16.03.2017

Der wohltemperierte Kommentar

Kommentar: Deutsch und Russisch
Am 13. März 2017 wurde in der deutschsprachigen Internet-Ausgabe der Deutschen Welle (hier) ein Kommentar vom DW Washington-Korrespondent Miodrag Soric veröffentlicht.

Drei Tage später erschien derselbe Artikel in der russischen Version (hier) auf der russischsprachigen Webseite des deutschen Medienkonzerns.

Wie sich die zwei sprachlichen Versionen voneinander unterscheiden, sehen Sie aus dem Original und der Übersetzung aus dem Russischen in der folgenden Tabelle.



Version für deutschsprachige Leser
Version für russischsprachige Leser
(Original auf Russisch)

Titel:
Merkel will kein Anti-Trump sein
Titel:
Merkel-Besuch in den USA: ein Treffen zwischen der Therapeutin und dem Hetzer
Angela Merkel hat schon viel Erfahrungen sammeln können im Umgang mit politischen Egomanen. Nun trifft sie sich mit Donald Trump. Ihre therapeutische Kompetenz dürfte ihr in Washington helfen, meint Miodrag Soric.
Angela Merkel trifft sie sich mit Donald Trump. Sie hat schon Erfahrungen sammeln können im Umgang mit politischen Egomanen. Nun Ihre therapeutische Kompetenz dürfte ihr beim Treffen helfen, meint Miodrag Soric.
Da ist zum Beispiel der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Je länger er im Amt ist, desto wütender poltert er, vergleicht die demokratische, ja heute fast schon biedere Bundesrepublik mit dem Deutschland im Nationalsozialismus. Merkel weist die Ausfälle mit einer Sachlichkeit vom Tisch, als ob sie einer Schulklasse erklärte, weshalb die Sicherung im Keller gelegentlich durchknallt.
Da ist zum Beispiel der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Je länger er im Amt ist, desto wütender poltert er, vergleicht die friedliche, demokratische Bundesrepublik mit dem Deutschland im Nationalsozialismus. Merkel weist die Ausfälle gelassen vom Tisch. Das macht Sie doch nicht zum ersten Mal.
Sie lässt sich auch nicht provozieren, wenn der Chef der polnischen Regierungspartei, Jaroslaw Kaczynski, vor dem "deutschen Diktat" warnt.

