28 April 2021

Unerwünschte Flagge


In Polen wurde die russische Flagge direkt während eines Spiels im Rahmen der Dame-Weltmeisterschaft zwischen der Polin Natalja Sadovska und der Russin Tamara Tansykkuschina auf Verlangen des WADA-Präsidenten Witold Banka entfernt.

Das Spiel um den Weltmeistertitel (die Russin Tansykkuschina hat bereits sechs davon) läuft seit Freitag. Und bis zuletzt hat die russische Trikolore allerdings niemanden gestört.

In der Rolle des Vollstreckers trat der ehemalige Präsident des internationalen Dame-Verbands Jacek Pawlicki. Später äußerte er sich zum Vorfall:

„Das ist eine unschöne Geschichte. Ich wusste nicht, wie Tamara reagieren würde, aber wir hatten keine Wahl. Als polnische Gastgeber haben wir es nicht böse gemeint. FMJD (World Drafts Organization - Internationaler Dame-Verband) ist die WADA-Entscheidung (den russischen Sportlern das Recht zu entziehen, an internationalen Turnieren unter der Nationalflagge teilzunehmen - RF) durch die Lappen gegangen. Uns wurde gesagt, dass FMJD von der WADA ausgeschlossen wird, wenn wir diesbezüglich keine sofortigen Maßnahmen ergreifen.“



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12 April 2021

Deutschland, bist Du verrückt geworden?

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Tretjakow Meinung

Witalij Tretjakow ist russischer Journalist, Politikwissenschaftler, Dekan der Fernsehen-Hochschule an der Moskauer Lomonossow-Universität, und somit auch ein durchaus effektiver politischer Influencer in Russland und der Umgebung.

Und hier ist sein FB-Posting in deutscher Übersetzung.

 ***

Deutschland, bist Du verrückt geworden?

Einst wählten die Deutschen Hitler zu ihrem nationalen Führer: Diesen paranoiden, zoologischen Rassisten und zynischen Aggressor, den später die ganze Welt und die Deutschen selbst (wenn auch erzwungen und nicht aus freiem Willen) als Hauptverbrecher des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichneten.

Dann eroberten die Deutschen – enthusiastisch mit der nationalsozialistischen Ideologie bewaffnet – unter der Führung dieses Verbrechers das ganze sowohl monarchische als auch demokratische Europa, und vernichteten gleichzeitig die Querdenker in den Konzentrationslagern.

Danach griffen sie Russland (die UdSSR) an und töteten dabei mehr Zivilisten als diejenigen, die gegen sie an der Front kämpften.

Danach erhielt Deutschland eine vernichtende Antwort von der russischen Armee, kapitulierte und wurde als Strafe für seine Verbrechen zu Recht zu einem geteilten und besetzten Land.

Jahrzehnte später erlaubte das barmherzige Russland den Deutschen, sich wieder zu vereinen, und zog seine Truppen aus Deutschland ab.

Danach stellte Deutschland – entgegen den Versprechungen – durch die Europäische Union und die NATO seine Dominanz über die während des Zweiten Weltkriegs eroberten Länder wieder her und kam als Teil der NATO-Militärorganisation – auch entgegen seinen Versprechungen – direkt an die Grenzen Russlands.

Anschließend begann Deutschland, das Kiewer Regime politisch, finanziell, diplomatisch und informativ zu unterstützen. Ein Regime, dass sich weder vor seiner Abstammung von Hitlers Kollaborateuren noch vor seiner Sympathie für Wehrmacht und SS scheut. Ein Regime, das sich ausdrücklich zum Ziel setzt, alles Russische im ukrainischen Staatsgebiet auszumerzen.

Und nach all dem fordern (!) die deutschen Spitzenbeamten – einschließlich der Bundesverteidigungsministerin – von Russland einen Bericht über Bewegungen der Truppen der Russischen Föderation auf dem Territorium der Russischen Föderation.

Deutschland, das riecht doch stark nach Frechheit, nicht wahr? Liebe Deutsche, seid ihr etwa verrückt geworden? Erinnert ihr euch noch an massenhafte Verbrechen euer Väter und Großväter in Europa und speziell auf dem ukrainischen Territorium? Habt ihr noch mindestens Gewissensreste?

Oder soll sich nun Russland auf den preußischen Militarismus und den deutschen Revanchismus besinnen, die heute stellvertretend durch diese Kollaborateure ausgeübt werden, weil Deutschland selbst nicht mehr stark genug ist?

Wach auf, Deutschland! Bevor es zu spät ist.


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04 April 2021

Der Tag X kommt

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NATO bereitet sich auf den Krieg vor
Die im Jahr 2015 gestartete Phase der NATO-Vorbereitungen auf einen großen Krieg mit Russland geht offenbar zu Ende.

In all den Jahren haben sich gepanzerte Fahrzeuge und Munition in den an Russland angrenzenden NATO-Ländern angesammelt. Es wurden auch Logistik- und Bevölkerungsmobilisierungspläne ausgearbeitet. Unter dem Deckmantel der regelmäßigen Rotation wurde das NATO-Militärpersonal mit den Orten der zukünftigen Kampfhandlungen vertraut gemacht.

Parallel dazu lief der Prozess der Entmenschlichung und Dämonisierung Russlands und dessen politischer Führung. Es wurden Vorwürfe wegen des Einsatzes chemischer Waffen erhoben. Die Bevölkerung der NATO-Staaten wurde methodisch dressiert, die militärische Lösung der "Russenfrage" als eine unausweichliche Gegebenheit zu akzeptieren.

Das jüngste Beispiel eines solchen Informationskrieges ist der Artikel in The National Interest, wo die Notwendigkeit der NATO-Besetzung der Region Kaliningrad nun ganz offen deklariert wird.

Im Jahr 2020, als die Kriegsvorbereitungsmaßnahmen zu offensichtlich wurden, wurden sie zum Teil durch die Coronavirus-Pandemie getarnt, die zeitlich äußerst passend stattgefunden hat. Dank der "Pandemie" ist es möglich geworden, den Abbruch von militärischen und politischen Kontakten mit Russland sowie eine extreme Drosselung des europäischen Binnenverkehrs (zusätzliche Kapazitäten für den Militärtransport) zu erklären. Dabei sollten westeuropäische Ausgangssperren Disziplin und Gehorsam in der Zivilbevölkerung, aber auch deren Gewohnheit, persönliche Schutzausrüstung einzusetzen, trainieren.

