation steigt über den Prognosezeitraum hinweg allmählich an. Das passiert teilweise aufgrund höherer Energiekosten im Zusammenhang mit staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels.

Wenn schon die mächtigste Wirtschaft der EU bereits unter dem Joch des "grünen Wahnsinns" knarrt und stöhnt, kann man sich leicht vorstellen, welche katastrophalen Folgen die Umsetzung des Green Deals für Europa haben wird.

Nach der Konfrontation mit solchen Konsequenzen wird die Europäische Kommission eine äußerst unangenehme Qual der Wahl haben: Entweder eigene Fehler zugestehen (was aus politischen Gründen kaum möglich ist), oder mit doppelten Kräften weiter machen. Das heißt, alle Probleme auf andere Akteure der Weltwirtschaft umzuwälzen, und sie zu beschuldigen, der europäischen Umweltpolitik nicht folgen zu wollen. Und dies kann durchaus die Einführung der als "Umweltsteuern" getarnten neuen Wirtschaftssanktionen bedeuten. In solchen Fällen sind Anschuldigungen der europäischen Politiker gegen den Rest der Welt eher charakteristisch.

Bei diesem Szenario kann man davon ausgehen, dass amerikanische Flugzeuge und Elektronik, chinesische Konsumgüter sowie russisches Gas, Ölprodukte, Stahl und Düngemittel von der europäischen "Umweltrache" betroffen werden.

Ursula von der Leyen behauptet, der Grüne Deal für Europa sei ein Projekt, das der amerikanischen Mondlandung gleichgestellt werden kann, was wahrscheinlich auf seine Komplexität, hohe Kosten und enorme historische Bedeutung schließen lässt.

Das mag sein. Aber die Weltraumforschung trägt trotz ihrer hohen Kosten zum wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt der Menschheit bei. Dabei steuert sie die Welt nicht in die technologische Rückständigkeit, wo selbst Fleisch und Flugreisen zu Luxusgütern werden.

Wenn europäische Politiker unbedingt glorreich in die Geschichte eingehen wollen und dabei die Amerikaner um ihren Mondflug beneiden, könnte man vielleicht versuchen, dieses Problem ohne Ruinierung der europäischen Wirtschaft zu lösen. Die Einigung mit Russland auf einen gemeinsamen Flug zum Mond wäre bestimmt billiger und einfacher zu realisieren. Jedenfalls wären dabei keine Massenproteste und populistische Ausschreitungen zu erwarten, während der Green Deal die Europäer zum Siedepunkt mit schweren Flogen bringen kann - entweder auf den Straßen oder - mindestens - an den Wahlurnen.


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01.10.2019

Russische Opposition

3

Gegen Putin
Vor ca. 2 Jahren hat ein Blog-Leser die folgende Frage gestellt:


"Warum kein Artikel über Herr Navalny nur Putin Propaganda? Deutschland unterstützt Herr Navalny ein richtiger Demokrat und hoffentlich nächste demokratische Präsident!!!".

Damals hatte ich leider nichts Substantielles (mangels des Substantiellen) über Herrn Navalny zu berichten. Heute eigentlich auch nicht...

...Außer vielleicht, dass er samt Familie kürzlich in den USA unterwegs war, um seine Tochter bei der Standford-Uni in Kalifornien als Studentin unterzubringen. Das klappte gut, worüber er selbst per Twitter stolz berichtete. Na, immerhin.

Dafür aber habe ich ein Interview von einem anderen unnachgiebigen russischen Demokraten (deutscher Abstammung) Alfred Koch im Internet gefunden. Das Interview stammt aus dem Jahr 1998. Damals war er allerdings noch gar kein Putin-Kritiker (Putin war ja auch noch nicht im Kreml). Sein Interview gab Herr Koch dem US-amerikanischen Radiosender WMNB kurz nach seinem Rücktritt vom Posten – sage und schreibe – des Vize-Ministerpräsidenten in der russischen Regierung!

Hoffentlich gibt dieser kleine Einblick in den Gedankenschatz von Alfred Koch ein bisschen Aufschluss, wieso die "dummen Russen" auch nach 22 Jahren auf Versprechungen einer wunderbaren "westlichen Zukunft" immer noch sehr allergisch reagieren und lieber für bösen Putin stimmen.

Nun zum Interview(ausschnitt), aber bitte jede Sekunde daran denken, dass dies Worte eines (damals - bis vor kurzem) russischen Vize-Ministerpräsidenten sind!


***

Reporter:
Heute wird davon gesprochen, dass die Lage Russlands katastrophal und seine wirtschaftliche Zukunft schwer vorhersehbar ist. Was meinen Sie dazu?

Koch:
Ganz meine Meinung.

Reporter:
Sehen Sie das Licht am Ende des Tunnels?

Koch:
Nein.

Reporter:
Wie prognostizieren Sie die wirtschaftliche Zukunft Russlands?

Koch:
Rohstoffanhängsel. Definitive Auswanderung (aus Russland-RF) aller Menschen, die denken und erfinden, also mehr als nur schaufeln, können. Danach kommt Zusammenbruch und Umwandlung in Dutzend kleiner Staaten.

Reporter:
Wie lange wird es dauern?

