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06 August 2018

Autofahren in Russland

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Autofahren in Russland. Wie funktioniert das? Was gibt es zu beachten? Hier kommen nun ein paar Impressionen aus eigener (auch ganz frischer) Erfahrung.


Kraftstoff

Bleifrei Super (Oktan 95) kostet momentan ca. 0,62 Euro pro Liter (ca. 46 Rubel). Preisschwankungen gibt es je nach Ortschaft / Region, allzu groß sind sie aber nicht.
Es empfehlt sich möglichst Tankstellen bekannter Netz-Anbieter (z.B. British Petroleum, Shell, Gaspromneft, Rosneft usw.) auszusuchen. So bleiben einem böse Überraschungen mit der Sprit-Qualität meistens erspart.

Als einen Bonus bekommt man an Marken-Tankstellen dann auch (mehr oder weniger) ordentliche WCs kostenlos zur Verfügung. Das ist übrigens ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn die Raststätten nach deutscher Art sind in Russland eher unbekannt.

Dazu noch ein Tipp: wenn die Strecke bereits feststeht, einfach Webseiten der entsprechenden Ölgesellschaften besuchen und sich die Tankstellen auf der Route markieren. Natürlich immer volltanken und nie bis zum leeren Tank fahren. Aber das ist ja voll die Regel, die überall gilt, aber in Russland - wegen der Entfernungen - ganz besonders.


Straßenqualität

Gruselgeschichten über russische Fernstraßen stimmen eigentlich immer weniger. Zum Beispiel kann man heute auf der kostenpflichtigen Autobahn Moskau – Sank-Petersburg stellenweise bis 150 km/h stundenlang mit Tempomat fahren, ohne ein einziges Mal Bremspedal zu benutzen (s. Abb.). Auch sonst gibt es immer mehr gute bis sehr gute Straßen.

Trotzdem ist bei der Reiseplanung Umsicht geboten: die sogenannten föderalen Fernstraßen sind manchmal wegen großer Auslastung, Staus, vieler Baustellen oder mäßiger Bahnqualität nicht unbedingt die erste Empfehlung. Manchmal kommt man mit Regionalstraßen (vgl. Landstrassen) sogar besser aus. Die Route muss aber vorab gründlich gelotet werden. Ein paar Stunden im Internet (Reiseforen, Youtube-Berichte usw.) sind dabei sehr hilfreich.


Verkehrspolizei

Russische Verkehrspolizei genießt hierzulande traditionell keinen guten Ruf. Es tauchen im Internet immer wieder Geschichten auf, wo die Polizisten zu "eifrig" ihre Dienstpflichten wahrnehmen, und sich dann nur gegen Bares mildern lassen. Ob das immer stimmt, kann man ja nicht wissen. Aus persönlicher Erfahrung gibt es einen direkten Kontakt mit den Polizeibeamten immer weniger (durchschnittlich vielleicht einmal pro Jahr oder so). Es werden auch stationäre Polizeiposten auf den Fernstraßen massiv aufgelöst, was wirklich gut ist. Dafür aber stecken nun automatische Blitzer beinahe in jedem Gebüsch. Also erfolgt heutzutage die Kommunikation zwischen dem Bürger und der Polizei zunehmend auf dem bargeldlosen Weg.


Geschwindigkeitsbegrenzung

Blitzer-Strafen für ein zu schnelles Fahren gehören heute wohl zu einer der wichtigsten Einkommensquellen der russischen Polizei.

Allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkungen in Russland:

  • Ortsgebiet: 60 km/h
  • Landstraße: 90 km/h
  • Autobahn: 110/130 km/h

Dabei gibt es allerdings ein paar Tricks, um schneller als erlaubt und trotzdem knöllchenfrei ans Ziel zu gelangen, und zwar:

- die Geschwindigkeitsüberschreitung von bis 10 km/h wird gar nicht bestraft;

- die Überschreitung von bis 20 km/h gilt schon als eine Verkehrsübertretung, für die es jedoch keine Geldstrafe gibt. Das heißt rein theoretisch, dass der Fahrer in einem solchen Fall vom Polizisten angehalten werden kann, um von ihm eine mündliche Rüge erteilt zu bekommen. Aber ein kostenlos tadelnder russischer Polizist gehört heutzutage eher zu einer abnormalen Naturerscheinung;

- also wird der Blitzer erst ab der erlaubten Geschwindigkeit auf dem Verkehrszeichen + 20 km/h aktiv. Aber auch das stimmt nicht ganz. Russische Autofahrer erheben nämlich gern Einsprüche gegen Knöllchen mit sehr knappen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Um sich also einen eventuellen Aufwand mit Gerichtsverhandlungen zu ersparen, aktiviert die Polizei ihre Blitzer in aller Regel erst ab +23 km/h.