Ein weiteres Anzeichen der fatalen Entwicklung ist der kürzlich erfolgte Transfer von B-1-Bombern nach Norwegen, deren Einsatz eine verdeckte Annäherung an das Ziel in geringer Höhe sowie den anschließenden Start von Marschflugkörpern ermöglicht. Unter dem Ziel versteht man hier den russischen Marinestützpunkt Gadschiewo, wo Nuklearraketenträger der Nordflotte Russlands stationiert sind.

Die unmittelbare Bedrohung für nukleare Abschreckungskräfte Russlands zwingt die russische Führung dazu, Szenarien eines Präventivschlags in Erwägung zu ziehen, weil durch die jüngsten NATO-Aktionen die rote Linie überschritten und der Übergang zur Endphase der Kriegsvorbereitungen demonstriert wird.

Die Unabwendbarkeit des Krieges erkannte die politische Führung Russlands längst. Darum versuchte der Kreml, so viel Zeit wie möglich für die Neuausrüstung der Armee und für die Vorbereitung der Industrie auf die Funktionsweise unter Kriegsbedingungen zu gewinnen.

Eine der erfolgreichen russischen Operationen, um den Gegner in die Irre zu führen, war dabei das langfristige operative Spiel mit dem amerikanischen Agenten Nawalny, dessen Machtübernahme für die anschließende Vernichtung Russlands nach dem Vorbild der UdSSR vom Westen ernsthaft als mögliche Alternative zum Krieg betrachtet wurde.

Auf verschiedene Art und Weise wurde der Westen mit falschen Insider-Infos über eine ernsthafte Unterstützung von Nawalny durch hochrangige russische Beamte und sogar Sicherheitsbeamte gefüttert. Es wurden Geschichten über einen angeblichen "Krieg der Kreml-Türme" verbreitet. Die russische Regierung zeigte öfters eine demonstrative Dumpfbacken-Friedlichkeit gegenüber dem Westen oder "Besorgnis wegen verdorbener Beziehungen". Sie appellierte an "Menschenrechte" oder "demokratische Werte". Das heißt, bis vor kurzem versuchte man den westlichen Feind mit der Perspektive der Vernichtung Russlands durch einen internen Staatsstreich anzulocken und abzulenken.

Dieses Spiel endet aber im Januar 2021 mit der Verhaftung des Agenten Nawalny. Danach ändert sich der Ton der russischen Regierung dramatisch und wird ungewöhnlich hart. Die Zahl der militärpolitischen TV-Programme nimmt stark zu, die russische Bevölkerung wird nun gezielt ideologisch auf den Krieg vorbereitet.

Was ist aber der Grund, warum das Nawalny-Tarnspiel beendet worden ist? Hier sind zwei Varianten denkbar.

Variante 1: Die militärpolitische Führung Russlands betrachtet notwendige vorbereitende Kriegsmaßnahmen als abgeschlossen. Neue Waffen sind getestet und in Dienst gestellt, das Land ist militärisch und wirtschaftlich kriegsbereit (oder befindet sich mindestens auf dem aktuell bestmöglichen Niveau).

Variante 2: Es ist nicht mehr möglich, die westlichen Geheimdienste zu täuschen, sie glauben nicht mehr an "Nawalny-Versteher" im Kreml, also hat das Spiel keinen Sinn mehr.

Es ist auch möglich, dass die beiden Begründungen gleichzeitig zutreffen.

Wie auch immer ist das Pokerspiel zu Ende. Die Gegner werfen ihre Karten auf den Tisch und greifen nach Bleispritzen. Unter dem Deckmantel der Militärübung Defender Europe 2021 erfolgt momentan ein massiver Transfer der NATO-Truppen an russische Grenzen. Ukrainische Streitkräfte an den Grenzen der Donezk- und Lugansk-Republiken sowie der Krim sind ebenfalls angriffsbereit. NATO-Truppen sind de facto in der Ukraine. Die polnische Flotte versucht, den russischen Pipelayer in der Ostsee anzugreifen. Das US-Kommando in Europa (EUCOM) eskaliert die Bereitschaftsstufe offiziell von der "möglichen Krise" bis auf "potenzielle und bevorstehende Krise". Russische Truppen rücken an westliche Grenzen des Landes vor.

Das Hauptziel des bevorstehenden Krieges ist es, eine absolute Weltherrschaft der oberen Schicht des Westens zu etablieren, was vor allem die Beseitigung unabhängiger Regionen auf dem Erdball erfordert. Alle Medien im weitesten Sinne des Wortes (von politischen Ausgaben bis zu den Kindercomics), alle Datenbanken (bis hin zu Straßenkameras), Bankkonten von Bürgern usw. müssen unter die Kontrolle eines einzigen Kontrollzentrums gestellt werden. Infolgedessen wird eine absolute physische und spirituelle Herrschaft über die Welt hergestellt.

Noch nicht ganz klar ist der Grund, der diese kriminelle "Herrschergruppe" zwingt, die Kriegsprozesse ausgerechnet heute zu beschleunigen, und dabei sogar verwegen zu handeln und Risiken einzugehen. Ansonsten ist die Entwicklung offensichtlich, und die Kriegsvorbereitungen laufen nach klassischen Regeln wie schon mehrmals in der menschlichen Geschichte.

Uns bleibt nun abzuwarten, ob auch die nächste Regel befolgt wird: Der Krieg kommt immer unerwartet, auch wenn er lange vorbereitet wird.

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31 März 2021

Trübe Stimmung im ukrainischen Parlament

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Ukrainisches Parlament

Gestern sprach der ukrainische Befehlshaber General Ruslan Chomtschak vor den Abgeordneten des ukrainischen Parlaments.

Insbesondere sagte er, dass Russland in der letzten Zeit Truppen an die Grenze zur Ukraine verlagern würde, was eine Bedrohung für die militärische Sicherheit darstellt. So sollten sich 28 russische Bataillone in den Regionen Brjansk, Woronesch, Rostow und auf der Krim konzentrieren.

Das ukrainische Kommando erwartete, so Chomtschak, dass Russland bald bis zu 25 taktische Bataillonsgruppen in der Nähe der ukrainischen Grenze und auf der Krim versammeln wird.

Während Herr Chomtschak seine Rede hielt, konnten ukrainische Journalisten den Smartphone-Schriftverkehr der Abgeordneten Anna Kolesnik hinterrücks fotografieren. Sie schrieb:

    „Wie hören gerade, was Chomtschak so berichtet. Man muss also aus diesem Land abhauen“

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29 März 2021

Tödliche Erkenntnis

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Neue Welt
Das Solo eines russischen Politikers (aus den Vor-Putin-Zeiten), der im Moment in Deutschland lebt. Ein Fundstück aus Facebook.