Koch:
Ich denke 10 bis 15 Jahre... Verstehen Sie... 70 Jahre lang wurde die Weltwirtschaft geformt. In dieser Zeit hat sich Russland oder besser gesagt die Sowjetunion gesondert, von der Welt getrennt und nach eigenen Gesetzen entwickelt. Die Weltwirtschaft wurde ohne Sowjetunion ausgebildet.
Heute ist die Weltwirtschaft autark, sie hat genügend Ressourcen, alles ist da. Und nun kommt Russland, und niemand braucht es.
(Lacht)
Es gibt keinen Platz für Russland in der Weltwirtschaft. Sein Aluminium, sein Öl wird nicht benötigt.
Russland stört nur, es generiert nur Dumping mit seinen Preisen. Darum denke ich, sein Schicksal ist natürlich traurig, zweifellos.

Reporter:
Prognostizieren Sie Investitionen für Russland? Werden sie in dem erwarteten Umfang kommen?

Koch:
Nein, denn niemand braucht Russland (lacht), niemand braucht Russland (lacht). Wieso können Sie das nicht kapieren?!

Reporter:
Russland hat doch enorme wirtschaftliche und personelle Ressourcen, und für den russischen Markt zu arbeiten wäre...

Koch:
Welche enorme Ressourcen hat Russland denn? Diesen Mythos will ich endlich entlarven. Erdöl?
Im Persischen Golf ist es deutlich billiger und leichter zu haben. Nickel kommt aus Kanada, Aluminium aus Amerika, Kohle aus Australien. Holz aus Brasilien. Ich begreife es echt nicht! Was ist denn an Russland so besonders?

Reporter:
Aber mit Russland zu handeln, mit diesem riesigen Land, in dem es einen enormen Kaufbedarf gibt...

Koch:
Um zu kaufen, muss man Geld haben. Russen können nichts erwirtschaften, also können sie nichts kaufen.

Reporter:
Kurz gesagt, sehen Sie keine Perspektiven.

Koch:
Absolut. (lacht) Nun, Primakow (damals Ministerpräsident-RF), wenn er welche sieht, dann soll er arbeiten (lacht).

Reporter:
Wie kann sich Ihrer Meinung nach die Wirtschaftspolitik der russischen Regierung ändern? Wird es eine Rückkehr zu den alten Methoden geben?

Koch:
Als ob das irgendeine Bedeutung hat... Egal, was man so alles unternimmt - Russland ist bankrott.

Reporter:
Und glauben Sie, dass keine weiteren wirtschaftlichen Vorhaben Russland retten können?

Koch:
Ich denke, es ist sinnlos.

Reporter:
Können Reformen im üblichen Sinne des Wortes für Russland akzeptabel sein?

Koch:
Nur wenn man in Russland endlich aufhört, über eine besondere Seelentiefe des russischen Volkes und seine besondere Rolle zu reden, dann kann es Reformen geben. Wenn aber die da drüben nur den nationalen Narzissmus ausleben und weiter denken, dass die Brötchen auf den Bäumen wachsen...
Sie bewundern sich ja so sehr, sie bewundern ihr Ballett und ihre klassische Literatur des 19. Jahrhunderts so sehr, dass sie nichts Neues mehr erschaffen können.

Reporter:
Wenn man Sie so reden hört, ist das Zukunftsbild Russlands ziemlich düster...

Koch:
So ist es – düster! Warum sollte es fröhlich sein?
(lacht)


***
Also nochmals: das war ein Ausschnitt aus dem Interview über Russland eines Vize-Ministerpräsidenten der russischen Regierung. Dieses Interview erschien zunächst in der investigativen Zeitung "Nowaja Gaseta" im Jahr 1998 (Ausgabe Nr. 48), dann als eine Episode im Buch vom bekannten russischen Publizisten Alexander Minkin "Präsidenten.Ru".

Heute im Jahr 2019 erklärt dieses Interview hoffentlich überzeugend genug, wieso viele Russen die "westlich orientierte Opposition" nicht wirklich gern haben.

P.S.
Übrigens, Herr Koch dürfte sich heute dauerhaft in Deutschland aufhalten. Ab und zu postet er nun in seinem FB pflichtbewusst Zwischenrufe gegen den "gemeinen Putinismus". Nachvollziehbar.
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29.09.2019

BMW Russian Edition

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Russischer Jurist gegen BMW

Russische Internetausgabe "Nowyje Koljosa" (Neue Räder) veröffentlichte einen ziemlich skandalverdächtigen Artikel (samt Video), der den deutschen Autoproduzenten BMW betrifft.


Im Artikel (und Videos) geht es um eine durchaus spektakuläre Untersuchung des russischen Autojuristen Andrej Podschiwalow und zwar:

Der Mandant von Herrn Podschiwalow hat einen neuen BMW 3er in Russland gekauft. Das Auto ging aber leider bald kaputt (Motorschaden). Die Panne passierte nicht in Russland, sondern in Georgien während einer Urlaubsreise des Mandanten.

Der Mandant wandte sich dann an lokalen georgischen BMW-Händler, doch zunächst erfolglos. Der Mandant hat angeblich gesagt bekommen, dass sich die BMW-Garantie auf seinen Wagen nicht erstrecken sollte, weil das Auto in einem Werk in Russland produziert worden sei.

