11.05.2017

DDR: ein anderes Deutschland

Impressionen über Ostdeutschland
Die russische Journalistin teilt ihre Impressionen über Ostdeutschland.

Sie sind hart im Nehmen. Sie haben strenge Gesichtszüge und gesetztes Auftreten. Sie sind wie in der Grobmühle gemahlen oder aus Rohgarn gestrickt. Zum Lächeln dehnen sich ihre Lippen nur mühsam. Denn sie verstehen wirklich nicht, wieso sie plötzlich ganz fremde Leute anlächeln müssen. Übrigens, genauso wie die Russen. Aber sobald man sich kennt, werden sie ganz anders: offen, aufrichtig und sehr direkt.

Die Frauen sind stämmig und irgendwie rustikal. Sie sehen gar nicht aus wie zierliche Hirtinnen oder Ballerinen aus dem berühmten Dresdner oder Meißner Porzellan.

Das sind die Ostdeutschen, die eigentlich genauso, wie ihre Vorfahren aussehen, was man leicht mit dem Mangel am frischen Blut erklären kann.

Und wenn der Anteil an Bürgern mit ausländischem Hintergrund in Westdeutschland erheblich ist, bilden die Ausländer in Ostdeutschland eine kaum nennenswerte Minderheit. Fremde sind hier nicht beliebt. Flüchtlinge werden gehasst, also ziehen sie bei jeder Möglichkeit lieber in die westlichen Großstädte.

Eines schönen Tages war ich in der Dresdner Gemäldegalerie. Da ist mir plötzlich aufgefallen, dass ein Kurfürst auf dem Portraits dem Museumswächter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Ich musste lachen. Sie waren wirklich wie Zwillinge: Rundliche rosa Wangen, Doppelkinn, blaue Glotzaugen, hochnäsiges Auftreten. Im Osten also nichts Neues – und das seit 300 Jahren!

Aber die Menschen sind hier grundsätzlich rar. Selbst in Dresden erlebt man kaum Staus auf den Straßen. Von den Gebieten weiter östlich ganz zu schweigen. Bis zur polnischen Grenze kann man viele Kilometer fahren, ohne Menschen oder Autos anzutreffen. Aber sauber ist es hier wie in einem OP-Saal. Alles wie mit der Zunge ausgeleckt. Kaum mit dem von Migranten verdreckten Köln oder Frankfurt zu vergleichen. Es herrscht hier die grüne Geometrie der Felder, hoher Hopfen, in Ähren schießender Weizen, reiche Bauernhöfe und gepflegte Landschaften. Der Triumph der Arbeit und Ordnung! Die Bäume sind wie Soldaten, und die Blumen sind ohne Zweifel streng diszipliniert.

Aber wo sind die Schöpfer dieser idealen Welt? Wo sind ihre Spuren auf den sauberen Fußwegen?
Niemand ist zu sehen. Ich musste mir hierzu eine ganze Theorie erdichten: vielleicht steigen kleine grüne Männchen vom Himmel auf die schönen sächsischen Wälder und Felder herunter. Sie machen das Land sauber und verschwinden mit dem Sonnenaufgang wieder. Eine bessere Erklärung konnte mir einfach nicht einfallen. Erst später musste ich aber erfahren, wohin die Menschen aus Ostdeutschland wirklich verschwinden...

Quelle der Übersetzung


DDR: ein anderes Deutschland Rating: 4.5 Diposkan Oleh: Rus Funker

1 Kommentar:

Nephilim hat gesagt…

Vielleicht muß ich irgendwann da hin ziehen. Hier im Westen wird es mir zu bunt.

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