***
Vor fast einem Monat wurde ich 60 Jahre alt...

Und plötzlich wurde mir das völlig klar, was in mir latent reifte: Ich bereue es nicht mehr, diese Welt eines Tages verlassen zu müssen. Lassen Sie mich erklären, warum.

Die Welt, die ich wahnsinnig liebe, ist voller gebratenem Fleisch, Ungleichheit der Geschlechter, Aggression, Wohlstand und Armut, Kampf ums Dasein, unerbittlichem Wettbewerb, Risiko und Abenteuer.

In meiner Welt kann man schlüpfrige Komplimente machen, in den Ausschnitt eines Kleides schielen, die Aussicht eines drallen Arsches genießen. In dieser Welt kann man sich gegenseitig schreckliche Beleidigungen zufügen, dem Feind in die Fresse hauen, und natürlich auch mal die eigene Fresse poliert bekommen.

In meiner Welt streben die Menschen danach, Yachten und Flugzeuge, Villen und Häuser zu besitzen, überall zu reisen, in Uganda zu raften oder mit Jeeps durch die Wüste Gobi zu rasen. In meiner Welt, die ich verehre, jagt man Löwen und Antilopen, man isst gebratene Elchleber am offenen Feuer und taucht mit weißen Haien...

Was bietet mir aber die heutige Welt an? Oder – noch schlimmer – die Welt, die demnächst kommen wird?

In Russland wird es eine langweilige Diktatur alter Menschen und Heuchler mit ihren mühsamen Geschichten über Traditionen und Patriotismus sein.

Im Westen kommt eine armselige, vegane Welt ohne Fleisch und Blut, eine Gesellschaft der rotzigen Freude für jedes willensschwache Vieh, welches sich das Vergnügen verweigert, für einen Platz in der Sonne zu kämpfen, und welches immer bereit ist, sich zu ergeben und schlappzumachen. Das ist eine Welt asexueller, apathischer Humanoiden mit dem schäbigen Kannibalen-Wortschatz und einem totalen Verbot jeglicher Emotionen außer endloser Rührung zu jedem Anlass. Eine Welt, in der es vorteilhaft ist, schwach und hilflos zu sein. Eine Welt der Faulenzer und Fernsehdreck-Fresser. Eine Welt langweiliger und ungebildeter Professoren an den Universitäten, wo keine Forschung mehr stattfindet, sondern nur die Lobpreisung linker Ideologie und deklassierter Lumpen.

Ich bereue es nicht, so eine Welt verlassen zu müssen. Die Welt, in der es immer weniger Menschen wie mich gibt. Die neue Generation langweilt mich. Sie ist für mich uninteressant, wahrscheinlich genau so wie ich für sie. Und das ist auch gut so.

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25 Februar 2021

Russischer Impfstoff für italienische Sängerin

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Sputnik V
Italienische Sängerin Anna Maria Chiuri kritisiert im RT-Interview das Impfversagen der EU scharf, nachdem sie mit Sputnik V in Moskau geimpft wurde.

Die italienische Sopranistin verurteilte Impfverzögerungen in der Europäischen Union, nachdem sie sich während einer Tournee in Russland impfen lassen hatte. Die Sängerin betonte, dass Europa ein großes Problem bei der Beschaffung vom Impfstoff habe. Sie äußerte die Meinung, dass die EU-Staaten nun endlich Lieferungen des russischen Sputnik V fördern sollten.

Nur wenige Tage nachdem die Regierung Putins die EU beschuldigt hatte, den Kampf gegen Covid zu politisieren, versetzten die Worte von Frau Chiuri der Europäischen Union einen spürbaren Schlag:

"Es ist ein großes Problem Europas, dass es nicht gelingt, alle EU-Bürger so schnell wie möglich zu impfen, während in Moskau alles durchaus regelmäßig läuft. Geschäfte, Theater, alles ist offen.

Wir Musiker sind schockiert, dass alle Theater und andere kulturelle Einrichtungen bei uns geschlossen sind, und wir können nicht verstehen, warum es in Europa alles so langsam vor sich geht.

Ich bin dafür, Lieferungen von Sputnik V nach Europa und anderswo zu organisieren, wenn dies zur Überwindung des Problems der Impfstoffknappheit beiträgt und es jedem ermöglicht, sich impfen zu lassen."
Währenddessen hat Frau von der Leyen ihren Presseauftritt in der letzten Woche dafür genutzt, um den staatlich unterstützten russischen Impfstoff zu diskreditieren. Nach ihren Worten fragt sich nämlich "immer noch, warum Russland theoretisch Millionen und Abermillionen von Dosen anbietet, während es bei der Impfung seiner eigenen Leute nicht ausreichend Fortschritte macht".

Die russische EU-Botschaft erwiderte, die Kritik von Frau von der Leyen an einem fremden Staat und dessen Wissenschaftler würde ziemlich ratlos klingen.

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24 Februar 2021

Russland und das neue ethische Reich

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Manifest von Bogomolow
Vor einigen Tagen erschien in einer nicht allzu beliebten prowestlichen Zeitung ein sog. Manifest eines nicht allzu populären Regisseurs Konstantin Bogomolow mit dem Titel "Entführung Europas 2.0".


Hinter dem Artikel wird aber schon wieder der bekannte Kreml-Ideologe Wladislaw Surkow vermutet. Also könnte man meinen, dass dieser Artikel auch die Ansichten der politischen Führung Russlands mehr oder weniger wiedergibt. Wie auch immer kommt hier die (gekürzte) Übersetzung des Manifestes.

***

Der Mensch ist eine schöne aber gefährliche Kreatur. Wie die Atomenergie besitzt er sowohl kreative als auch destruktive Kraft.

Diese Energie zu kontrollieren, ihre zerstörerische Kraft zu zügeln und kreative Energie zu fördern, ist eine hohe Aufgabe des Aufbaus einer komplexen Zivilisation, die auf einem komplexen Menschen basiert. So entwickelte sich die westliche Welt bis in die Neuzeit: Die dunklen Seiten des Menschen wurden durch Religion, Philosophie, Kunst und Bildung zurückgehalten, notfalls aber auch – wie der Dampf aus einem überhitzten Kessel - dosiert abgelassen.

