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17.01.2020

Putins Falle für Polen

Polen und Juden

Neulich sagte Lech Wałęsa, der vielleicht berühmteste der lebenden Polen der Welt:


"Warschau hätte den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz einladen und unverblümt sagen sollen, dass die Russen das Konzentrationslager befreit hätten."

Das stimmt. Das hätte es, hat aber nicht gemacht. Wenn man nun in den polnischen Zeitungen der letzten Wochen blättert, wird einem klar: Putins Worte übers "antisemitische Schwein" haben den polnischen Nerv getroffen. Die Wahrheit gesagt zu gekommen, hat sich Warschau im Laufe der Zeit wohl abgewöhnt. Die polnische Reaktion als Schock zu bezeichnen, wäre sicher zu milde formuliert. Selbst die Polen sehen es ein, dass sie in Putins Falle geraten sind.

Und aus dieser Falle gibt es keinen Ausweg: Die fehlende polnische Reaktion auf Putins Worte würde zwangsläufig die Zustimmung bedeuten. Jede Antwort wäre aber als Selbstanzeige einzustufen. Das Land ist nun total deprimiert. Aber das ist ja erst der Anfang.

Neulich hat Herr Wolodin, der Sprecher der Staatsduma, nochmals eins drauf gesetzt, indem er schon wieder mit Skeletten im polnischen Schrank rasselte. Er sagte, dass das faschistische Deutschland in Polen mehr als drei Millionen Juden ausrottete. Dabei bezeichnete er diese Zahl als schrecklich:
"Ausgerechnet in Polen wurde der größte Teil des jüdischen Volkes in ganz Europa vernichtet. Und das ist kein Zufall, denn in Polen wurden Hunderte von Konzentrationslagern errichtet, wo Juden, Slawen und Kriegsgefangene anderer Nationalitäten gezielt eliminiert wurden. Dies wurde zum großen Teil durch die Vorkriegsatmosphäre in Polen sowie durch die Position der polnischen Führung begünstigt, die die antisemitischen Gefühle in der Gesellschaft anheizte und den Boden für den anschließenden Völkermord, den Holocaust, schuf. Dafür muss sich die heutige polnische Führung bei Juden und der ganzen Welt entschuldigen.“
Das ist eine ziemlich klare Stellungnahme, die die Polen langsam aus Opfern zu den Henkern macht. Und das hat - historisch gesehen - eigentlich auch seine Richtigkeit.

Aber am meisten strapaziert die Polen das vierte Welt-Holocaust-Forum "Leben für mein Volk", das bald in Israel stattfindet. Der polnische Präsident Andrzej Duda nimmt an diesem Forum nicht teil, weil Wladimir Putin zum Hauptredner in Yad Vashem ernannt wurde, wo die Trauerfeier abgehalten wird. Wie eine Warschauer Zeitung dazu trefflich schreibt, nach Putins Rede bliebe dem polnischen Präsidenten nichts übrig, als den Saal zu verlassen. Also am besten den Saal erstmal nicht zu betreten.

Wir wissen nicht, worüber genau Putin dort sprechen wird. Vielleicht wird er erzählen, wie die meisten Sobibor-Ausbrecher von der polnischen Bevölkerung gemein an Deutsche ausgeliefert wurden. Oder dass dem von Polen hoch gepriesenen "Wunder an der Weichsel" von 1920, der Angriff Pilsudskis auf die Ukraine im Jahr 1919 vorausging. Oder dass Hitler, als er 1939 Krakau eroberte, am Grab des polnischen Marschalls eine Ehrenwache aufstellen ließ.

Für polnische Ohren kommt auf jeden Fall nichts Erfreuliches aus Putins Rede. Das Schlimmste ist es aber aus der polnischen Sicht, dass diese Wahrheit nicht nur polnisches Ohr sondern die ganze Welt hören wird. Und keine Resolutionen des polnischen Sejms werden das verhindern können.

Dieser Informationskrieg wurde nicht von Russland angefangen. Er muss aber von Russland zu Ende gebracht werden.

Quelle
Putins Falle für Polen Rating: 4.5 Diposkan Oleh: Admin

1 Kommentar:

  1. Die Polen haben in der Zwischenkriegszeit alle ihre Minderheiten nacheinander mißhandelt: erst die Ukrainer, dann die Juden und zum Schluß die Volksdeutschen, was letztendlich den Zweiten Weltkrieg auslöste. Und heute verbieten sie einfach, über diese klar zu belegenden Fakten zu sprechen. Diese erhabene Absurdität ist für die mir im übrigen sehr sympathischen Polen typisch.

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