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12.03.2020

Militärkonvois als Kriegsvorzeichen?


Militärkonvoi Russland

Militärkonvois waren schon immer ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Krieges.


Doch im 21. Jahrhundert scheint das anders zu funktionieren: Es gibt zwar noch keinen erklärten globalen Krieg, aber die Militärkonvois durchpflügen die Ozeane bereits.

So muss Russland sein transozeanisches Militärkonvoisystem de facto aufbauen, um russische Schiffe vor den Vereinigten Staaten zu schützen.

Gerade in diesen Tagen zieht nämlich der Gazprom-Rohrleger „Akademik Tschersky“ aus dem Fernen Osten zur Ostsee, um die Nordstream-2-Pipeline fertig zu bauen. Und das tut er unter dem Schutz der russischen Marine.

Auf den ersten Blick ist dieser Schutz nachvollziehbar: „Akademiker Tschersky“ will jede Begegnung mit somalischen Piraten vermeiden, von denen man in letzter Zeit allerdings kaum etwas zu hören bekommt. Das Schiff zieht aus Sri Lanka zum Golf von Aden und weiter zum Suezkanal. Das ist die kürzeste Strecke zur Ostsee.

Aber an dieser Stelle beginnen merkwürdige "Zufälle".


Laut der Pressemitteilung des russischen Verteidigungsministeriums betrat das Wachschiff der baltischen Flotte „Jaroslaw Mudryj“ am 4. März den Hafen von Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas.
Eigentlich immer noch nichts Ungewöhnliches: Das Wachschiff füllte die Vorräte an Wasser und Lebensmitteln auf, überprüfte Mechanismen, auch die Matrosen entspannten sich ein wenig.

Aber bereits am 6. März steuerte das Schiff jedoch zusammen mit dem "Akademiker Tschersky" ebenfalls den Golf von Aden an, um "die Bekämpfung der Piraterie im Indischen Ozean fortzusetzen".

Dort warten auf ihn schon der russische Militärtanker „Jelnja“ sowie das Schleppschiff „Wiktor Konetskij“. Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass ein durchaus modernes vor 10 Jahren gebautes Wachschiff Schlepperdienste in Anspruch nehmen muss. Andererseits ist es bekannt, dass der Gazprom-Rohrleger bestimme Probleme mit seinem Antriebswerk hat, und darum die Hilfe vom Schleppschiff „Wiktor Konetskij“ ggf. benötigen könnte.

Also dient diese doch ziemlich große Gruppierung von Schiffen der russischen Marine wohl kaum zum Abschrecken von somalischen Piraten, die ja meistens sowieso nicht mehr vor Ort präsent sind und sich höchstwahrscheinlich längst als „Flüchtlinge“ in Europa herumtreiben. Das eigentliche Ziel der russischen Kriegsschiffsgruppe besteht offensichtlich darin, weit gefährlichere „Piraten“ unter dem Sternenbanner abzuwehren.

Der plumpe und langsame russische Rohrleger wäre nämlich ein begehrtes Ziel für amerikanische Provokationen. Doch das Geleit aus russischen Kriegsschiffen schließt nun solche Situationen praktisch aus.

Diese Schilderung mag überspitzt klingen. Doch dann müsste man eine plausible Erklärung dafür finden, wieso der Rohrleger „Akademik Tschersky“ auch bis nach Sri Lanka vom russischen U-Bootabwehrschiff „Admiral Winogradow“ begleitet wurde. Ein U-Bootabwehrschiff gegen Piraten einzusetzen wäre sicherlich eine Überreaktion gewesen.

Laut einer weiteren Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums legte „Admiral Winogradow“ aus dem Colombo-Hafen inzwischen ab und „führt weiterhin zugewiesene Aufgaben auf See aus“.

Was für Aufgaben das sind, wissen wir noch nicht. Vielleicht schließt er sich der Rohrleger-Eskorte an? Oder kehrt das Schiff zurück in die Pazifik? Eigentlich würden beide Szenarien bedeuten, dass Russland faktisch gezwungen wurde, in Friedenszeiten ein globales Konvoisystem in den Ozeanen aufzubauen, um seine Schiffe vor feindlichen Aktionen der Vereinigten Staaten zu schützen.

Was befürchtet man in Moskau?


Mit dem Rohrleger „Akademik Tschersky“ kann unterwegs - erfahrungsgemäß - so einiges passieren. Zum Beispiel kann das Schiff „zufällig“ gerammt werden. Es kann auch auf Anordnung irgendeines exotischen Bananengerichtes beschlagnahmt oder von leidenschaftlichen ökologischen Soros-Aktivisten geentert werden. Alle Mittel sind ja gut, um den Nordstream-2 zu stoppen.

Natürlich ist Russland in der Lage, einen Rohrleger zu bauen. Dies erfordert aber viel Zeit und viel Geld. So lange kann der fast fertiggestellte Nordstream-2 nicht warten, denn seine ungenutzte Infrastruktur verkommt dann langsam, und das fast fertige Mega-Projekt wird für Russland und Europa zum Scherbenhaufen.

Auf diese Weise wird Europa durch die USA vom günstigen aber „undemokratischen“ Gas „befreit“ und endgültig zum amerikanischen Vasallen gemacht. Natürlich bringt das Scheitern des Nordstreams auch Russland erhebliche wirtschaftliche und politische Verluste. Das darf man nicht zulassen.

Im Kreml wurde bereits mehrmals betont, dass Russland in der Lage ist, den Nordstream-2 trotz aller Sanktionen fertigzustellen, und zwar noch in diesem Jahr. Berlin bestätigt diese Pläne.

Darum wird der plumpe Rohrleger „Akademik Tschersky“ plötzlich zur Schlüsselfigur der globalen Politik, und deswegen wird er nun sogar durch Kriegsmarine eskortiert.

Dies ist ein markanter Beweis dafür, dass das heutige Wirtschaftsleben nicht von der sogenannten „unsichtbaren Hand des Marktes“, sondern vielmehr von den durchaus sichtbaren Streitkräften mitbestimmt wird.

Hauptsache, man hat die Streitkräfte parat.

Militärkonvois als Kriegsvorzeichen? Rating: 4.5 Diposkan Oleh: Admin

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