Sie lässt sich auch nicht provozieren, wenn der Chef der polnischen Regierungspartei, Jaroslaw Kaczynski, vom "deutschen Diktat" sprach.
Keinen Mundwinkel verzieht sie, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin die Sanktionen des Westens als ungerecht brandmarkt. "Der lebt in einer eigenen Welt", lautet ihre Diagnose.
Keinen Mundwinkel verzieht sie, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin die Sanktionen des Westens als ungerecht brandmarkt. "Der lebt in einer eigenen Welt", lautet ihre „Diagnose“.
Die Kanzlerin "freut" sich auf den Besuch 
Die Kanzlerin "freut" sich auf das bevorstehende Treffen
Jetzt also Donald Trump. Was hat er ihr in den letzten Monaten nicht alles vorgeworfen! Merkel würde Deutschland ruinieren. Trump sagte Aufstände an Rhein und Oder voraus. Seine deutschen Freunde seien von Merkels Flüchtlingspolitik so entsetzt, dass sie Europa verlassen würden.
Jetzt also Donald Trump. Was hat er ihr in den letzten Monaten nicht alles vorgeworfen! Merkel würde Deutschland ruinieren. Trump sagte Aufstände an Rhein und Oder voraus. Seine deutschen Freunde seien von Merkels Flüchtlingspolitik so entsetzt, dass sie Europa verlassen würden.
Doch Frau Doktor Merkel kann auch damit umgehen: Sie freue sich auf die persönliche Begegnung, hieß es trocken. Trumps Kritik prallt ab. Im Vorfeld des Besuches hat die Kanzlerin die Erwartung so weit gesenkt, dass viele allein das Händeschütteln vor dem Weißen Haus schon als Erfolg bewerten werden.
Doch Frau Doktor Merkel kann auch damit umgehen: Sie freue sich auf die persönliche Begegnung, hieß es aus Berlin trocken. Im Vorfeld des Besuches hat die Kanzlerin die Erwartung so weit gesenkt, dass viele allein das Händeschütteln vor dem Weißen Haus schon als Erfolg bewerten werden.
Das Ziel: Washington in der Spur halten
Das Ziel: Washington bändigen
Die Kanzlerin bleibt auch vor dem USA-Besuch sachlich. Zu viel steht auf dem Spiel. Ein Handelskrieg zwischen der EU und den USA würde die Weltwirtschaft schwer belasten. Eine Schwächung der NATO, ein amerikanischer Isolationismus wären das Ende der bisherigen Weltordnung - mit unabsehbaren Folgen.
Eine Abkehr Amerikas vom Pariser Klimaabkommen brächten Tod und Elend in Afrika. Ein Aufgeben der gemeinsamen Werte, würde die Glaubwürdigkeit des Westens untergraben. Trump mag das Auseinanderbrechen der EU herbeisehnen. Angela Merkel wird umso hartnäckiger das europäische Projekt verteidigen. Und sich durchsetzen. Zu ihrer Stärke gehört, dass viele sie immer noch unterschätzen. 
Die Kanzlerin bleibt auch vor dem USA-Besuch kaltblutig. Zu viel steht auf dem Spiel. Ein Handelskrieg zwischen der EU und den USA würde die Weltwirtschaft schwer belasten. Eine Schwächung der NATO, ein amerikanischer Isolationismus wären das Ende der bisherigen Weltordnung - mit unabsehbaren Folgen.
Eine Abkehr Amerikas vom Klimaabkommen brächten Tod und Elend in Afrika. Ein Aufgeben der gemeinsamen Werte, würde die Glaubwürdigkeit des Westens untergraben. Trump mag das Auseinanderbrechen der EU herbeisehnen. Angela Merkel wird umso hartnäckiger das europäische Projekt verteidigen. Und sich durchsetzen. Zu ihrer Stärke gehört, dass viele sie immer noch unterschätzen. 
Merkel als sachliche Anführerin Europas
Merkel als vernünftige Anführerin Europas
Die Welt besser machen - wie es Amerikaner gerne pathetisch formulieren - das will auch die Kanzlerin. Doch sie meidet den großen Auftritt; sie mag keine Übertreibungen, stilisiert sich auch nicht als Anti-Trump. Sie integriert, grenzt nicht aus. Sie ist die unbestrittene Anführerin Europas, weil sie keine Führung beansprucht. Großmannssucht ist ihr fremd. Kein unüberlegtes Wort kommt ihr über die Lippen.
Die Welt besser machen - wie es Amerikaner gerne pathetisch formulieren - das will auch die Kanzlerin. Doch sie meidet den großen Auftritt; sie mag keine Übertreibungen, stilisiert sich auch nicht als Anti-Trump. Sie integriert, grenzt nicht aus. Sie ist die unbestrittene Anführerin Europas, weil sie keine Führung beansprucht. Großmannssucht ist ihr fremd. Kein unüberlegtes Wort kommt ihr über die Lippen.
Bei dem Treffen der beiden Politiker, werden sich die Beobachter auf Donald Trump konzentrieren: Wird er wieder etwas Unüberlegtes sagen? Kann er verhandeln ohne zu drohen? Wird er die USA würdig repräsentieren? Selbst wenn Trump etwas Peinliches entgleitet - Frau Merkel wird so tun, als ob sie es nicht vernommen hätte. Denn Trump ist nicht ihr erster schwieriger Fall.
Bei dem Treffen der beiden Politiker in Washington, werden sich die Beobachter auf Donald Trump konzentrieren: Wird er wieder etwas Unüberlegtes sagen? Kann er verhandeln ohne zu drohen? Wird er die USA würdig repräsentieren? Selbst wenn Trump etwas Peinliches sagt - Frau Merkel wird so tun, als ob sie es nicht vernommen hätte. Denn Trump ist nicht ihr erster schwieriger Fall.
Der wohltemperierte Kommentar Rating: 4.5 Diposkan Oleh: RusFunker

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