Darauf hat sich Autojurist Podschiwalow der Sache angenommen und ist während seiner Recherchen auf folgende Umstände gestoßen:
  1. Das Werk in Russland (Kaliningrad), das BMW-Autos produziert, sei ein unabhängiges russisches Unternehmen, das statutmässig mit dem BMW-Konzern keinerlei verwandt ist: Es ist also kein BMW-Tochterbetrieb, kein Joint-Venture oder ähnliches.
  2. Jedoch würden offizielle russische BMW-Händler vertragsmäßig die "Kaliningrad-BMWs" neben den "echten" deutschen BMWs verkaufen.
  3. Dabei würden die "Kaliningrad-BMWs" von offiziellen BMW-Händlern praktisch als Autos eines Fremdproduzenten angekauft, um sie dann in Russland zu vertreiben. Der Vertreter vom BMW-Konzern in Moskau nannte diese Autos "BMW-Analoga".
  4. Dabei hätten die "Kaliningrad-BMWs" logischerweise (oder verrückterweise?) gar keine formulierte Garantie: weder vom BMW-Konzern noch vom russischen Produzenten (formell kein Verstoß gegen das russische Recht) noch von BMW-Händlern.
Der Autor der Artikels meint dazu:
Solche Infos bringen das Gehirn regelrecht zum Kochen. Entweder ist es eine Art globale Verbrauchertäuschung, oder es ist ein ungeheuerliches Missverständnis.
Der letzte Abschnitt im Artikel hat den Untertitel "Korruption im Head-Office" und lautet etwa so:
Was die Missgeschicke des Mandanten angeht, der so unbedacht einen russischen BMW kaufte, ging die Situation für ihn schließlich gut aus. Acht Monate später reparierte das BMW-Händlerhaus "Omega Motor Group" in Tbilisi sein Auto und wechselte den Motor.

Der Ruf der deutschen Marke wird in Georgien wohl mehr geschätzt als von russischen Autoherstellern, die auf ihre skandalösen "Garantieverpflichtungen" offensichtlich pfeifen. Sie haben jetzt andere Sorgen: Sie müssen weitere 370 Millionen Euro vom deutschen BMW-Konzern ergattern, um die Produktion von Fälschungen weiter auszubauen. Und seien Sie versichert, dass diese ihr Ziel erreichen werden. Aber das ist ein weiteres Gesprächsthema – das Thema über Korruption in der Zentrale der BMW AG.

Quellen:
Link zum Artikel
Youtube-Kanal von Andrej Podschiwalow
Video 1
Video 2

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24.09.2019

Russland: Aufnahmestopp für Flüchtlinge

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Flüchtlinge in Russland
Vor einiger Zeit fragte ein Blogleser, ob und wie man in Russland Asyl beantragen kann.


Diese Frage wurde nicht vergessen. Jedoch wollte ich dieses Thema nicht mit einer banalen Übersetzung der polizeilichen Instruktionen abfertigen.

Nun bin ich auf einen Artikel über Flüchtlinge in Russland gestoßen, der mir ziemlich aufschlussreich scheint. Das Tolle an diesem Artikel ist außerdem, dass er auf den Berichten von westlichen NGOs basiert und somit beim besten Willen nicht als russlandfreundlich eingestuft werden kann. Das Gegenteil ist eher der Fall.

***

In Russland leben nur 572 Flüchtlinge, gegenüber Hunderttausenden in den 1990er und frühen 2000er Jahren.

Obwohl die Zahl der Flüchtlinge in der Welt zunimmt, schränkt die Russische Föderation die Gewährung des Flüchtlingsstatus und des vorübergehenden Asyls massiv ein. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Zahl der Flüchtlinge in der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg einen Rekordwert von 25,9 Millionen erreicht. Unterdessen ist die Zahl der von Russland aufgenommenen Flüchtlinge auf historische Tiefststände gesunken.

Westliche Experten nennen die Flüchtlingssituation in Russland "traurig bis tragisch" und behaupten, dass der Flüchtlingsstatus oder vorübergehendes Asyl von russischen Behörden meistens auf der Grundlage nichtöffentlicher politischer Anweisungen gewährt wird.


Warum Russland kein Asyl gewährt?


Laut russischem Gesetz können Ausländer, die die Verfolgung zu Hause begründet fürchten, in Russland einen unbefristeten Flüchtlingsstatus beantragen, was auch den Forderungen der Genfer Konvention entspricht. Allerdings muss jeder Flüchtling in Russland alle 18 Monate neu registriert werden. Dabei wird auch über den Flüchtlingsstatus immer wieder neu entschieden, und die positive Entscheidung ist alles andere als selbstverständlich.

Darüber hinaus gibt es in Russland den Status des sogenannten vorübergehenden Asyls, was in der Realität eine aufgeschobene Ausweisung bedeutet. Die Menschen mit diesem Status gelten nicht als Flüchtlinge. Sie werden lediglich aus humanitären Gründen geduldet. Vorübergehendes Asyl wird maximal für 12 Monate gewährt, danach um weitere 12 Monate verlängert oder eben nicht.

Laut der offiziellen Statistik gibt es in Russland momentan 572 Flüchtlinge (meist Bürger Afghanistans und der Ukraine) und 76800 Menschen, die vorübergehendes Asyl erhalten haben (75000 davon sind Ukrainer).

