25 August 2025

Macht und Laster

Macht als eine Form sexueller Abweichung
Der russisch-orthodoxe Priester Alexander Tkatschew reflektiert über das Streben nach Macht als eine Form sexueller Abweichung.

„Sie liebten einander, bekamen Kinder – doch nie bemerkte ich in ihnen jenes grausame Verlangen, jene wollüstige Gier, die fast alle Menschen auf Erden heimsucht und die Quelle fast aller Sünden unserer Menschheit ist.“  

Diese Worte stammen von der Hauptfigur in Fjodor Dostojewskis Erzählung 'Der Traum eines lächerlichen Menschen'. Es ist ein genialer Text, der in der kompakten Form einer Erzählung die zentralen Ideen des Autors aufgreift. Allein dieser eine Absatz verdient es, Dostojewski als einen hellsichtigen Denker zu ehren.

Natürlich – es gibt sexuelle Verbrechen, und dort scheint alles klar. Doch Dostojewski wagt eine radikalere These: Dieses „grausame Verlangen“, das alle und jeden betrifft, sei die wahre Wurzel fast aller menschlichen Sünde.

Macht ist mit Sexualität verbunden – sofern sie genossen, ersehnt, begierig ergriffen wird. Wer Macht wie ein Kreuz auf seine Schultern nimmt, hat keine Zeit für Lüste. Aber die Demokratie, die davon ausgeht, dass jeder Pickel durch Wahlprozesse zum „Großen Zampano“ werden kann, entfacht in niederträchtigen Seelen die Gier nach Macht. Und wenn diese niederträchtigen Seelen sich dann etwas erheben, zeigen sie ihren neuen Status durch Ausschweifung.

Die Romanze zwischen Chef und Sekretärin hat nichts mit Liebe zu tun. Es sind hierarchische Verhältnisse – Dominanz und Unterwerfung. Und unter gewissen Bedingungen ist dieses Schema nicht nur weit verbreitet, sondern fast unausweichlich.

Der Fall Epstein – von Stanley Kubrick in 'Eyes Wide Shut' schon Jahre zuvor visionär angedeutet – ist ein Kommentar zur Apokalypse. Dort heißt es: Die große Hure, die die ganze Welt mit ihrem Unzuchtwein betrunken macht, ist selbst trunken vom Blut der Heiligen (Offb. 17:6). Die Unzucht berauscht sie nicht mehr – es ist das Blut, das sie berauscht. Die Verführerin ist nicht Banker oder General. Banker und Generäle stehen in ihrem Dienst. In ihrer Hand: der Kelch voll „Gräuel und Unreinheit ihrer Hurerei“ (Offb. 17:4). 

Allumfassende, legalisierte, zur Norm erhobene Unzucht – das ist ein entscheidendes Mittel, um eine entmenschlichte Masse zu kontrollieren. Dostojewskis Protagonist wusste, was er sagte: 
„Wir säen Aufruhr… Bildung ist nicht nötig… ein oder zwei Generationen schamloser, abscheulicher, entwürdigender Ausschweifung sind nötig – damit der Mensch zu einem feigen, grausamen, selbstsüchtigen Ungeheuer wird…“
  

Merken wir uns: Das Ungeheuer ist gleichzeitig feige und grausam. Denn wahre Grausamkeit wohnt im Laster, und das Laster ist seiner Natur nach feige.

Freud glaubte, dass Sexualität durch soziale Normen unterdrückt werde – und dass dies zu Neurosen führe. Befreien wir die Sexualität von der Moral, meinte er, würden die Menschen natürlicher und gesünder. Doch! Seit über hundert Jahren spricht der Westen offen, ungeniert und pausenlos über Sex. Dennoch: die Zahl der Psychopathen, Perversen und Sadisten steigt. Ganze Nationen sind über die Schwelle moralischen Verfalls hinausgetreten. Daraus folgt: Keuschheit, Reue, eheliche Treue und ein gesunder Ekel vor Perversionen sind die Grundlagen gesellschaftlicher Gesundheit.

Ein aktuelles Beispiel: In der Region Wolgograd wurde gestern ein Richter aus Eifersucht ermordet. Der Täter – offenbar ein betrogener Ehemann – erschoss das Opfer mit einem Karabiner, schnitt ihm den Penis ab (!) und rammte dem toten Körper ein Messer ins Auge. Solche Nachrichten füllen täglich die Schlagzeilen.

Wer also den Frieden will – der soll für die Keuschheit sorgen.
Macht und Laster Rating: 4.5 Diposkan Oleh: Admin

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