Im 20. Jahrhundert ist die "Atomenergie" des Menschen außer Kontrolle geraten. Der Nationalsozialismus wurde zum Tschernobyl der Menschheit. Der Schock und die Angst Europas vor dieser Explosion der menschlichen Primitivität waren zu groß. Darum beschloss der Westen шт вук Nachkriegszeit, sich gegen einen weiteren "nuklearen Unfall" abzusichern, indem der komplexe Mensch eliminiert werden musste.

Zu beseitigen war derjenige komplexe Mensch, den Europa viele Jahre des Christentums selbst formte. Derjenige Mensch, den Dostojewski beschrieb: Ein Engel und gleichzeitig ein Teufel, hoch und niedrig, liebend und hassend, glaubend und zweifelnd, tiefsinnig und fanatisch. Europa erschreckte sich vor dem Tier im Menschen, ohne zu berücksichtigen, dass auch das Tier ein natürlicher und organischer Teil des Menschen ist. Europa war nicht in der Lage, die Folgen des Nationalsozialismus intellektuell und geistlich zu überwinden, darum entschied es sich für eine einfache Lösung: den komplexen Menschen zu kastrieren, um die dunkle bestialische Seite seiner Natur für immer zu vergraben. So begann die Kastration und Lobotomie des modernen Westens. Daher kommt übrigens dieses falsche wohlwollende und alles verzeihende Lächeln, eingefroren auf dem Gesicht des heutigen westlichen Menschen. Dieses Lächeln drückt aber keine Kultur, sondern eine Degeneration aus.

Der heutige Westen manifestiert sich als Gesellschaft persönlicher Freiheiten. Doch in Wirklichkeit kämpft der Westen heute immer noch gegen einen komplexen Menschen und seine schwer kontrollierbare Energie.

Die moderne westliche Welt wird zum neuen ethischen Reich mit seiner eigenen Ideologie der "neuen Ethik". Der Nationalsozialismus ist Vergangenheit. Die Gegenwart heißt der ethische Qweer-Sozialismus. Aus Siemens, Bosch und Volkswagen wurden Google, Apple und Facebook. Die Nazis wurden durch eine Mischung aus Queer-Aktivisten, Fem-Fanatikern und Ökopsychopathen ersetzt, die genau so aggressiv sind und sich durstig nach einer vollständigen Neuformatierung der Welt sehnen.

Traditionelle totalitäre Regime unterdrückten die Gedankenfreiheit. Der neue nicht-traditionelle Totalitarismus ist einen Schritt weiter gegangen und will nun Emotionen kontrollieren. Die Einschränkung der emotionalen Freiheit eines Individuums ist ein revolutionäres Konzept des neuen ethischen Reiches.

Gefühle und Gedanken waren schon immer ein privater Bereich des Menschen. Äußerlich musste er sich beherrschen, aber sein Herz und Gehirn waren frei von Kontrolle. Dies regelte der stillschweigende Gesellschaftsvertrag der europäischen Zivilisation, der den Menschen als ein Gefäß von Emotionen und Ideen verstand, in dem Hass eine andere Seite der Liebe war - eine schwierige und gefährliche, aber notwendige und wichtige Seite der menschlichen Persönlichkeit.

In der nationalsozialistischen Gesellschaft wurde der Mensch wie ein Hund zu Hass abgerichtet. Im neuen ethischen Reich wird man dressiert, auf Liebe und Hass zu verzichten.

Man darf nicht mehr frei sagen "Ich mag nicht ...", "Mir gefällt es nicht ...", "Ich habe Angst ...". Man muss nun vorab eigene Emotionen mit der öffentlichen Meinung und den sozialen Werten in Beziehung setzen. Zum idealen Werkzeug für diese neue repressive Maschine wurden soziale Medien. Und zu den Aufpassern wurden sogenannte rechtschaffende Internet-Aktivisten. Sie tragen keine Uniformen, sie haben keine Keulen und Schocker, aber sie besitzen Gadgets, philiströse Machtgier, geheime Leidenschaft für Gewalt sowie einen Herdeninstinkt. Für ihre Aktivitäten haben sie keine rechtliche Grundlage, dafür aber eigneten sie sich das moralische Recht an. Und angesichts der jüngsten Ereignisse in den USA ist es offensichtlich, dass sie nicht nur ein sich selbst organisierendes Netzwerk darstellen. Sie werden vielmehr von der Staatsmacht unterstützt, vom neuen Ministerium für Wahrheit, das von den Eigentümern von Internetgiganten vertreten ist.

Das Internet hat diesen Aufpassern die Anonymität, Kontaktlosigkeit und infolgedessen Straflosigkeit verliehen. Virtuelle Menschenmenge, virtuelles Lynchen, virtuelles Mobbing, virtuelle Gewalt sowie reale mentale und soziale Isolation von Menschen, die sich nicht einreihen wollen. Diese Netzwerkinformanten und Handlanger spielen die ewige Angst des Menschen vor dem Alleingang gekonnt aus.

Im Nazi-Staat könnte ein Künstler aufgrund seiner "entarteten" Kunst den Job und das Leben verlieren. Im "schönen" westlichen Staat der Zukunft kann der Künstler seinen Job verlieren, weil er das falsche Wertesystem vertritt. Inzwischen betrifft das eigentlich nicht mehr nur Einflussfiguren wie Künstler. Die Situation entwickelt sich rasant, und heute kann ein bescheidener Lehrer oder ein friedlicher Student aus der Lehranstalt rausgeschmissen werden, wenn er eine "falsche" Meinung über die aktuelle Politik hat. Da die Gesellschaft und nicht der Staat diese Repressalien ergreift, werden sie als Aktionen der öffentlichen Solidarität bezeichnet, als gerechter Zorn "freier" und "fortschrittlicher" Menschen, die verlangen, dass Andersdenkende sich niederknien, um die Gnade zu erflehen. So wird dem Menschen die Selbstkastration als der einzige Weg nahegelegt, um im neuen orwellschen Staat zu überleben.

Das neue Reich erklärte den Krieg gegen alles, was unkontrollierbar ist, darunter auch gegen den Sex. Europa ging schnell von der sexuellen Revolution, die zur neuen europäischen Renaissance nach dem Nationalsozialismus wurde, zu einem umfassenden Kampf gegen die sexuelle Energie, dem wichtigsten, emotionalsten und unkontrollierbarsten Teil der menschlichen Existenz, über. Denn Sex ist Freiheit. Sex ist Gefahr. Sex ist das Tierische im Menschen.