Im Jahr 2018 erhielten 30 Personen den Flüchtlingsstatus, 6000 Personen wurde vorübergehendes Asyl gewährt. Die Zahl der Flüchtlinge in Russland ging von 1998 bis 2004 von 235000 auf 8700 zurück. Meistens waren das die Bürger von Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan. Danach in Jahren 2004 bis 2019 lag die obere Grenze strikt bei 1000 p.a. Die Zahl der Personen mit vorübergehendem Asyl stieg bis 2016 auf 313700, sank dann jedoch zum Jahr 2019 auf 76800.

Pro hunderttausend Russen (bei der Bevölkerungszahl von 146 Millionen) gibt es 53 Ausländer, die den Flüchtlingsstatus oder vorübergehendes Asyl genießen, was im weltweiten Vergleich sehr wenig ist. Zum Vergleich: In den Niederlanden gibt es 101800 Flüchtlinge (598 Personen je 100000 Einwohner bei der Bevölkerung von etwa 17 Millionen). In der Türkei, die den Hauptstrom syrischer Flüchtlinge aufgenommen hat, haben 3,6 Millionen Menschen Asyl bekommen (4400 pro 100000 Einwohner bei 81 Millionen Türken).

Laut dem Bericht der NGO „Bürgerlicher Beistand“ sinkt in Russland nicht nur die Zahl der positiven Flüchtlingsentscheide, sondern auch die Zahl der gestellten Anträge. Dabei ist die amtliche Statistik, wie Experten feststellen, äußerst knapp und nicht detailliert. Sie berücksichtigt eigentlich nur Ausländer, die es überhaupt geschafft haben, ihre Anträge beim russischen Innenministerium einzureichen. Aber selbst dieser Schritt klappt nicht ohne weiteres. Wegen der politisch motivierten Anweisungen (wen man akzeptiert, wie viel, wen man ablehnt etc.) wird die Situation mit Flüchtlingen im Land als "traurig bis tragisch" bezeichnet.


Warum es so wenige Flüchtlinge in Russland gibt?


Es gibt keine formellen Beschränkungen für die Aufnahme von Flüchtlingen in Russland.
Stattdessen gibt es inoffizielle amtliche Vorgaben, die Asylsuchende im Allgemeinen sowie Flüchtlinge aus bestimmten Ländern betreffen.

Das erste Hindernis für Flüchtlinge ist der Mangel an Informationen über Asyl-Möglichkeiten. Es ist unmöglich, solche Infos in Flughäfen und Bahnhöfen zu bekommen. Auf der Website des Innenministeriums gibt es auch keine konkreten Hinweise, wie man als Asylsuchender zu handeln hat. Oft dauert es Monate, um nötige Informationen zu finden. Aber wenn das Visum eines Migranten vor dem Antrag abläuft, wird er schlicht ausgewiesen.

Jeder Antragstellung geht dann ein mehrstündiges Interview voraus. Dabei muss man es erstmal schaffen, den Termin fürs Interview trotz großer Warteschlangen und diverser bürokratischer Hürden zu ergattern. Während des Interviews werden die Antragsteller nachdrücklich angeregt, auf den Antrag zu verzichten. Wird der Antrag trotzdem gestellt, kann er jede Zeit und ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Ablehnungsentscheide werden dermaßen intensiv produziert, dass Beamten manchmal Bewerberpersonalien in den Bescheiden verwechseln.

Verschärft wird die Situation durch Gesetzeslücken. Daher gibt es keine detaillierte Liste von humanitären Gründen für die Gewährung des vorübergehenden Asyls. Im entsprechenden Regierungsdekret wird lediglich "Gesundheitszustand“ erwähnt. Migrationsdienststellen berücksichtigen jedoch manchmal Faktoren wie bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen oder vom Menschen verursachte Katastrophen im Herkunftsland, aber auch die Androhung von Folter oder die Todesstrafe. Das passiert aber eher selten.

So wurde beispielsweise Bürger des afrikanischen Staates Togo, Bozobeidu Batoma, aus Russland abgeschoben, obwohl die UNO und der Menschenrechtsrat eingeräumt hatten, dass er zu Hause mit politischen Repressalien konfrontiert werden kann. Die Polizei im russischen Brjansk lehnte seinen Asylantrag jedoch ab, indem sie den Mann aus Togo als „Märchendichter“ brandmarkte.

Sowohl Flüchtlinge als auch Personen, denen vorübergehend Asyl gewährt wurde, können ihren Status verlieren. Die Neuerfassung der anerkannten Flüchtlingen findet alle anderthalb Jahre statt. Theoretisch bedeutet sie nicht unbedingt die Annullierung der früheren Entscheidung. In der Praxis verlieren Flüchtlinge dabei manchmal das Recht, in Russland zu bleiben. Vorübergehendes Asyl kann aufgehoben werden, wenn die Migrationsbehörde die Ansicht vertritt, dass "humanitäre Gründe" nicht mehr vorhanden sind.

2018 traten solche Probleme sogar unter Ukrainern aus den Regionen Donezk und Lugansk auf. Es wurden Fälle bekannt, dass russische Behörden bei der Verlängerung des Asylstatus die Vorlage der schriftlichen Bestätigung darüber verlangten, dass in dem jeweiligen Herkunftsort der Bewerbers immer noch scharf geschossen wird. Das Problem ist jedoch mittlerweile nicht mehr aktuell, weil die Ostukrainer nun russische Pässe direkt bekommen können.

