Islamverbot in Russland?

Verbot des Islams in Russland
In dem M-Mannheimer-Blog (hier) entfachte neulich eine m.E. recht interessante Diskussion darüber, dass/ob der Islam in Russland angeblich eingeschränkt oder gar verboten werden soll. Hier kommen (leicht modifiziert) einige Postings zu dieser Diskussion.

Rusfunker:
Es ist natürlich falsch zu behaupten, dass man den Islam in Russland verbieten möchte. Man kann ja unmöglich das verbieten, was ein Bestandteil des Landes bzw. des (Gesamt)Volkes ist. Es gibt aber schon langjährige Praxis eines durchaus friedlichen Zusammenlebens mit Moslems.

Zum einen hat man schon 1994 eine sog. Islamische Seelische Hauptverwaltung Russlands gegründet. Praktisch ist das eine Art Islam-Ministerium, das in das staatliche Regierungssystem fest integriert ist. Das Gleiche gilt übrigens auch für die russische orthodoxe Kirche (Patriarchie). Damit sind die traditionellen russischen Konfessionen von der säkularen zentralen Staatsmacht abhängig und steuerbar.

Zum anderen sind die russländischen Moslems meistens von Geburt an in die säkulare Gesellschaft (Kindergarten, Schule usw.) integriert. Und es passiert nicht selten, dass sich junge Menschen aus muslimischen Familien brennend wünschen, muslimische Gebiete unter einem passenden Vorwand (Studium, neuer Arbeitsplatz usw.) zu verlassen, und in die russischen Gebiete oder Großstädte zu ziehen, um sich dem muslimischen Dogma sowie der entsprechenden Lebensweise zu entziehen. Das zieht natürlich dem Fanatismus massiv den Boden weg.

Krümel
In Russland läuft seit Jahren eine Flutung mit Moslems aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Das sind Moslems, die sich nicht integrieren, sondern genauso wie bei uns sich gewaltig vermehren und immer mehr Forderungen stellen. Eine schleichende Übernahme und Besatzung des Landes. Die russische Familie hat maximal noch ein Kind. Wer sich 2 oder mehr Kinder leisten kann, gehört zu einer kleinen Minderheit im Land. Die muslimische Frau hat 5 bis 10 Kinder. Das russische Volk stirbt aus und der Islam übernimmt Russland alleine aufgrund der Demografie. Putin will und kann nichts dagegen unternehmen, sonst hat er einen Bürgerkrieg am Hals.

Rusfunker
Leider sind Sie schlecht informiert, was Russland angeht. Das ist aber fast überall im deutschen Internetsegment so. Schade eigentlich.

Eine gewisse Flutung mit Moslems aus den ehemaligen Sowjetrepubliken gab es zwar vor einigen Jahren, das waren aber meistens Gastarbeiter, die nach Russland kamen, um zu schuften. Und sie wurden wirklich hart ausgebeutet. Heute gibt es diese Gastarbeiter (leider) viel weniger, denn sie werden nun in Russland immer mehr ausgenommen (vor allem vom Staat!) – sie müssen für alles selbst zahlen: Aufenthaltserlaubnisse, Arbeitslaubnisse usw. Von Unterkunft und Verpflegung ganz zu schweigen. Für viele lohnt es sich also nicht mehr, in Russland zu bleiben. Mehr dazu hier.

Und das ist auch schade, denn in Russland gibt es wohl kaum ein einziges neues Gebäude, das ohne deren Hilfe gebaut wurde. Sie sind sehr tüchtig und sehr billig. Dazu noch sind die meisten Sowjet-Moslems aus Mittelasien recht gut in die russische Kultur und Sprache – von Zuhause aus – integriert.

Zur Demographie. Seitdem das Programm für finanzielle Familienunterstützung im Jahr 2007 startete, gibt es in sehr vielen russischen Familien zwei bis drei Kinder. Manchmal mehr. Heute reichen zuweilen nicht mehr Schulplätze für russische Erstklässler aus. Mehr dazu hier.

Also hat Putin inzwischen doch sehr viel auf diesem Gebiet unternommen. Und die Ergebnisse sind auch spürbar.

Krümel
Ich kenne Ihre Motive nicht, aber Sie kennen sich in Russland nicht wirklich aus. Sie stellen die Lage dort völlig verzerrt dar und verhöhnen die Russen. Die Invasoren haben Millionen von Russen die Arbeitsplätze weggenommen, weil sie für Hungerlöhne arbeiten, von denen kein Russe seine Familie ernähren kann.

Meine Informationen sind aktuell und stammen von realen Menschen in Russland, die zugegeben nicht Oligarchen sind, sondern Akademiker und einfache Arbeiter, welche allesamt in die Armut gestürzt wurden, weil Putin diese billigen Heerscharen reingelassen hat, um seine reichen Freunde noch reicher zu machen.

Ich berichte vom Alltag von realen Menschen, die keine Multimillionäre sind. Die können sich eben keine 2 Kinder leisten, wie es der Rus Funker behauptet.