Also kann man russische Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Verkehrszeichen immer als "+20 km/h" interpretieren. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass jede auch die kleinste festgestellte Geschwindigkeitsüberschreitung bei einem schweren Unfall zu Lasten des Täters gehen wird.

Übrigens, die Strafe für die Geschwindigkeitsüberschreitung ab 23 km/h beträgt momentan 500 Rubel (ca. 6,75 Euro). Wird die Strafe jedoch einspruchslos innerhalb von 20 Tagen bezahlt, dann darf ein halber Strafsatz angewendet werden, also 250 RUB = ca. 3,38 EUR.


Soweit zum Autoreisen in Russland. Der Bericht erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird gern fortgesetzt, falls entsprechende Kommentare / Anregungen kommen.
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11 März 2017

Überlebenskunst: nach der Stadtflucht (2)

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Mit dem Auto fliehen und im Kloster leben

So, jetzt müssen Sie sich überlegen, wie Sie zum Fluchtziel kommen.


Wie Sie bereits wissen, wird das Recht auf das Privateigentum im Krieg nicht so sehr geachtet, besonders wenn man das Eigentum mit der Waffe nicht schützen kann. Das ist ein kleiner Denkanstoß, falls Sie meinen, daß Sie Ihr weites Fluchtziel am besten mit dem Auto erreichen können, zumal öffentliche Verkehrsmittel höchstwahrscheinlich nicht mehr funktionieren.

Wenn Sie sich nun tüchtig umschauen, finden Sie bestimmt ein mehr oder weniger verwahrlostes Auto. Dabei ist ein verwahrlostes Auto mit dem leeren Tank für Sie uninteressant, denn Sprit gibt es nämlich nicht mehr zu bekommen. Sobald Sie mit der Autowahl fertig sind, versuchen Sie, es etwas der Situation anzupassen. Mahlen Sie zum Beispiel ein rotes Kreuz drauf. Oder basteln Sie ein Kreuz mit dem Klebeband. Der Trick ist nicht besonders schlau, aber vielleicht erleben Sie dadurch unterwegs einen Beschuß weniger.


Nun sind Sie mit dem Auto unterwegs. Fahren Sie aber langsam, maximal 50-60 km/h. Der Grund: für Militärs sind Autostraßen wichtige Objekte, die vorrangig benutzt und kontrolliert werden, also kann ein schnelles Fahren von Soldaten durchaus als verdächtig empfunden werden. Es kann auch passieren, daß Sie „für alle Fälle“ mit einem Schuß angehalten werden.

Andererseits sollten Sie alle Zivilisten, die Sie anhalten wollen, ignorieren. Jemanden per Anhalter mitzunehmen bringt Ihnen nichts außer neuen Problemen. Werden Sie aber von Militärs aufgefordert anzuhalten, denn bremsen Sie sofort und rudern Sie zum Straßenrand. Nicht aussteigen, vielleicht nur bloße Hände durch das Autofenster zeigen, dann einfach ruhig im Auto bleiben. Ein bißchen beten zwischendurch wäre dabei auch nicht verkehrt, denn niemand weiß, was jetzt kommt. Wie auch immer, ein aggressives Verhalten wäre im Moment gar nicht am Platz.

Wenn Sie schlußendlich es bis zum Ziel geschafft haben, dann haben Sie ein Dach über dem Kopf, Arbeit, Essen und Menschen, mit welchen Sie ruhig sprechen können (das haben Sie ja während der letzten Tage fast verlernt).

Nun können Sie sich endlich ein paar Tage (beim Schuften) ausruhen, sich mal umschauen und informieren, wie sich die Situation entwickelt. Es beginnt für Sie eine ganz neue Lebensetappe.

Und nun kommt eine extrem wichtige und traurige Ergänzung:

Wenn Sie glauben, daß Sie den ganzen Weg aus der Stadt nicht nur allein, sondern mit Ihrer Familie bewältigen können, dann liegen Sie völlig falsch. In diesem Fall sind Sie garantiert ein toter Mann, und die Familie auch. Diese Tips sind nur für Einzelgänger.

Also bitte rechtzeitig und gründlich vorsorgen: Zufluchtsort, Nahrungsmittel, Wasser - alles muss für Ihre Nächsten vorab vorbereitet werden. Und bei den ersten kleinsten Anzeichen der drohenden Unruhen bringen Sie vor allem die Familie aus der Stadt - sofort und ohne Wank.
Tun Sie das bitte wenigstens um Ihrer Familie willen. Familienmitglieder müssen vorrangig in Sicherheit gebracht werden, und in dem Zufluchtsort müssen sie auch was zu essen haben.

Danach können Sie tun, was Sie wollen.

Selbst wenn Sie patriotisch und kämpferisch sind, retten Sie zuerst die Familie und sich selbst, denn ein toter Patriot kann auch seiner Heimat nicht mehr helfen.
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