Das Christentum räumte dem sexuellen Akt die Sakralität, Göttlichkeit und Schönheit ein. Erotik war ein Kunstobjekt. Sexuelles Verlangen war ein Zeichen der Inspiration. Sex war das heilige Liebesvergnügen. Geburt war ein Wunder. Das neue Reich betrachtet Sex als Produktion und die Genitalien als Werkzeug. Im Rahmen des neuen queeren Sozialismus sozialisiert es diese Produktionsinstrumente und verteilt sie neu, während die Produktion optimiert und der staatlichen sozialen Kontrolle unterstellt wird, wodurch das Geschlecht irrelevant wird.

Der grenzüberschreitende Charakter der Gesellschaft, die Globalisierung, ist Teil der Schaffung eines neuen totalitären Reiches. Früher hatte ein Dissident die Möglichkeit, seine Gesellschaft zu verlassen und eine neue zu finden. Staatsgrenzen bewahrten die Freiheit des Menschen: Die Vielfalt der Ethik- und Wertesysteme eröffnete dem Menschen die Möglichkeit, ein mehr oder weniger passendes oder zumindest nicht störendes Umfeld zum Leben und Schaffen zu finden.

Das neue ethische Reich sehnt sich nach Expansion und Vereinheitlichung der Gesellschaften. So entsteht ein neues globales Dorf, in dem sich ein andersdenkender Mensch vor den Hütern der ethischen Reinheit nicht mehr verstecken kann.   

Ethische Reinheit löste Rassenreinheit ab. Heute wird im Westen nicht die Form der Nase oder die nationale Identität unter die Lupe genommen, sondern die ethische Vergangenheit jedes erfolgreichen Individuums mit Mikroskop untersucht: ob es in Vergangenheit zumindest kleine, aber belästigende Verfehlung oder vielleicht nur Aussagen gab, die nicht dem neuen Wertesystem entsprechen. Wird eine Sünde gefunden, dann gibt es nur eine Möglichkeit, sich eventuell zu retten - der bereuende Kniefall.

Die Oktober-Revolution hat Russland fast hundert Jahre lang vom Westen isoliert. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts befreite sich Russland vom Bolschewismus und eilte nach Europa. Dort suchte Russland nach Akzeptanz, versuchte zu lernen, träumte davon, den Status eines europäischen Landes und europäische Werte wieder zu gewinnen. Die Werte des schönen Europas der Vorkriegszeit, das in seiner ganzen Vielfalt keine Angst vor einem komplexen Menschen hatte. Das war Europa, das die menschliche Freiheit zu lieben und zu hassen respektierte. Europa, das verstand, dass die Natur den Menschen als komplexes, widersprüchliches und dramatisches Wesen erschuf, und sich nicht berechtigt sah, sich in diesen höheren Plan einzumischen. Europa, für das der Hauptwert im Menschen seine Individualität war. Nicht die Individualität des Sextreibens, sondern des Denkens und Schaffens. Das Schaffen äußerte sich in Gemälden, Musik, Gedichten, nicht aber in der Umgestaltung / Verunstaltung des eigenen Körpers oder in der Erfindung neuer Genderbezeichnungen.

Nach einem solchen Europa sehnte sich Russland in den 90er Jahren, und träumte, ein Teil davon zu werden. Das ist aber vorbei. Wozu denn Verbündete dort suchen, wo es sie nicht mehr gibt? Das moderne Russland ist sicherlich immer noch weit von dem einst angestrebten Europa entfernt. Aber es will offensichtlich auch nicht zum neuen europäischen Panoptikum gehören.

Unsere Westler wiederholen hartnäckig: Russland sei ein Land der Gefängniswärter und Sklaven. Mehr oder weniger mag das schon stimmen. Es ist aber auch wahr, dass lange Jahre mangelnder Freiheit, die in den Genen steckende Angst vor Umerziehungslagern, Denunziantentum sowie Demut und Gewalt als Mittel zum Überleben und zum Schutz der Bürger vor der Macht und der Macht vor den Bürgern - all das erfordert keine Revolutionen, aber Geduld und Therapie.

Der heute im Westen herrschende Geist der Gewalt und die Atmosphäre der Angst sind abscheulich. Und wo ist der Unterschied zwischen den damaligen russischen Bolschewiken und heutigen amerikanischen oder europäischen "Aktivisten"?

Das gab es bereits in unserer Geschichte während der Oktober-Revolution: Hässliche Feminitive und anderer Missbrauch der Sprache; Versuche, sich vom Geschlecht oder kultureller Identität zu befreien; Volksversammlungen, wo Andersdenkende als unmoralische Scheusale gebrandmarkt wurden; sogar Kinder, die ihre Eltern verraten. All das hatten wir schon.

Andersdenkende gibt es immer noch genug, und das sind keine durchgeknallten Orthodoxen. Ganz im Gegenteil. Das sind moderne, fröhliche und freie Menschen, gebildet und erfolgreich, offen fürs Neue. Das sind die Menschen, die das Leben in seiner Vielfalt lieben. Das sind Russen, Europäer, Amerikaner, die heimlich davon träumen, dass heutige seltsame und dunkle Zeiten endlich vorbei sind. Aber sie haben Angst, lautstark zu werden. In Russland droht ihnen Netzwerkmobbing. Im Westen fürchten sie vor dem moralischen Terror, Entlassungen und Armut.

Sie alle brauchen Unterstützung. Ihre Gefühle und Gedanken müssen endlich auf dem Papier formalisiert und strukturell organisiert werden. Das heißt, es ist an der Zeit, eine neue rechte Ideologie klar und deutlich zu formulieren, eine Ideologie außerhalb der radikalen Orthodoxie, aber von den Werten einer komplexen Welt ausgehend, die auf komplexen Menschen basiert.

Russische Westler behaupten: Russland sei das Schlusslicht der progressiven Menschheit. Das stimmt nicht. Eigentlich dank eines Zufalls wurde es zum Schlusslicht eines verrückten Zuges, der die Hölle ansteuert, wo die Fahrgäste von multikulturellen und geschlechtsneutralen Teufeln begrüßt werden.

Wir müssen nun unseren letzten Wagon zügig abkoppeln, sich bekreuzigen und mit dem Aufbau der eigenen Welt beginnen. Wir müssen anfangen, unser altes gutes Europa wieder aufzubauen. Europa, von welchem wir träumten. Europa, das die Europäer bereits verloren haben. Europa der gesunden komplexen Menschen.

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09 Februar 2021

Der verblasste Charme des Westens

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Erfahrungsbericht Frankreich
In den letzten 20 Jahren gehörte es nicht nur für russische Oligarchen sondern auch für viele ortsabhängige Freiberufler zum guten Ton, sich außerhalb Russlands zeitweilig oder auch ständig niederzulassen.

