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08 Juni 2017

Bericht von einer Demo

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Bericht russischer Journalistin aus Dresden
Die russische Journalistin berichtet nun - etwas verblüfft - von einer Pegida-Demo in Dresden. 

Montag. Das Zentrum von Dresdner wird von vielen Polizeiautos umzingelt. Musiker in Trachten spielen Volkslieder, ältere Frauen und Männer singen und bödeln. Es gibt aber auch genug junge Leute mit herausforderndem Gesichtsausdruck.

Plötzlich erstarrte ich zur Salzsäule, denn ich sehe hier russischen Flaggen. Einer davon ist ganz besonders: halb russisch, halb deutsch. Der Fahnenträger bemüht sich, mir in gebrochenem Russisch zu erklären, dass das ein Symbol der russisch-deutschen Einheit sei.

Es laufen auch viele Jungs in T-Shirts mit Putin-Bild. Plakate mit Putin und gleich daneben Plakate, wo Merkel mit Schweineohren abgebildet wird. Oder Merkel in Nazi-Uniform und Euro-Zeichen, das dem Hakenkreuz ähnlich aussieht. Bilder mit gekreuzten muslimischen Frauen in Burkas.
Aufrufe zur „Freundschaft mit Russland“ und zum „Krieg mit NATO“.

Also wo bin ich denn jetzt? Ist das Deutschland? Viele Demonstranten haben Kuschelschweine in der Hand. Ein mastiges Schwein ist doch das Symbol vom wohlhabenden christlichen Deutschland. Also - kein Halal! „Es lebe Russland!“- erschallen plötzlich die Aufrufe um mich herum. Eine ältere begeisterte Frau wiederholt immer wieder: „Mein Herz gehört Putin“.
Mir wird langsam schwindlig.
- Warum glaubt ihr Putin? - wundere ich mich. Der Mann neben mir heißt Michael. Er klärt mich auf: - Er ist der einzige globale Entscheidungsträger, der gegen den Terrorismus kämpft. Im Übrigen, wer ist denn sonst glaubwürdig? Etwa unsere proamerikanische Marionette, die die Grenzen für Fremde offen hält? Die Invasoren vergewaltigen unsere Frauen und toten unsere Männer. Sie essen unser Brot, aber sie hassen unsere Religion und haben vor, in Deutschland ein Kalifat aufzubauen.
- Aber in Ostdeutschland sehe ich so gut wie keine Ausländer...
- Genau! Und wir tun alles, damit das auch so bleibt. Wir sind aber keine Rassisten. Andererseits muss jeder, der sich in unserem Land aufhält, die Gesetze dieses Landes respektieren.

Ich erzähle Michael darüber, was ich in München gesehen habe. Es waren junge hysterische Dumpfbacken, sie schrien: „München ist bunt!“ und „Wir lieben Flüchtlinge!“. Ich erinnere mich noch, wie ein paar tausend „Liberalen“ einige wenige zurechnungsfähige Menschen schlagen wollten, die gegen die Islamisierung Deutschlands demonstriert haben. Nur die Polizei konnte damals die Schlägerei verhindern.

- Das ist klar, das sind doch Wessis, - erwidert Michael verächtlich. - Die glauben doch alles, was ihre blöde Zeitungen schreiben. Aber wir sind in der DDR aufgewachsen. Wir sind anders. Wir sind gegen die Propaganda immun. Und genau das haben wir mit Russen gemeinsam!

Ein AfD-Abgeordneter teilt diese Meinung auch:
- Ja, wir - die Russen und die Ostdeutschen - sind misstrauisch. Und die kleinste Spur von Propaganda riechen wir auch sofort. Das ist der beste Schutz vor Illusionen. Westdeutschland war das Schaufenster des idealen Kapitalismus, und als solches hat es 50 Jahre lang ein ungetrübtes Leben geführt. Die da drüben sind total überzeugt, das ihnen nichts Schlimmes zustoßen kann. Wessis sind unrealistisch, sie sind einfach nicht in der Lage vernünftig analysieren, was jetzt passiert. Die DDR-Bürger wussten ganz genau, dass die Lüge ein integraler Bestandteil des Lebens ist. Sie wurden oft belogen, das war aber für sie kein Geheimnis. Und im Leben störte diese Lüge auch nicht äußerlich.
Damals war ich ein glücklicher junger Mann, erfolgreich im Studium, bekam mein Stipendium und hatte vor, im Ausland auf Kosten der DDR weiter zu studieren. Ich war sicher, dass auch morgen das Leben immer noch in Ordnung ist. Und dann brach alles zusammen.
Die jungen Leute hatten es vielleicht einfacher, sie sind flexibler. Für die Älteren war das eine schwere Zeit, Scheitern aller Träume. Aber viele von ihnen waren standhaft genug, um einen Neuanfang zu wagen. Sie wissen genau, dass das Leben kein Paradies auf Erden ist, der Erfolg muss schwer erarbeitet werden, aber er bleibt trotzdem unbeständig. Wir freuen uns über das vereinte Deutschland. Wir sind bereit für unser Land zu kämpfen. Das ist aber kein Nationalismus. Das ist lediglich unsere einzige Überlebenschance. Und auch in diesem Sinne können uns die Russen wohl am besten verstehen. Während der Perestroika haben auch sie ihre Identität verloren, und gewinnen sie erst jetzt wieder. Wessis haben allzu lange im abgesicherten Paradies gelebt, und sie sind leider nicht mehr fähig, zu kämpfen. Die Verkörperung ihrer Kultur ist Conchita Wurst. Mit solch einem Leitstern kann man das Land nicht schützen.
Aber wir können das!