Rusfunker
Meine Motive habe ich ganz klar auf meinem Blog dargestellt: es gibt in Deutschland allzu viel Irrglauben und Lüge, was Russland betrifft. Ich möchte nur den deutschen Lesern helfen, eine möglichst objektive Meinung dazu zu bilden. Denn ich bin Russe, und ich lebe auch ständig in Russland.

Die Mittelasier beeinflussen schon den russischen Arbeitsmarkt, was grobe und unqualifizierte physische Arbeit angeht. Scherzhaft und auch durchaus wohlwollend nennt man tadschikische / usbekische Gastarbeiter hierzulande „Schaufelmaschinen“. Das sagt schon alles. Es gibt mittlerweile sogar Sitcoms zu diesem Thema (z.B. über tadschikische Bauarbeiter und deren russischen Brigadier, läuft auf Russisch, aber durchaus nachvollziehbar).

Also sind die russischen Akademiker von dieser „Konkurrenz“ nun wirklich in keiner Weise betroffen. Aber auch für sog. „einfache Arbeiter“ gibt es immer noch mehr als genug Arbeitsplätze, was man leicht zahlreichen Job-Portalen entnehmen kann.

Und nochmals zum Thema „keine 2 Kinder leisten“. Genauso wie in Deutschland gibt es in Russland – besonders in Großstädten - tatsächlich viele junge Leute, die hohe Erwartungen an eigene Lebensstandards haben und somit zögerlich sind, wenn es um Kinderkriegen geht. In den ländlichen Gegenden sieht es dagegen anders aus. Es gibt recht viele staatliche / regionale Programme, die es Menschen erlauben regelrecht davon zu leben, dass man viele Kinder bekommt bzw. adoptiert, was m.E. eigentlich nicht unbedingt gut ist, denn so wird das Kinderaufziehen irgendwie fast zum Geschäft.

Inge Kowalevski
das was Sie sagen, hat mir soeben eine Russlanddeutsche bestätigt. Auch das was Krümel mit der Flutung sagt, nur das sind ebenso Illegale, aber die arbeiten alle schwarz. Die werden nicht unterhalten. Das wird stillschweigend hingenommen. Z.B. Usbekistan, ist schon 1/3 abgewandert nach Moskau. Nur die hatten ja früher dazu gehört und sprechen die Sprache.


Rusfunker
Gut dass Sie einen Fakten-Check mit Ihrer russlanddeutschen Bekannten machen können und wollen!

Aber auch die Situation mit den stillschweigend hingenommen Illegalen ändert sich langsam. Heute ist es eher unwahrscheinlich, dass so viele illegale Usbeken sich in Moskau frei bewegen können. Das wird immer strenger kontrolliert und geregelt. Darüber hinaus ist Moskau mit Streifenpolizisten regelrecht überflutet. Und selbst wenn man davon ausgeht, dass ein illegaler Migrant sich auch mal auf der Straße „freikaufen“ könnte, dann wäre er nach einem halbstündigen Spaziergang durch Moskau finanziell ruiniert. Allein aus diesem Grund ist ein illegaler Aufenthalt sinnlos.

Natürlich sieht man auf den Straßen russischer Großstädte viele asiatische Gesichter, aber die gab es ja schon immer, das gehört halt in einem "Imperium" dazu, und man kann auch durchaus davon ausgehen, dass einige davon illegal oder sogar kriminell sind, aber wenn man die Situation heute und noch vor ein paar Jahren vergleicht, dann ist eine positive Tendenz nicht zu übersehen.


Rusfunker
Eigentlich nicht nur der Islam, sondern grundsätzlich alle Konfessionen in Europa wurden und werden absichtlich und m.E. übermäßig institutionalisiert. Wahrscheinlich liegt hier auch der Hauptgrund der heutigen europäischen Probleme mit dem Islam, aber auch der entscheidende Unterschied zwischen Europa und Russland.

In der europäischen Geschichte stand nämlich die kirchliche Macht des Vatikans öfters über der säkularen Macht in einzelnen europäischen Staaten. Und es ist auch nicht ganz offensichtlich, ob das heute noch vielerorts anders ist. Es existiert also eine fertige und durchaus funktionierende paneuropäische Machtstruktur, die man nach und nach mit einem anderen (muslimischen?) Inhalt füllen kann. Wenn man die Position mancher europäischen Kirchenvertreter zur Migrationskrise unter die Lupe nimmt, bleibt dahingehend eigentlich kein Zweifel übrig.

In Russland war und ist das aber genau umgekehrt: Konfessionen waren schon immer nur eines der Werkzeuge der säkularen russischen Macht (selbst zu Sowjetzeiten!). Und heute gibt es, wie gesagt, praktisch ein „Ministerium des Islams“ und ein „Ministerium der orthodoxen Kirche“ in Russland. Natürlich heißen diese Einrichtungen anders, aber von der Sache her sind sie praktisch Abteilungen der russischen Regierung, und alle „Glaubensbeamten“ haben den Weisungen des Kremls zu folgen. Das ist natürlich eine ganz andere Situation.

1 Kommentar:

Nephilim hat gesagt…

Das Problem ist nicht die Religion an sich, sondern die Arschlöcher, die ihr anhängen.