Besonders angesehen waren dabei europäische oder amerikanische Lokalionen. Nun dreht sich der Spieß langsam um. Die russischen Auswanderer kommen zunehmend heim. Dabei veröffentlichen einige von ihnen Erfahrungsberichte, die sich merklich von den bis zuletzt vorherrschenden Idealvorstellungen vom "Westen" abweichen. Ein derartiger Bericht eines russischen IT-Fachmanns kommt nun hier in deutscher Übersetzung. 

***

Zwei Jahre als Migrant in Europa zu leben war für mich mehr als genug. Das Leben in Südfrankreich hat nur drei Vorteile: das Klima, das Meer und die lokale Küche. Der Alltag besteht jedoch aus lauter negativen Erfahrungen. Diese beginnen sofort, sobald man auf den Staatsapparat Frankreichs stoßt. Gott sei Dank, dass nur Anwohner und Migranten davon betroffen sind. Die Touristen bleiben vom diesem "Privileg" verschont. Sonst gäbe es in diesem Land gar keine Touristen mehr.

Wenn ihr glaubt, dass es in Frankreich einen elektronischen Service für Bürgerdienste gibt, der sich dem russischen GosUslugi (wörtlich: Dienste des Staates) ähnelt, dann muss ich euch enttäuschen. Es gibt hier keine staatlichen Institutionen wie unsere MFZs (staatliche Multi-Funktionale Zentren), die sieben Tage die Woche von früh morgens bis spät abends arbeiten.

Französische Behörden funktionieren ein paar Mal pro Woche für zwei Stunden. Zum Beispiel am Montag von 10.00 bis 12.00 Uhr und am Donnerstag von 15.00 bis 17.00 Uhr. Zu jedem anderen Zeitpunkt ist es schlicht unmöglich, die nötigen Staatsdiener zu erwischen.

Aber selbst zu den Bürozeiten muss man darauf vorbereitet sein, französische Ämter regelrecht zu stürmen. Wenn der Sturm scheitert, dann kann man es ja immer noch in der nächsten Woche versuchen. Wenn es auch das zweite Mal nicht klappt, dann kommt man schnell auf die Idee, sich vor der Amtstür ab 6 Uhr morgens anzustellen. Dann hat man mehr Chancen, zum begehrten Schalter zu gelangen.

Wenn man in Frankreich lebt, muss man die Begriffe wie "Internet-Technologien" oder "digitale Wirtschaft" generell aus dem Kopf schlagen. Gleichzeitig muss man sich auf sowjetische Erfahrungen besinnen, für jede Bescheinigung mehrere Türklinken zu putzen. Dabei hat man nur selten Glück, dass man nur eine einzige Bescheinigung braucht. Normalerweise setzt jeden Anliegen ein ganzes Papierpaket voraus. Und damit das Leben nicht wie Honig wirkt, müssen die Bescheinigungen an verschiedenen Amtsstellen ergattert werden.

Die in Russland mittlerweile üblichen Konzepte wie "einheitliche Datenbank" oder "zwischenamtliche Interaktion“ sind in Frankreich einfach nicht vorhanden. Jede französische Behörde stellt eine in sich geschlossene Welt dar. Es scheint keine zentrale Behörde zu geben, die die Interaktion zwischen Ämtern koordiniert. Warum die Franzosen die Funktion ihres Staatsapparats nicht verbessern wollen, bleibt mir ein Rätsel.

Zum Beispiel musste ich 2015 in Moskau meinen Führerschein erneuern. Die ganze Procedere dauerte vielleicht 10 Minuten insgesamt: Per GosUslugi-Website den Antrag gestellt, einen mir passenden Termin gewählt und dann den Führerschein bei der Polizei ohne Wartezeiten abgeholt.

In Frankreich ist das grundsätzlich unvorstellbar. Dort wird es Wochen dauern, bis man nach diversen Behördengängen und dem mühsamen Warten den neuen Führerschein bekommt.

Dabei bitte immer gut auf den eigenen Gesichtsausdruck aufpassen: Französische Staatsdiener sind nämlich sehr empfindlich und launisch, und wenn ein Besucher ihnen nicht wirklich gefällt, dauert die Prozedur nicht mehr mehrere Wochen, sondern Monate.

Und wagt es nicht einmal zu denken, euch zu beschweren. Frankreich ist bekanntlich kein Russland, und selbst eine Beschwerde an den Präsidenten bewirkt nichts. Sie wird einfach von keinem gelesen.
Also lieber immer lächeln. Ein ständiges gezwungenes Lächeln in französischen Ämtern gibt mindestens Hoffnung darauf, dass das Anliegen zeitlich "standardmäßig“ bearbeitet wird.

Es ist für mich nun kein Wunder, wieso sich die Franzosen unaufhörlich anlächeln. Das hat nichts mit guten Umgangsformen zu tun. Vielmehr ist das eine unerlässliche Voraussetzung, damit normale Kommunikation überhaupt erst einmal stattfindet.

Wenn ihr glaubt, dass es ums Geschäftsleben in Frankreich besser bestellt ist, dann irrt ihr euch schon wieder.

Wenn man beispielsweise die banale Bankkarte ausstellen lassen möchte, muss man vor allem geduldig sein. Man hat einen Haufen Papiere vorzulegen, um die Identität, Wohnadresse und das Einkommensniveau zu bestätigen. Dabei reicht eine einzige Bestätigung in der Regel nicht aus. Man muss mehrere auf einmal haben. Beispielsweise muss die Wohnadresse sowohl durch den Mietvertrag als auch durch einen kommunalen Zahlungsbeleg bestätigt werden. Alles in Original, versteht sich.
Darüber hinaus hat man sich noch mit unzähligen Fragebogen und Erklärungen abzumühen. Also kann die Prozedur der Bankkartenbestellung, die man in Russland beiläufig per Internet für wenige Augenblicke erledigt, in Frankreich mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Das Internet in Frankreich ist sehr teuer und instabil. Dieser Faktor ist für meine Arbeit von wesentlicher Bedeutung. Im Jahr 2016 hatte ich in Moskau einen 500 Mbit-Zugang für umgerechnet 7 Euro zu bezahlen. In Nizza musste ich 180 Euro für 30 Mbit/s hinblättern. Ein spürbarer Unterschied.

In Russland kann man fast jedes Haushaltsproblem innerhalb einer Stunde gelöst bekommen. Wenn man beispielsweise eine neue Waschmaschine oder einen neuen Geschirrspüler gekauft hat, kann man über die mobile Anwendung einen Meister bestellen, der zu einem für den Kunden passenden Zeitpunkt kommt, seine Arbeit mit hoher Qualität erledigt und dafür umgerechnet 20 bis 25 Euro erhält.