Offizielle russische Daten geben keinen Aufschluss, warum die Gesamtzahl der in Russland lebenden Dauer- und vorübergehenden Flüchtlinge abnimmt. Vielleicht haben einige von ihnen (z.B. Ukrainer) die russische Staatsbürgerschaft bekommen. Andere sind wahrscheinlich nach Europa gezogen, wohin laut Medienberichten beispielsweise Syrer aus Norwegen über die Region Murmansk strömen.
Schließlich kann man annehmen, dass einige Personen ihren Flüchtlingsstatus verloren haben. Veröffentlichte Statistiken sind fragmentär und kaum nachvollziehbar.

Inoffizielle Anweisungen


Die Ukrainer machen etwa 97 % Derjenigen aus, die vorübergehendes Asyl oder Flüchtlingsstatus in Russland erhalten, 1 % sind Syrer und Afghanen und weitere 1 bis 2 % stammen aus anderen Ländern. Menschenrechtler glauben, dass informelle Anweisungen für bestimmte Flüchtlingsgruppen gelten, was die Behörden jedoch nicht bestätigen.

So erhielten 397000 Ukrainer in den Jahren 2014-2015 vorübergehendes Asyl in Russland (95,8 % der Antragsteller). Dabei wurde der Flüchtlingsstatus nur 325 von 5800 ukrainischen Bewerbern gewährt. Experten erklären dies damit, dass die Migrationsstellen des russischen Innenministeriums angewiesen wurden, den Ukrainern bei der Erlangung vorübergehenden Asyls zu helfen, nicht aber beim dauerhaften Flüchtlingsstatus.

Noch markanter sind die Daten über syrische Flüchtlinge. Im Jahr 2013 erhielten 67 % der 1800 Syrier vorübergehendes Asyl in Russland. Im Jahr 2014, inmitten der Vorbereitungen auf die russische Militäroperation in Syrien, erreichte der Anteil der positiven Entscheidungen 95%. Damals schrieben regierungsfreundliche russische Medien viel über die russisch-syrische Freundschaft.
Im darauffolgenden Jahr akzeptierten russische Migrationsbehörden jedoch nur 62 % der syrischen Anträge, ein Jahr später sogar nur 52 %. Auf diesem Niveau beleibt die Akzeptanz der syrischen Anträge bis heute.

Gleichzeitig sank die Zahl der in das Asylverfahren aufgenommenen Syrer von 1100 im Jahr 2015 auf 306 im Jahr 2018. Und nur eine einzige Person aus Syrien schaffte es bis zum unbefristeten Flüchtlingsstatus.

Da sich die humanitäre Lage in Syrien kaum verbessert hat, und die Zahl der Syrer in Russland seit Kriegsbeginn stabil bei 8000 bis1000 beliebt, ist es davon auszugehen, dass die Behörden syrische Antragsteller sowohl in der Antragsphase als auch im Prozess der Überprüfung "aussieben".

Warum Russland keine Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnimmt?


2015 machte der Kreml die Länder, die "an der Destabilisierung der Region beteiligt waren", für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien verantwortlich und erklärte, es gebe Terroristen unter den syrischen Flüchtlingen. Viele russische Bürger haben auch Angst vor den als Flüchtlinge getarnten Terroristen (77% nach Ipsos-Daten für 2016).

Also will die russische Regierung die Verantwortung für das Schicksal von Flüchtlingen aus ideologischen Gründen nicht übernehmen. Das Thema Flüchtlinge aus dem Nahen Osten ist heute in zwei Registern zu hören:
- für die Außenwelt:
"Europa muss sich für den Bürgerkrieg in Syrien verantworten"
und
- intern:
In den russischen Zeitungen sieht man öfters umfangreiche Berichte aus dem "sterbenden Deutschland" oder "flammenden Frankreich", wo Flüchtlinge als zivilisationsfeindliche Barbarenströme dargestellt werden, die Europa zerstören. Vor diesem Hintergrund sieht Russland wie eine Insel der Stabilität aus.

Im kürzlich veröffentlichten Interview mit der Financial Times sagte der russische Präsident Wladimir Putin, dass der Massenstrom von Flüchtlingen nach Europa die Interessen der indigenen europäischen Bevölkerung verletze. Putin hat die Situation in einer überspannten Form präsentiert: Migranten sei alles erlaubt, und indigenen Europäern nichts. Diese Position fügt sich in offizielle russische Vorstellungen von internationaler Politik als Realpolitik ein, wo der Pragmatismus über moralische und ethische Motive hinausgeht, und wo niemand humanitäre Verpflichtungen hat.

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09.09.2019

Ironie Off

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Deutsche im Internet

Auszug aus einer FB-Diskussion.


Iwan:

Zunehmend stoße ich auf die Meinung, dass keiner im deutschsprachigen Internet die Ironie versteht. Diese Aussage hat sich bereits so tief festgesetzt, dass sie sich mittlerweile ihrer eigenen Werkzeuge bedient: Am Anfang jeder ironischen Aussage soll man angeblich eine Bemerkung "ironie on" und am Ende dementsprechend "ironie off" setzen. Sonst werden die Deutschen die ironische Nebenbedeutung gar nicht verstehen. Manchmal klingt diese Empfehlung wohl eher scherzhaft, aber die Deutschen verstehen die Ironie im Internet tatsächlich nicht, zum Teil selbst wenn die o.g. Bemerkungen eingesetzt werden. Eigentlich ist das beängstigend. Denn die Unfähigkeit, die Ironie zu erkennen, bedeutet zwangsläufig das Fehlen der Selbstironie (als Variante der Selbstkontrolle). Und dies ist nichts anderes als ein vollwertiges Symptom vieler psychiatrischer Erkrankungen, zum Beispiel Schizophrenie usw. Dabei ergibt die Google-Suchanfrage "ironie off" immerhin mehr als 6 Millionen (!) Treffer. Das bedeutet, dass deutsche Internet-Schreiber genau wissen, für welche Internet-Leser sie eben schreiben. Diese trockene Statistik lässt auch uns keine Wahl - wir haben zu entscheiden: Entweder wird das deutsche Internetsegment hauptsächlich von Anstalt-Patienten bewohnt, oder herrscht in Deutschland akuter Mangel an psychiatrischen Kliniken... So sieht's aus. Passt gut auf euch auf!

Polina:
Dabei nannte man doch die Deutschen früher Meister der raffinierten Ironie. Aber das Internet färbt wohl ab…

Iwan:
Ja, aber das Netzwerk wird von Tag zu Tag zu einem immer genaueren Spiegelbild der realen Gesellschaft.

Elan:
Iwan, noch vor 10 bis 15 Jahren gab es in Deutschland mehr als genug wirklich humorvolle Fernsehsendungen. Heute kann man sich sowas nur ganz selten auf wenigen Kanälen und gegen Mitternacht angucken. Das bestätigt nur die Tatsache, dass jemand versucht, den Spießbürger zu zombieren. Denn nur der gesunde Verstand erzeugt den gesunden Humor, geschweige denn zielbewussten Sarkasmus.

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18.08.2019

Lernen durch Handeln

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Migranten in Israel

Zwei wohlhabende Juden aus Brooklyn kauften mehrere Wohnungen in direkter Nachbarschaft zum privaten Haus der Richterin des Obersten Gerichts von Israel, Esther Hayut, wo sie nun Infiltranten aus afrikanischen Ländern ansiedeln wollen.

Nach Informationen des Fernsehsenders "Keshet" werden zunächst 15 eritreische Bürger zu neuen Nachbarn von Frau Hayut.

Diese Initiative zielt darauf ab, "die Richterin mit dem Alltagsleben der Bewohner von Süd-Tel Aviv vertraut zu machen".

Eigentlich ist das nicht die erste "Provokation" dieser Art. Bereits im Jahr 2011 rief ein israelischer Antimigrationsaktivist die Verwaltung eines Schwimmbades in Nord-Tel Aviv an und fragte, ob er eine Gruppe von 40 Personen mitbringen könnte. Das Telefongespräch, bei dem ihm mitgeteilt wurde, dass seinem Wunsch gern stattgegeben werden kann, schnitt er vorsorglich anhand seines Diktiergeräts mit.

Nachdem dann 40 Badehosen gekauft und ein Touristenbus gemietet wurde, gingen die rechtsgerichteten Aktivisten zum zentralen Busbahnhof in Tel Aviv, um dort badewillige Flüchtlinge abzuholen. Die Aktivisten versprachen jedem potentiellen Schwimmer aus dem Sudan oder Eritrea den freien Eintritt ins Bad, sowie eine neue Badehose als Geschenk.

Die Badewächter versuchten, die Gruppe von 40 schwarzen Männern zu stoppen mit der Begründung, dass man sich ohne Badehosen nicht in der Schwimmanlage aufhalten dürfte. Nachdem aber die ausreichende Zahl an Badehosen vorgezeigt wurde, musste die Pool-Verwaltung die Gruppe reinlassen.

Als 40 afrikanische Schwimmer dann ins Wasser rannten, mussten die meisten Besucher das Bad verlassen.

Der Journalist von NEWSru.co.il, der erst nach dem Ende der rechten Aktion im Schwimmbad eintraf, meinte, dass der Pool anschließend wohl desinfiziert wurde: In der Anlage roch es scharf nach Entseuchungsmitteln, und die Pool-Mitarbeiter forderten Gäste auf, eineinhalb Stunden "aus hygienischen Gründen" nicht ins Wasser zu gehen.

Im Januar diesen Jahres veranstalteten rechte israelische Aktivisten eine weitere Aktion gegen afrikanische Migranten. Sie verteilten Flugblätter an Flüchtlinge aus dem Sudan und Eritrea mit der vermeintlichen Einladung zum Mittagsessen mit migrantenfreundlichen Israelis. Dabei wurden auf den Flugblättern die Adressen von linken Aktivisten angegeben, die gegen die Abschiebung von Afrikanern protestierten.

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28.07.2019

Himmelschreiende Intoleranz

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Russischer Jude in Israel

Dieses Video ist der Inbegriff himmelschreiender Intoleranz aus der westeuropäischen Sicht. Aus der russischen und jüdischen Sicht ist das Video aber extrem beliebt, ganz besonders jedes Jahr kurz vor dem Tag des Sieges.


Die Handlung spielt hier auf dem Gelände einer Lehranstalt irgendwo in Israel. Der Bühnenheld ist Sergej Afanasjewitsch im Gespräch mit einem nordafrikanischen Migranten. Sergej ist Jude russischer Herkunft bzw. Russe jüdischer Herkunft. Wie auch immer halten Millionen Russen und Israelis diesen Mann definitiv für den "Unsrigen". Und das muss man verdient haben. 