Hier muss ich aufseufzen: - Sie wissen doch, Deutschland ist ein NATO-Mitglied, und ein von den USA immer noch besetztes Gebiet. Geheime Verträge, wissen Sie...
- Davon will ich nichts wissen, - sagt der AfD-Politiker mit ironischem Lächeln.
- Dennoch wird herumgesprochen, dass es einen Pakt zwischen den USA und Deutschland gibt...
- Die ganze Weltgeschichte hat schon mehrmals bewiesen, dass alle Vertrage nichts mehr als nur ein Stück Papier sind. Wenn die Welle des Volkszorn schlägt, fegt sie alles weg. Wir haben schon den Zusammenbruch der UdSSR, Jugoslawien, der DDR, des Warschauer Vertrags gesehen.
Das Gleiche kann auch der NATO oder der EU passieren. Sobald die Idee reif ist, und sie die Gemüter beherrscht, werden juristische Akte nichtig. Deutschland wird wieder mächtig und selbstständig. Es wird seine Interessen wieder schützen können. Dann versinken alle geheimen Abmachungen im Aktenstaub.

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05 Juni 2017

DDR: Begegnung im Dresdener Café

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Begegnung in Dresdner Cafe
Die russische Journalistin berichtet für ihre Leser weiter aus Dresden. 

Mit Marianne, die als Kellnerin in einem Café in Dresden arbeitet, gerieten wir zuerst in Zwist. Dann wurden wir Freundinnen.

Diese müde aussehende Frau um 50 schmiss den Teller mit dem prächtigen Schweinskotelett auf meinen Tisch so wuchtig, dass das Fett über den Tellerrand auf die Tischdecke schwappte. Ich schimpfte auf Englisch, dann aber auch auf Russisch.

Darauf leuchtete das Gesicht der Kellnerin unerwartet auf.
- Sind Sie Russin? Entschuldigen Sie! - sagte sie plötzlich auf Russisch mit starkem Akzent.
- Früher war ich Russisch-Lehrerin, und nun bin ich halt hier.

Wir verabredeten uns am Abend auf einen Kaffee.
In einigen Stunden sah sie ganz anders aus: in einem eleganten Kleid, schön geschminkt und viel junger aussehend.
- Das macht tierisch Spaß, nach so vielen Jahren mal wieder Russisch zu plaudern, - sagte Marianne.
Sie rauchte Kette und erzählte ihre Geschichte, die eigentlich tausend DDR-Frauen erzählen könnten.
- Als Wessis kamen, wurde ich aus der Schule sofort rausgeschmissen, war ich doch Parteimitglied und dazu noch Russisch-Lehrerin. Für sie waren wir alle Stasi. Heute erzählt man im Westen viele Gruselgeschichten über Stasi. Als ob CIA anders funktioniert... Aber es ist wohl doch etwas dran an diesen Geschichten, denn unsere Staatssicherheitsorgane konnten ja die DDR schließlich nicht schützen.

Mein Mann wurde auch entlassen, er war Bergarbeiter in Hoyerswerda. Das konnte er nicht ertragen und wurde Alkoholiker. Vielen ist es so ergangen. Für Deutsche bedeutet die Arbeit alles. Wie ließen uns scheiden, und irgendwann zog er gen Westen.

Also blieb ich allein mit meiner kleinen Tochter. Meine Eltern wurden damals auch zwangspensioniert, und damit hatten wir ausnahmsweise etwas Glück im Unglück: die Eltern konnten auf das Kind aufpassen, und ich suchte Arbeit. Aber ich war ja als Kommunistin politisch unzuverlässig. Also konnte ich selbst mit dem Uni-Abschluss nur mit einer Putzfrau-Stelle rechnen.

Schließlich konnte ich eine Stelle im Café finden. Übrigens, das mit dem Teller tut mir wirklich leid.
Manchmal bin ich mit meinen Nerven echt am Ende, das Leben scheint aussichtslos. Die Tochter wurde erwachsen und zog ebenfalls nach Westen. Sie arbeitet als Krankenschwester.
Wir sehen uns kaum noch. Also bin ich wohl auf die Einsamkeit angewiesen.

Ich hasse die Leute, die die Mauer zerstörten. Sie waren einfach nur dumm... Warum ziehe ich nicht westwärts? Hab gar keinen Bock. Die da drüben haben ja den ganzen terroristischen Abschaum eingeladen. Millionen Schmarotzer, wo es in Deutschland auch ohne Migranten genug Arbeitslose gibt. Ich bleibe lieber hier, denn hier ist das echte Deutschland. Die Menschen sind hier noch Patrioten. Sie haben bestimmt bemerkt: hier gibt's deutsche Fahnen auf allen Häusern. So was sehen Sie im Westen nicht, das kann ja Gefühle der Migranten verletzen...

Jeden Montag bin ich bei den Pegida-Versammlungen dabei. Die sind gegen die Islamisierung Europas. Schauen Sie mal vorbei, dort finden Sie echte Deutsche!

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