In Frankreich bestellt man den Klempner meistens immer noch per Telefon, das man in einer Zeitungsanzeige erst einmal finden muss. Der Meister kommt dann zu einem für ihn passenden Zeitpunkt (Man muss sich also wirklich an den Klempner terminmäßig anpassen - nicht umgekehrt!) und anschließend 150 Euro für denselben Service in Rechnung stellt.

Alles in allem habe ich 2 Jahre lang in Frankreich ausgehalten. Nun lebe ich seit einem Jahr wieder in Moskau und kann mich nicht beschweren. Der Wunsch, ins Ausland zu ziehen, ist vergangen, und ich sehe heute keine Voraussetzungen mehr dafür, dass ich diesen Wunsch in absehbarer Zeit wieder bekomme.

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03 Februar 2021

Mehr Militär für Kaliningrad

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Kaliningrad

Russland stockt seine Bodentruppengruppierung der in der Region Kaliningrad auf.


Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation plant, 2021 eine motorisierte Schützendivision zu bilden, die in der Region Kaliningrad disloziert wird. Damit verstärkt Russland seine Bodentruppen in der westlichen Region ein weiteres Mal. Diese Informationen wurden den Journalisten der Zeitung Izvestia aus einer Quelle im Verteidigungsministerium mitgeteilt. 

Laut der Quelle sollte die russische Militärführung bereits damit begonnen haben, die 79. separate motorisierte Gewehrbrigade, die derzeit die größte kombinierte Waffenformation in der Region Kaliningrad ist, neu zu organisieren. Auf der Grundlage dieser Brigade soll ein Regiment gebildet werden, das dann ein Teil der neuen motorisierten Schützendivision wird, die in Sowetsk (Tilsik) stationiert wird.

Neben dem neuen Regiment würde die Division mehrere weitere Einheiten umfassen, darunter wahrscheinlich auch das 7. separate motorisierte Schützenregiment, das in Kaliningrad stationiert ist.

Bereits im September 2021 würden die Einheiten der neuen Militärformation an den Übungen "West-2021" teilnehmen.

Die Verstärkung der Landgruppierung in der Region ist laut Experten darauf zurückzuführen, dass kürzlich große Stoßgruppen der Nordatlantischen Allianz in Polen und Litauen an die Grenzen der Region Kaliningrad verlegt wurden.

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02 Februar 2021

Russisches Militär gegen das Coronavirus

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Russische Armee

Russische Militärärzte werden im Kampf gegen COVID in 43 Regionen (aus 85) Russlands eingesetzt:

"In 43 Regionen wird die lokale Bevölkerung in Militärkrankenhäusern versorgt und behandelt", so der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu

Mehr als 800 militärische Wiederbelebungsfahrzeuge, 18 Hubschrauber und 9 Flugzeuge seien in ständiger Bereitschaft, um schwerkranke Bürger in dringenden Fällen in Krankenhäuser einzuliefern.

Die epistemologische Situation in der Armee sei, so Schoigu, vollständig unter Kontrolle, da alle notwendigen vorbeugenden Maßnahmen ergriffen wurden. Die Coronavirus- Inzidenz in der russischen Armee und Marine sei um ein Viertel niedriger als unter der zivilen Bevölkerung.

Derzeit wurden in der russischen Armee 498 Impfstellen organisiert. Über hunderttausend Militärangehörige haben bereits Impfungen gegen COVID-19 erhalten.

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31 Januar 2021

Vorher-Nachher-Videos

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Vorher-Nachher
Sowohl bei Google- als auch Yandex-Maps gibt es bekanntlich die Option historischer Bilder.

Man kann also eine bestimmte Kartenstelle (Straße, Haus oder einen verwahrlosten Platz) in der aktuellen Version auf der Karte einblenden, und dann beispielsweise ins Jahr 2010 wechseln, um zu sehen, ob und welche Änderungen innerhalb von 10 Jahren an der jeweiligen Stelle stattgefunden haben.

Diese eigentlich einfache Feature der Kartenanbieter wirkt in Verbindung mit dem Tempo, mit dem sich Straßenbilder der russischen Städte ändern, ist selbst für Russland-Insider manchmal beeindruckend. Mich haben diese Videos jedenfalls wirklich gefesselt, zumal man die Kreml-Propaganda internationalen Suchmaschinen kaum unterstellen kann. Jedenfalls sind die Bilder leicht nachprüfbar.

Darum werden nun Vorher-Nachher-Videos aus russischen Städten auf dem Blog "Was wird in Russland hergestellt?" veröffentlicht, schließlich geht es dabei um Leistungen der Baubranche. 

Als Vorgeschmack kommt nun ein Vorher-Nachher-Video aus der nördlichen russischen Stadt Wologda:

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22 Januar 2021

Coronavirus in Russland: Theorie und Praxis

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Coronavirus in Russland
Seit Anfang 2021 wurden Russland die Maßnahmen gegen Coronavirus wieder etwas gelockert.

Zum Beispiel dürfen in Moskau Kinder und Jugendliche schon wieder Fach- und Sportschulen sowie diverse Freizeiteinrichtungen ohne Einschränkungen besuchen. Die erlaubte Besucherzahl in Moskauer Bibliotheken, Museen sowie anderen Kultureinrichtungen wurde verdoppelt (von 25% auf 50% der regelmäßigen Kapazität).

Gestern teilte Mitglied des Staatsduma-Ausschusses für Gesundheitsschutz Boris Mendelewitsch mit, dass es "nicht länger als anderthalb Monate" dauern würde, bis die meisten Corona-Beschränkungen in den Regionen Russlands aufgehoben sind:

"Es ist klar, dass alles davon abhängen wird, wie sich die Situation entwickelt. Aber wenn es so wie heute aussieht, dann werden viele Regionen zum Ende Februar oder Anfang März spürbare restriktive Maßnahmen aufheben können."


Witalij Swerew, Immunologe und wissenschaftlicher Direktor des Metschnikow-Forschungsinstituts für Impfstoffe vertritt eine ähnliche Meinung. Der Wissenschaftler ist jedoch etwas vorsichtiger. Die Regionen Russlands, so Swerew, würden erst zum Sommer beginnen, Beschränkungen merklich aufzuheben:

"Die Epidemie entwickelt sich von Region zu Region anders. Aber ich denke, dass sich die Situation bis zum Sommer in den meisten Regionen normalisieren wird."