Ansonsten ist das Video recht vielseitig wie mehrdeutig:

- hier beschimpft ein Jude einen Nordafrikaner aufs Übelste auf Hebräisch mit massiven Einschlüssen russischer Schimpfwörter (meistens leider kaum übersetzbar)
- hier hält sich ein Jude sichtbar gern für einen Russen (oder ein Russe für einen Juden)
- hier wird ein Jude von einem Nordafrikaner gern für einen Russen gehalten
- hier wird die Migrationsproblematik sehr rustikal erörtert
- genauso ungeniert setzt man sich hier mit ethnographischen, kulturellen und sogar kulinarischen Themen in Bezug auf Nordafrika auseinander
- bestimmte Fragen der europäischen Geschichte werden hier ziemlich derb berührt
- von einigen sexuellen Praktiken ganz zu schweigen…

Alles in allem ist das Video für Mitmenschen mit grünlich angeschlagenem Gehirn wohl schwer zu verkraften und daher auch nicht unbedingt zu empfehlen. Andererseits ist das eine recht typische Lebenssituation, die man nicht leugnen sollte. Mehrere Millionen Russen und Israelis, die das Video auf YouTube bis jetzt gesehen und mehrheitlich positiv bewertet haben, können sich nämlich nicht irren.



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27.07.2019

Idioten

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Migranten in Deutschland
Michail (Josefowitsch) Weller ist bekannter russischer Schriftsteller, Publizist und Philosoph ukrainisch-jüdischer Abstammung.

Er setzt sich oft mit der Thematik der Migrationsprozesse in Europa auseinander. Hier kommt nun ein kleiner Ausschnitt aus seinem (bis jetzt) letzten Auftritt, wo er seine Sicht auf das heutige Deutschland und Deutsche kurzgefasst präsentiert.




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17.07.2019

Das zweite Dritte Reich

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Europäisches Reich

Zwischenruf eines in Deutschland lebenden russischsprachigen Bloggers zur Wahl der neuen Präsidentin der Europäischen Kommission.

***
Manche empfinden Merkels gelungene Inthronisation von Ursula von der Leyen als eine äußerst schlaue Taktik der Bundeskanzlerin.

Doch das Gegenteil ist der Fall.

Gegen die EU wächst Misstrauen und Hass. Immer mehr EU-Bürger halten das Euro-Reich für das deutsche dritte Reich. Und das tun sie auch zu Recht. Denn mittlerweile gilt Brüssel stellvertretend für Berlin und umgekehrt.

Nimmt man aber diesen heiklen Umstand unter die Lupe, wird es klar, dass das heutige "deutsche Euroreich" eher antideutsch ist. Denn das EU-Imperium wird massiv aus den Geldbörsen deutscher Bürger zwangsfinaznziert. Die Deutschen sind diejenigen, die wahnsinnige Ideen der verfaulten deutschen Oberschicht-Spinner zu bezahlen haben.

Das erste deutsche Reich war bekanntlich das Heilige Römische Reich deutscher Nation, das mit Rom eigentlich nichts zu tun hatte. Dann gab es das sogenannte Dritte Recht mit Hitler an der Spitze, das - wie auch immer - Europa unter einem  Stiefel kurz vereinigen konnte. Also ist das heutige Euroreich das dritte der Reihe nach, oder eben das zweite und eigentliche Dritte Reich.

Juncker stammt aus der Familie, deren männliche Mitglieder Wehrmacht-Soldaten waren. In Luxemburg wird auch Deutsch gesprochen. Doch Europäer haben Juncker nie als einen Deutschen empfunden. Und die Tatsache, dass er faktisch eine deutsche Marionette war, fiel so gut wie gar nicht auf.

Mit von der Leyen an der EU-Spitze wird sich die Situation drastisch ändern: Sie wird zum Symbol der deutschen Vorherrschaft. Dementsprechend wird der Hass gegen die EU schnell zum Hass gegen Deutschland mutieren. Und das ist eine ganz besondere Hassart, die Polen, Tschechen, Franzosen, Griechen oder Italiener nie verlernt haben.

In der EU hat das heutige Deutschland immer weniger Anhänger. Nun scheint der Zerfall der Europäischen Union nach deutscher Art einen entscheidenden Anstoß zu bekommen. Mit einer Deutschen an der EU-Spitze wollte Merkel lediglich den Rest ihrer Amtszeit möglichst gemütlich gestalten. Doch einen schlechteren Weg, dieses Ziel zu erreichen, konnte ihr wohl kaum einfallen.

Trotz dem überschwappenden Informationsstrom über Holocaust und Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges begreifen die Deutschen erstaunlicherweise immer noch nicht ganz, wie sie von den europäischen Nachbarn tatsächlich empfunden werden. Deutsche Politiker kommen irgendwie nicht auf die einfache Idee, etwas in den Hintergrund zu treten und aus diesem Hintergrund bequem zu leiten.

Die Gewohnheit von den heute absolut subpassionären Deutschen, immer noch alle um sich herum zu belehren, führende Anweisungen auszuteilen, "Raketen" in italienische Häfen zu verschicken und ihre Gauleiter überall aufzusetzen ist offensichtlich unausrottbar und deswegen fatal.

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14.07.2019

Willkommen in der Ukraine

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Willkür in der Ukraine

Ein Gericht in Italien hat ehemaligen ukrainischen Soldaten Vitaliy Markiv zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt.


Im Jahr 2014 tötete Vitaly Markiv im Donbass den italienischen Fotografen Andrea Rocchelli und seinen russischen Assistenten Andrej Mironow.

Darauf hat Dmitry Jarosch, der rechtsradikale ukrainische Abgeordnete, Sicherheitsberater des ukrainischen Verteidigungsministers und der “Führer“ (bis 2015) der ukrainischen Nazi-Organisation “Rechter Sektor“ aufgerufen, in die Ukraine reisende italienische Bürger amtlich zu misshandeln - als “Antwort“ auf die o. g. Entscheidung der italienischen Justiz.

Zitat:
Im Zusammenhang mit der Entscheidung des italienischen "unabhängigen" Gerichts im sogenannten Fall Vitaliy Markiv schlage ich vor, eine Sonderoperation durchzuführen. Wir verhaften Dutzend beliebige Italiener, die in die Ukraine kommen (die Hilfe der "Ukrainischen Freiwilligenarmee" kann ich garantieren). Dann beschuldigen wir sie der Teilnahme an den illegalen bewaffneten Gruppen "DNR" und "LNR", sowie der Ermordung ukrainischer Zivilisten in den Jahren 2014-2019 und werden sie mit endlosen Gerichtsverhandlungen zermürben. Und dann wird unser "objektivstes" Gericht sie zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilen.


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13.07.2019

Wodka

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Vodka
Wodka verdient in Russland die meiste Anerkennung. Und das völlig zu Recht.

Wodka ist vorhersehbar und verständlich. Er wird vom Körper genauso natürlich aufgenommen, wie die Luft von der Lunge.

Die ersten 50 g Wodka spürt man gar nicht. Sie verschwinden im Körper wie im Sand. Wenn man dann gleich weitere 50 g nachladet, kommt eine gewisse Leichtigkeit für 5 Minuten. Keine echte Leichtigkeit also. Es ist doch klar, dass 100 g Wodka nichts bewirken, außer dem unangenehmen Katergefühl.

Am besten sofort nochmals 50 g kippen. Mit 150 g blüht die Seele endlich langsam auf! Manchmal sagt man, dass 150 g Wodka den angenehmsten Rausch verschaffen. Es kommt Freude und Leichtigkeit auf, die man mit weiteren Portionen weder erhalten noch steigern kann.

Das würde ich aber bestreiten! Meines Erachtens kriegt man den besten Kick erst ab 200 g Wodka! Ab der 200-Marke erblüht man echt voll. Und ab dann gibt es auch kein Zurück mehr. Ja, man kann 100 oder 150 g trinken. Aber danach kommt man schnell wieder zu sich und kann zur Arbeit gehen.

Ab 200 g geht man nirgendwohin mehr. Ab 200 g gilt: „Ein Glas Wodka am Morgen entbehrt den ganzen Tag der Sorgen“.

Und nun Augen zu und tief einatmen...

Stell Dir vor: der frühe Morgen, und Du bist auf einer sonnigen Terrasse. Omas Pfannkuchen stehen auf dem Tisch, auch Kaviar und Sahne sind da. Das Fenster ist aufgemacht, und man hört Vögel im Garten singen. Das Sonnenlicht ist so stark, dass sich die schlechte Laune sofort darin auflöst.

Wie im Paradies - jedenfalls so wie es im Kino gezeigt wird - ist die ganze Gegend mit grellem Licht durchflutet. Menschen glauben ja, das Paradies wäre hell, die Hölle wäre dunkel. Doch auch ein Glas Wodka lässt das paradiesische Licht im Inneren aufflammen und das Gehirn von der Außenwelt abschalten.

Ab dann ist es unwichtig, welche Stimmung man vorher hatte. Alles wird unwichtig, denn eine unsichtbare Grenze ist bereits überquert worden: Du bist jetzt auf der sonnigen Seite. Das Beste aus Deiner Seele tritt in den Vordergrund. Das Böse aber schrumpft und verschwindet. 200 g Wodka machen das möglich, aber... gerade ab jetzt wird es ernst.

Für eine erfolgreiche Weiterfahrt ins Paradies muss man äußerst vorsichtig handeln, das heißt: das Alkoholniveau im Blut ist nun immer stabil zu halten. Also nicht zu viel und nicht zu wenig nachtanken. Das ist eine schwere Aufgabe, fast wie das Balancieren auf dem Seil.

Praktisch gesehen, funktioniert das etwa so: jede halbe Stunde ca. 50 - 100 g nachfüllen. Wenn es mal doch spürbar zu viel wird, dann trotzdem den Trinkrhythmus nicht stören, und lieber den Körper mit 50 g Wasser irreführen.

So kann man locker bis zu einem Liter Wodka tagsüber verspeisen und sich dabei perfekt fühlen. Auch am nächsten Tag behält man dann ziemlich sicher klaren Kopf und gute Laune.

Es gibt Laien, die sagen, dass man die Wodkaflasche nicht von dem Nachmittag anfassen darf. So was zu behaupten, ist einfach nur jämmerlich.

Der einwandfreie Wodka-Tag kann ruhig gleich am Morgen anfangen! Hauptsache, man ist in der Lage, seinem Körper zuzuhören und die Situation unter Kontrolle zu halten.

Wenn es klappt, dann wird der ganze Tag göttlich.

Na Sdorowje!

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