Noch vor einem Jahr hat die russische Regierung im Kampf gegen das Coronavirus eine Strategie eingeschlagen, die man als expansiv bezeichnen kann: Es wurden in ganz Russland neue sog. multifunktionale medizinische Zentren im Eiltempo gebaut. Als wichtigster Bauträger trat dabei die russische Armee auf.

Der Bau eines solchen Zentrums dauert von 40 bis 56 Tagen. Die Aufnahmekapazität beträgt von 60 bis 200 Personen. Im Moment funktionieren landesweit 30 multifunktionale medizinische Zentren.

Gleichzeitig wurden in bereits vorhandenen Kliniken Corona-Abteilungen (meistens auf der Basis von Infektions- und Chirurgieabteilungen) aufgebaut. Auch viele Sportkomplexe wurden in Corona-Behandlungszentren umfunktioniert.

Im Frühjahr 2020 gab es mehrere kurzzeitige Lockdowns, die Putin persönlich ankündigte. Jedes Mal begründete der Präsident die eingeführten Einschränkungen ausdrücklich damit, dass man lediglich Zeit gewinnen möchte, um sich auf die massenhafte Behandlung der Covid-Kranken vorzubereiten. Wie immer hat man das skeptisch empfunden, und wie immer hat Putins Plan letztendlich funktioniert.

Nun zur Praxis.

Alle Covid-Infektionierten werden in Russland je nach dem Ablauf der Krankheit grob in zwei Kategorien aufgeteilt: "leicht" und "mittelschwer".

Die "leichten" Patienten bleiben zu Hause. Sie bekommen auch Arzneimittel komplett oder teilweise (je nach der Region) kostenlos. Den Arzt kann man per Telefon konsultieren oder ihn nach Hause rufen.

Wird man mindestens als "mittelschwer" eingestuft (Körpertemperatur ab 38 Grad, hohe Atemfrequenz, Atemnot) wird man mit dem Krankenwagen ins nächste Covid-Zentrum eingeliefert. Für die Einlieferung reichen der Pass und Nachweis der medizinischen Pflichtversicherung. Ob der Bürger seinen Wohnsitz in der Region der Einlieferung hat oder anderswo, ist irrelevant. Die Einlieferung und die komplette stationäre Behandlung sind kostenlos.

In der Aufnahmeabteilung kann es hektisch sein. Man wird aber weder vergessen noch verloren – die Procedere geht fließbandmäßig voran. Oft wird dabei auch die Computertomographie gemacht (falls nicht schon vorher geschehen). Nach der Aufnahmeprozedur wird von den Ärzten ein vorläufiges Behandlungskonzept formuliert. Meistens enthält es diverse Tabletten, Spritzen, Tropfer und natürlich Sauerstoff (Intubation oder Maske). Je nach der Krankheitsentwicklung wird das Konzept dann laufend angepasst. Der Zustand des Kranken wird zweimal pro Tag durch Ätzte und dreimal pro Tag durch Krankenschwester (hauptsächlich Temperatur- und Saturationsmessungen usw.) kontrolliert. Die Behandlung dauert durchschnittlich 3 bis 5 Wochen.

Obwohl die Therapie, wie gesagt, für die Bürger kostenfrei ist, kann man unschwer ausrechnen, dass sich die Kosten – je nach konkretem Aufwand – locker auf ein paar tausend Euro belaufen können.

Die neu gebauten Covid-Zentren sind mit allem Nötigen ausgestattet und auch vom Interieur her modern und mit guten Kliniken durchaus vergleichbar. Auch die Verpflegung ist in Ordnung. Diese basiert übrigens noch auf den sowjetischen sog. "Grundvarianten der Standarddiät", die auch persönliche Indikationen (z.B. Diabetes usw.) berücksichtigen. Ein weiterer unauffälliger Vorteil der neuen Covid-Zentren ist deren Belegschaft. Sie besteht überwiegend aus Medizinstudenten und -absolventen, die in der Regel sehr aktiv, eifrig und zuvorkommend sind. Der Vorteil der "alten" Kliniken ist dagegen die große Erfahrung der Stammärzte, die allerdings manchmal etwas "ausgebrannt" wirken können. Doch ist das eine eher theoretische Anmerkung, denn die Qual der Wahl hat der Patient in dieser Hinsicht sowieso nicht – alles wird vom Arzt der Aufnahmeabteilung entschieden.

Alles in allem kann man nun langsam sehen, wie der Plan der politischen Führung Russlands in Bezug aufs Coronavirus vor einem Jahr aussah, und was daraus geworden ist. Das Ziel war damals, die russische Bevölkerung so schnell wie es nur geht und mit allen - vor allem finanziellen – Mitteln (auch die munter voranschreitende Vakzinierung nicht vergessen) herdenimmun und damit handlungsfähig zu machen. Das Ziel wurde im Wesentlichen erreicht.

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18 Januar 2021

Die USA gegen Telegram

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USA gegen Telegram
Die US-amerikanische NGO Coalition for a Safer Web verklagte am Sonntag Apple vor dem Bundesgericht und forderte auf, Telegram, eine Chat- und Social-Media-App, aus dem App Store zu entfernen, weil Telegram nach dem Kapitol-Angriff am 6. Januar angeblich nicht gegen gewalttätige, extremistische Kommunikation vorgegangen sein soll.

Die Klage gegen Apple eröffnet die Möglichkeit, auch direkt gegen Telegram vorzugehen, was für US-Gerichte allerdings schwer realisierbar wäre, weil sich der Provider in Übersee befindet. Der von Dubai aus betriebene Telegram-Messenger wurde vom russischen IT-Unternehmer Pawel Durow entwickelt. Die App ist unter den Usern beliebt, die ihre Privatsphäre vor autokratischen Regimen schützen wollen. Durow hat sich wegen Zensur und Verschlüsselung auch mit der russischen Regierung gestritten und durchgesetzt.

Telegram widersetzt sich konsequent den staatlichen Forderungen, sog. rechte Accounts oder Hassgruppen zu blockieren. Derartigen Gesuchen wird nur vereinzelt und eher selten stattgegeben. Nun beklagen sich auch die US-Sicherheitsbeamten, die Migration von Parler zu Telegram habe es ihnen erschwert, Extremisten zu überwachen und sich auf mögliche Angriffe vorzubereiten.

Die Erfolgsaussichten der NGO-Klage sind also ungewiss. Skeptisch äußerte sich dazu inzwischen auch der russische Außenminister Sergej Lawrow:


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